Solar Cluster fordert Maßnahmen zur Umsetzung des 65-Prozent-Ziels

"Photovoltaik fünfmal schneller ausbauen"

Der Eigenverbrauch von Solarenergie wie im Aktiv-Stadthaus in Frankfurt sollte von Umlagen befreit sein, fordert der Solar-Cluster Baden-Württemberg. © ABG

In den Sondierungen zur Bildung einer neuen Regierung haben sich SPD und Union auf ein Ziel von 65 Prozent erneuerbaren Energien am Stromverbrauch bis 2030 verständigt. Das Solar Cluster Baden-Württemberg begrüßt dieses Ergebnis, fordert aber konkrete Schritte, um das Ziel auch erreichen zu können.

"Ziele ohne eine entsprechende Unterfütterung mit adäquaten Maßnahmen hatten wir schon genug", sagt Jann Binder, kommissarischer Geschäftsführer des Solar Clusters. Nach Vorstellungen des Branchenverbandes, der 45 Unternehmen und Forschungseinrichtungen aus allen Teilen der solaren Wertschöpfungskette in Baden-Württemberg vertritt, sollten das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) vereinfacht werden, der Förderdeckel von 52 Gigawatt installierter Leistung wegfallen und der Zielkorridor für den Photovoltaikausbau auf zehn Gigawatt pro Jahr steigen. Das alles sei ohne eine Erhöhung der EEG-Umlage machbar, sagt Binder.

In den vergangenen fünf Jahren haben die Deutschen im Schnitt rund zwei Gigawatt Photovoltaikleistung pro Jahr installiert. Das ist nur noch ein Viertel des Zubaus von 2012. Als Grund sieht Binder Verunsicherung durch die gesunkene Einspeisevergütung und öffentliche Kritik an der Solarstromerzeugung. Einen triftiger Grund sei das aber nicht. Solarstromanlagen würden weiterhin einen guten Gewinn erzielen und kontinuierlich günstiger werden.

Jetzt könnte wieder Schwung in die festgefahrene Situation kommen. "Um das neu vereinbarte 65-Prozent-Ziel zu erreichen, benötigen wir ab sofort bis 2030 jedes Jahr rund fünfmal so viel neu errichtete Solaranlagen", erklärt Jann Binder. Der Branchenverband leitet die notwendigen jährlichen Ausbauzahlen für die Photovoltaik aus der aktuellen Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien und den Energiewendezielen für 2030 ab.

Wind und Solar müssten Leistung verdoppeln

Im Jahr 2017 wurden 36 Prozent des Stromverbrauchs mit erneuerbaren Energien gedeckt. Wind und Photovoltaik kamen zusammen auf 24 Prozentpunkte, Biomasse und Wasserkraft auf zwölf Prozentpunkte. "Da Biomasse- und Wasserkraftnutzung über kein Wachstumspotenzial mehr verfügen, muss der Stromanteil aus Wind und Photovoltaik bis 2030 um 29 auf 53 Prozent steigen", rechnet Binder. "Das ist mehr als eine Verdoppelung im Vergleich zu heute – auf jeweils rund 120 Gigawatt installierter Leistung für Windkraft und Photovoltaik."

Ende 2017 waren rund 43 Gigawatt Photovoltaik und 56 Gigawatt Windenergie installiert. Der voraussichtlich mit der Wärmewende und dem Ausbau der Elektromobilität steigende Strombedarf ist bei diesem Szenario berücksichtigt. "Angesichts der hohen Akzeptanz von Photovoltaikanlagen sowie dezentraler Bereitstellung von Strom kann die Photovoltaik einen wichtigen wirtschaftlichen Beitrag zur Energiewende leisten, der zudem für die überregionalen Netze unkritisch ist", wirbt Binder für den Ausbau der Solarenergie.

Kontinuierliche Förderstrategie nötig

Im Koalitionspapier sollte festgehalten werden, dass die Bundespolitik künftig stetig positive Signale für mehr Photovoltaik und Windkraft setzen soll, fordert der Solar Cluster. Es ist deutlich mehr nötig als einzelne, kurzfristige Sonderausschreibungen: Investoren benötigen eine kontinuierliche Förderstrategie, vor allem die Errichtung großer Solaranlagen benötigt eine lange Vorlaufzeit und viele Genehmigungsverfahren.

Für die Photovoltaik schlägt der Branchenverband daher vor: Der 52-Gigawatt-Deckel für die Förderung von Photovoltaikanlagen muss wegfallen. Auch der politisch unterstützte jährliche Zubau von Photovoltaikanlagen in Höhe von rund 2,5 Gigawatt installierter Leistung sollte auf zehn Gigawatt erhöht werden, davon drei Gigawatt über Ausschreibungen für PV-Freiflächenanlagen.

Darüber hinaus müsse das EEG vereinfacht werden, insbesondere die EEG-Umlage auf Eigenverbrauch wegfallen und die Direktlieferung als Eigenverbrauch eingestuft werden. So könnte die Politik neue Geschäftsmodelle für die nachhaltige lokale Stromversorgung im Quartier anregen.

EEG-Umlage muss nicht steigen

Eine Verdopplung der Photovoltaikanlagen in Deutschland müsste nach Abschätzung des Solar Clusters Baden-Württemberg keine Erhöhung der EEG-Umlage zur Folge haben. Grund seien die aktuell nur noch geringen Kosten für Photovoltaikanlagen. Für jedes zusätzliche Gigawatt Photovoltaik erhöhe sich die EEG-Umlage nur noch um weniger als 0,013 Cent pro Kilowattstunde. Das wären bei zusätzlichen 50 Gigawatt Leistung rein rechnerisch insgesamt 0,6 Cent.

Daher sollte die Politik die Finanzierung der Energiewende überprüfen und auf mehr Schultern als denen der Stromverbraucher umlegen. Das Solar Cluster begrüßt aus diesem Grund ausdrücklich die ursprünglich im Ergebnispapier der Sondierungen enthaltene Formulierung, dass die EEG-Umlage stabilisiert werden muss und der Staatsanteil an den variablen Stromkosten sinken soll. Die Koalitionsverhandlungen von CDU, CSU und SPD über eine Regierungsbildung sollen bis Februar dauern. Quelle: Solarcluster / sue

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