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Bio-Solar-Nahwärme

Ein innovatives Nahwärmenetz in Dorf Gimbweiler

Für den Bau des Nahwärmenetzes mussten 8.300 Tonnen Erdmassen bewegt, insgesamt acht Kilometer Rohrleitungen verlegt und mit 1.678 Schweißnähten verbunden werden. Foto: Frank Kley

Ganz Deutschland stöhnt unter dem Joch explodierender Energiepreise. Ganz Deutschland? Nicht ganz: die Bürgerinnen und Bürger von Gimbweiler, einem rheinland-pfälzischen Dörfchen an der Grenze zum Saarland, können sich entspannt zurücklehnen. Zumindest diejenigen, deren Wohnhäuser am örtlichen Nahwärmeversorgungsnetz hängen. Denn das wird zu 100 Prozent mit erneuerbaren Energien betrieben.

Für die Gemeinde war die Inbetriebnahme des Leuchtturmprojekts im September 2021 ein mutiger Schritt in Richtung Energieunabhängigkeit und Klimaschutz zugleich, auch wenn auf dem Weg nicht immer alles glatt lief. Martin Samson ist sicht- und hörbar stolz auf das, was in seiner Ortsgemeinde in den vergangenen sieben Jahren geleistet wurde. Mittlerweile ist er „Bürgermeister a. D.“, aber als einer der maßgeblichen Initiatoren und Förderer des Projekts „Bio-Solarenergie-Nahwärmeversorgung Gimbweiler“ führt er heute immer noch gerne interessierte Fachleute von Nah und Fern über den eigens geschaffenen „Gimbweiler Energieweg“. Dort erklärt er ihnen die Schritte zur kompletten ökologischen Nahwärmeversorgung anschaulich vor Ort. Und das Interesse ist gerade in diesen Zeiten enorm. Aus Berlin reisten Bundespolitiker*innen an, regionale, überregionale und europäische Nachbarn waren dort. Sogar kommunale Vertreter*innen aus Afrika zeigten sich beim Rundweg zu einzelnen Stationen beeindruckt.

Innovatives Konzept

Den Grundstein für den nächsten Schritt in der kommunalen Energiewende legten die Gimbweiler dann 2015. Ein „Energieteam“ um Martin Samson hatte sich das Ziel gesetzt, ein Bioenergiedorf zu gestalten, das seine Heizenergie für Raumwärme und Warmwasser komplett aus „Erneuerbaren“ bezieht. Mit fachlicher Unterstützung des Instituts für angewandtes Stoffstrommanagement (IfaS) am Umwelt-Campus der Hochschule Birkenfeld entwickelte die Gemeinde ein innovatives Konzept für eine bioenergetische Nahwärmeversorgung mit einer solarthermischen Freiflächenanlage und einer zugehörigen Photovoltaik-Anlage zur Eigenstromversorgung der Heizzentrale. Als die Verbandsgemeinde Birkenfeld im Juli 2016 vom Bundesumweltministerium (BMUB) im Rahmen der nationalen Klimaschutzinitiative in die Reihe der bundesweit 41 Masterplan-Kommunen aufgenommen wurde, war auch die Finanzierung über einen Förderzeitraum von vier Jahren gesichert.

Die Bewerbung beim zuständigen Bundesumweltamt war erfolgreich: Rund 3,7 Millionen Euro aus der nationalen Klimaschutzinitiative sowie weitere Fördermittel aus dem Förderprogramm ZEIS (Zukunftsfähige Energieinfrastruktur) der Landes Rheinland-Pfalz sowie von der KfW wurden für die Projektumsetzung bereitgestellt. Die Nahwärmeversorgung Birkenfeld GmbH (NVB) gewann die Ausschreibung zur Realisierung des Vorhabens. Gesellschafter sind bis heute die Verbandsgemeinde Birkenfeld und die Energiedienstleistungsgesellschaft Rheinhessen-Nahe mbH (EDG), die als Generalunternehmerin Netz und Anlagen gebaut hat und heute den laufenden Betrieb managt.

Wertschöpfung bleibt in der Region

Nachdem die Förderbescheide ergangen und die Verträge mit potenziellen Abnehmern der Nahwärme geschlossen waren, fiel 2019 der Startschuss für den Bau des vier Kilometer langen Nahwärmenetzes inklusive der Heizzentrale und Solarenergieanlage, wodurch im Endausbau rund 100 Haushalte versorgt werden. Herzstück des Netzes ist die Heizzentrale, die mit zwei Holzhackschnitzelkesseln und einer solarthermischen Freiflächenanlage eine nahezu 100-prozentige Wärmeerzeugung sicherstellt. „Die Holzhackschnitzel kommen aus der unmittelbaren Umgebung“, erklärt Inga Klawitter, Klimaschutzmanagerin der Verbandsgemeindeverwaltung Birkenfeld. Die Wertschöpfung bleibe in der Region. Der in der Produktion notwendige Strom werde zum größten Teil von einer Photovoltaik-Anlage mit Batteriespeicher gedeckt. Ein Zusatznutzen am Rande: „Hier gibt es auch einen Ladeanschluss für das Bürgerauto Gimbi-E der Ortsgemeinde“, Klawitter weiter.

Die CO2-Bilanz nach dem ersten Betriebsjahr von April 2020 bis März 2021 übertraf bereits alle Erwartungen. „Die klimarelevanten Treibhausgabe wurden nahezu auf null reduziert“, unterstreicht Christoph Zeis, Geschäftsführer des Netzbetreibers EDG den Projekterfolg. „Die Bürgerinnen und Bürger profitieren von stabilen Wärmepreisen und haben dauerhaft preiswerte Heizkosten, die gegenüber einer unplanbaren CO2-Abgabe resilient sind.“ Die Bio-Nahwärmeversorgung Gimbweiler sei beliebig übertragbar „insbesondere in den ländlichen Raum, in dem es gilt, erneuerbare Energien zur klimaneutralen Wärmeversorgung zu etablieren, um die schwerpunktmäßig auf Heizöl basierenden Heizsysteme zu dekarbonisieren.“ Für diesen bahnbrechenden Ansatz wurde das Projekt 2021 zum Energy Efficiency Award der Deutschen Energie Agentur nominiert.

Bürgerdialog ist ein Erfolgsfaktor

Und was halten die Gimbweiler von ihrem Wärmenetz? Die angeschlossenen Haushalte seien zufrieden, sagt Frank Kley, der als Mitglied im Gemeinderat und Förderer des Projekts stets die Hand am Puls der Menschen im Ort hat. Wenngleich das nicht immer so war. „Anfangs gab es auch große Skepsis gegenüber den Plänen“, erinnert sich Kley. „Gewohnte Bahnen zu verlassen, braucht viel Überzeugungsarbeit. Gerade hier in der ländlichen Region.“ Vor allem die wirtschaftlichen Vorteile der Nahwärmeversorgung standen dabei im Fokus, weniger die ökologischen. „Wer sich zu so einem umfangreichen Vorhaben aufmacht, muss die Bürgerinnen und Bürger frühzeitig mit ins Boot holen“, bilanziert Kley.

Information und Kommunikation waren damals wie heute Martin Samson wie auf den Leib geschneidert. „Das war eine aufregende und oft auch anstrengende Zeit, in der viele Hürden überwunden werden mussten“, sagt er rückblickend. Aber es habe sich gelohnt: „Wir haben eines der fortschrittlichsten Projekte in Rheinland-Pfalz entwickelt, und die Menschen in Gimbweiler profitieren von unseren Investitionen. Vor allem in Zeiten von steigenden Öl- und Gaspreisen“, sagt der damalige Bürgermeister, führt eine weitere Besuchergruppe über den „Energieweg Gimbweiler“ und denkt vielleicht schon an den nächsten Schritt auf dem Weg der Energiewende.

Quelle: Energieagentur Rheinland-Pfalz / Delia Roscher

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