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Versorgungssicherheit durch Erneuerbare über das ganze Jahr

Dörpum macht sich energieautark

Dörpum macht sich autark. © Gemeinde Bordelum

Die Gemeinde Bordelum macht sich in der Versorgung mit Wärme und Strom unabhängig. Ein Jahr lang arbeitete die Ecowert 360 Grad an einem Konzept, dass es der Gemeinde möglich macht, sich das gesamte Jahr über mit Energie selbst zu versorgen. Jetzt geht es an die Umsetzung in der Teilgemeinde Dörpum.

Erneuerbare Energien gehören seit den 1990er Jahren zur Gemeinde Bordelum in Schleswig-Holstein. Ein bürgereigener Windpark mit 50 Gesellschaftern machte 1993 den Anfang, drei weitere kamen im Laufe der Jahre hinzu.  Aus der Gemeinschaft der Erneuerbaren Energien fließen pro Jahr 110.000 bis 120.000 Euro in einen Fördertopf der Gemeinde. „Davon profitiert jeder Bürger, auch junge Familien, die zuziehen, ziehen einen Gewinn daraus“, erklärt Bordelums Bürgermeister Peter Reinhold Petersen. Des weiteren gibt es in der Gemeinde zwei Biogasanlagen, eine Freiflächen-Photovoltaikanlage sowie Solaranlagen auf privaten Dächern. „Wir sind seit fast zehn Jahren bilanziell autark“, sagt Petersen.

Eine ideale Ausgangslage also, um den logischen Schritt in die Unabhängigkeit zu gehen: Die Gemeinde möchte sich nicht mehr nur auf dem Papier, also bilanziell, zu 100 Prozent selbst mit erneuerbaren Energien versorgen, sondern real über das ganze Jahr hinweg. Aus diesem Grund hat die Projektentwicklungsberatung  Ecowert 360 Grad, die aus einem Projektkonsortium heraus gegründet wurde, für die Gemeinde ein Konzept erarbeitet, das zeigt, wie ein autarkes aus regenerativen Energien bestehendes regionales Netz mit voller Systemtauglichkeit umgesetzt werden kann“, heißt es im Abschlussbericht der Beratung.

Teilgemeinde wird Blaupause für andere Kommunen

Für die Untersuchung der Versorgungssicherheit wurde die Teilgemeinde Dörpum mit 500 Einwohnern als erstes Quartier ausgewählt, da sie den Vorgaben der KfW-Förderung entsprach. „Das soll die Blaupause für andere Kommunen werden“, sagt Petersen. „Die Energiewende braucht eine sektorenübergreifende Förderung für dezentrale Energiesysteme“, sagt Lukas Schmeling, Geschäftsführer der Ecowert 360 Grad, die aus der Altec energie, DWR eco und der Kanzlei Streich und Kollegen besteht. Deswegen umfasst das Quartierskonzept in Dörpum die Themen Wärme, Strom und Mobilität.

Im Bereich der Wärme ist Dörpum bereits gut aufgestellt. 90 Prozent der 120 Haushalte sind an das private Fernwärmenetz der Biogasanlage angeschlossen. „Wir haben es 2008 bekommen und waren mit die Ersten“, erzählt Petersen. Die restlichen zehn Prozent im Ortskern und einer Siedlung gilt es mit regenerativen Wärmequellen zu verbinden, wobei die Biogasanlage ihre Kapazität erreicht hat. Dafür ist ein Holzhackschnitzelkessel an der Biogasanlage als Ergänzung geplant. Eine weitere Möglichkeit den Wärmeverbrauch und den Co2-Austoß zu reduzieren sehen Schmeling und Petersen in der energetischen Sanierung der Gebäudehülle. Energieberatung und Sanierung werden bei privaten Haushalten beispielsweise von dem Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) oder der KfW gefördert. Darüber hinaus verfolgt das Konzept einen weiteren Aspekt: „Speichertechnologie ist für die Fernwärme wichtig. Durch die Flexibilisierung der Biogasanlage kommt es zu Stillständen. Die Wärmeversorgung muss durch Wärmespeicher und gegebenenfalls ergänzende Komponenten sichergestellt werden“, sagt Schmeling.

Im Stromsektor befasst sich das Konzept insbesondere mit den rechtlichen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. „Wir schaffen ein dezentrales System für den lokal erzeugten Strom und speisen nur den Überschuss ins öffentliche Netz“, erklärt Schmeling das Ziel des Konzeptes. Um das System zu erproben wird ein kleiner Teil des Quartiers genutzt, in dem im Zuge mit der Leitung für die Fernwärme elektrische Leitungen gelegt wurden, in den vergangenen elf Jahren aber nicht genutzt werden konnten. „Es ist schwierig ein Netz aufzubauen, wenn es keine Förderungen gibt“, ärgert sich Petersen über fehlende Fördertöpfe. Denn auch für die Umsetzung des Konzeptes sei es schwer, Fördergelder zu bekommen. Die Erstellung des Konzeptes hingegen wird mit einer maximalen Förderquote von 85 Prozent gefördert, davon 60 Prozent von der KfW-Bank und 25 Prozent durch die Investitionsbank des Landes Schleswig-Holstein. Die restlichen 15 Prozent nimmt die Gemeinde aus den eigenen Fördertöpfen, sagt Petersen.

Privates Stromnetz ist ein Testballon

„Das kleine private Stromnetz ist ein Testballon, um den Betrieb und die Systemdienstleistungen abzubilden“, sagt Schmeling. Damit verbunden ist der erste praktische Schritt in der Umsetzung des Konzepts. „Geplant ist ein Gemeindewerk, in dem Betreiber, Kommune und private Unternehmer involviert sind, um ein handlungsfähiges Organ zu haben, in dem alle Interessen gebündelt werden, um dem Verbraucher und Erzeuger einen gesicherten Energiepreis anbieten zu können.“ Das Gemeindewerk soll künftig der Energieversorger sein und analog zu den Windenergieparks mit der Möglichkeit einer Bürgerbeteiligung. „Der künftige Abnehmer des Stroms soll eine große Transparenz bei den Energiepreisen haben“, erklärt Petersen.

Auf lange Sicht sollen von der Kommune die Netzkonzessionen für die Stromnetze vom derzeitigen Versorger gekauft werden. „Die Konzessionen zurück zu kaufen ist sehr teuer, das wird ein schwieriger Weg“, sagt Petersen. Dazu braucht es letztlich einen gewissen Anschlussgrad, damit sich dies lohnt. „Der Stromverbraucher hat ein freies Wahlrecht und der Kunde entscheidet immer noch über den Preis, daher müssen wir den gleichen Preis anbieten oder darunter liegen“, führt Schmeling aus. Bürgermeister Petersen ergänzt: „Wir brauchen die Teilhabe von allen Bürgern, um einen stabilen und günstigen Preis zu haben.“ von Anne Leipold

 

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