Oliver Beckel, Q Cells im EnBauSa-Interview

"Das Energiesammelgesetz hat die PV-Branche überrumpelt"

Oliver Beckel will Nachbesserungen beim Mieterstrom. © Q Cells

Das Energiesammelgesetz hat die PV-Branche gründlich aufgemischt. Oliver Beckel, Director Public Affairs von Q Cells, erklärt im EnBauSa-Interview, wie er das Gesetz einschätzt und wo beim Mieterstrom nachgebessert werden sollte. Außerdem erläutert er, wo er wichtige Stellschrauben im PV-Markt sieht.

Was bedeutet das Energiesammelgesetz für Sie?

Zunächst war das Gesetz für die ganze Branche eine Überraschung und hat sie überrumpelt, sowohl das Ausmaß der Kürzungen von bis zu 20 Prozent in manchen Marktsegmenten als auch die Kürze der Ankündigung. Wir haben im Oktober erfahren, dass diese Kürzungen bereits im Januar greifen sollen. Für die Installateure war das eine harte Nuss, sie mussten Projekte, die im ersten Quartal 2019 abgeschlossen werden sollten, 2018 abwickeln, um noch unter dem alten Förderregime abschließen zu können. Das hat sich aber im Laufe der Verhandlungen entschärft.

Es gab also Vorzieheffekte bei PV-Installationen?

Auf jeden Fall. Wir als Hersteller haben deutlich gespürt, dass es eine starke Modulnachfrage gab, deutlich stärker als in den Vormonaten.

Konnten Sie die Nachfrage so kurzfristig komplett bedienen?
Die Module der höchsten Leistungsklasse haben sich sehr gut verkauft, teilweise mussten wir in Projekten auf Module niedrigerer Leistungsklassen ausweichen.

Sie sprachen davon, dass das Energiesammelgesetz im Laufe der Verhandlungen angepasst wurde. Was wurde konkret verändert?

Der Bereich, den es am härtesten getroffen hatte, waren die kommerziellen Aufdachanlagen von 40 bis 750 Kilowatt Peak. In diesem Segment waren Kürzungen von 20 Prozent geplant, das wurde deutlich verringert, dort ist man jetzt bei 11 Prozent. Die Übergangsfrist ist bis April 2019 verlängert worden und außerdem gibt es eine graduelle Absenkung.

Bedeutet das, dass es weitere Vorzieheffekte geben wird?

Es kann schon sein, dass das zweite Quartal 2019 etwas ruhiger wird als es sonst geworden wäre.

Wie bewerten Sie die Änderungen beim Mieterstrom im Energiesammelgesetz?

Da ist noch Nachbesserungsbedarf. Schon unter dem alten Regime sind Mieterstrom-Projekte nicht gut gelaufen. Der Mieterstromzuschlag sinkt zwar mit der jetzigen Regelung weniger stark als im Kabinettsentwurf vorgesehen. Es sind aber trotzdem leider keine Impulse für Mieterstrom-Projekte zu erwarten.

Die gesetzlichen Rahmenbedingungen sind ein Baustein. An welchen technischen Innovationen arbeiten Sie denn, um zu mehr Umsatz zu kommen?

Die Photovoltaik befindet sich auf einem evolutionären Entwicklungspfad. Es gibt keine disruptiven neuen Innovationen, die die Effizienz auf einen Schlag nach oben katapultieren. Wir verbessern uns eher quartalsweise nach und nach in Bezug auf Kosten und Effizienz.

Wo sind da bei den Materialien derzeit Ihre wichtigen Stellschrauben?

Bei den Wafern sind es Reinheitsgrade, das haben wir aber nicht in der Hand, denn Wafer kaufen wir zu. Bei uns selbst ist es insbesondere das Zelldesign, wie die einzelne Zelle aufgebaut und verschaltet ist. Da sind Halbzellenmodule eine unserer wichtigsten Innovationen. Statt 60 Zellen sind 120 Halbzellen verbaut.

Was ist der Vorteil?

Wir haben damit geringere Widerstandsverluste im Modul und einen um fünf Prozent höheren Wirkungsgrad.

Ist für Sie PV an der Fassade ein Thema?

Derzeit nicht. Wir haben kein Produkt im Programm für den Einsatz an der Fassade. Wir sind ein Volumenhersteller, unser wichtigstes Credo ist es, die Stromgestehungskosten zu senken. Fassaden-PV ist ein Nischenmarkt, es sind keine Standardmodule, da sind die Gestehungskosten deutlich höher als bei Aufdachanlagen oder in der Freifläche. Wir nutzen auf dem Dach mehr oder weniger die gleichen Module wie in der Freifläche, da profitieren wir von den Skaleneffekten. Fassadenmodule sind deutlich teurer undhaben geringere Erträge, weil sie heißer werden und somit weniger Strom erzeugen.

Wo sehen Sie für Q Cells neue Absatzchancen?

Wir konzentrieren uns auf Aufdachanlagen auf privaten Wohngebäuden, auf Gewerbeimmobilien und Freiflächen. In Deutschland sehen wir viel Potential im Markt der privaten Endkunden.

Sie haben einen neuen skalierbaren Batteriespeicher angekündigt. Was ist der Vorteil der Skalierbarkeit?

Er eignet sich damit zum einen für Anwender, die nachträglich Speicher nachrüsten wollen, zum anderen können wir ein skalierbares Produkt besser auf Marktbedürfnisse einpassen. Bei der Erstauswahl ist dann eine individuellere Anpassung mit einem Produkt möglich.

Ende 2018 läuft auch die Förderung für Batteriespeicher aus, wie reagieren Sie darauf?

Über 50 Prozent der Anlagen werden aktuell mit Speicher verkauft. Ein großer Teil der Kunden nimmt aber die Speicherförderung aufgrund der Nebenbedingungen nicht in Anspruch. Man muss den Speicher über Kredit finanzieren, der bürokratische Aufwand ist hoch. Der Markt für Batteriespeicher ist ein Segment, der auch ohne Förderung funktioniert.

Die Fragen stellte Pia Grund-Ludwig

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