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Deutsch-Russische Rohstoff-Konferenz

13. Deutsch-Russische Rohstoff-Konferenz

Die diesjährige Deutsch-Russische Rohstoff-Konferenz fand coronabedingt virtuell statt. Foto: Deutsch-Russische Rohstoff-Konferenz / photothek

Bei der 13. Deutsch-Russischen Rohstoff-Konferenz ging es diesmal online hauptsächlich um zukünftige Wasserstoffimporte. Gewisse Widersprüche zeigten sich in der Frage, wie „grün“ der Energieträger gewonnen werden soll.

Thorsten Herdan vom Bundeswirtschaftsministerium sagte zunächst: „Wir werden keinerlei Akzeptanz in Deutschland bekommen, wenn wir Kernenergie-Wasserstoff einsetzen, sondern wir werden (...) auf ‚grünen’ Wasserstoff gehen wollen und auch müssen, weil nur dieser langfristig nachhaltig und eben dann auch klimaneutral ist.“ Mit „grün“ ist Wasserstoff gemeint, der mit Strom aus erneuerbaren Energien durch Elektrolyse von Wasser hergestellt wird. „Grauer“ Wasserstoff wird aus Erdgas bei großer Hitze mit Dampfreformierung erzeugt. Dieser Prozess dient auch zur Gewinnung von „blauem“ Wasserstoff, wobei hier aber das entstehende CO₂ abgeschieden und im Boden verpresst wird.

Nachdem Professor Robert Schlögl, Direktor des Fritz-Haber-Instituts der MPG in Berlin sowie mehrere russische Gesprächsteilnehmer die Bedeutung von Pyrolyse, also der Wasserstoffherstellung aus Erdgas oder aus Kunststoffabfällen, hervorgehoben hatten, schlug Herdan jedoch einen anderen Ton an: „Ich habe manchmal den Eindruck, dass wir (...) sehr viel kaputtmachen damit, dass wir glauben, es müsste grüner sein als grün und noch eine Schleife drumrum bekommen und noch ein Gänseblümchen obendrauf gepflanzt werden. (...) Es ist extrem wichtig, dass wir nicht bestimmte Technologien aus politischer Einsicht, die mit Praxis häufig nicht ganz fürchterlich viel zu tun haben kann, kaputtmachen – beispielsweise die Pyrolyse. Das würde ich für absolut katastrophal erachten.“

Schlögl: Nicht auf „grünen“ Wasserstoff warten

Robert Schlögl hatte zuvor gesagt: „‚Grüner’ Wasserstoff ist das Zentrum und das Ende der ganzen Entwicklung. Aber es wird nicht damit getan sein, nur auf den ‚grünen’ Wasserstoff zu warten, weil der Hochlauf des ‚grünen’ Wasserstoffs dann vergleichsweise langsamer als der Bedarf sein wird. Das Thema Methanpyrolyse halte ich für ein ganz wesentliches Thema.“

Pavel Sorokin, stellvertretender russischer Energieminister, forderte mit Verweis auf unterschiedliche Herstellungskosten „gewisse Zwischenschritte“. Ins Deutsche übersetzt sagte er, die „traditionelle Energie“ solle „maximal sauber“ parallel zur „neuen Energie“ bestehen bleiben. „Grüner“ Wasserstoff koste bis zu 6 Dollar pro Kilogramm, „grauer“ und „blauer“ dagegen nur etwa 1,5 Dollar.

Andreas Kuhlmann, Chef der Deutschen Energie-Agentur (dena), kommentierte das als Moderator mit den Worten: „Das hat mir jetzt super gefallen, was Sie gesagt haben.“ Alexander Ishkow von Gazprom bezeichnete die Methanpyrolyse als „nach allgemeiner Experteneinschätzung gegenwärtig preiswerteste“ und „zukunftsträchtigste“ Technologie zur Herstellung großer Mengen von Wasserstoff.

Siemens: „Grüner“ Wasserstoff ab 2025 für unter 2 US-Dollar

Armin Schnettler von Siemens Energy zeigte sich bei den Kosten für „grünen“ Wasserstoff sehr viel optimistischer: „Wir sind mittlerweile in Deutschland in der Lage, für (...) 4 Euro pro Kilogramm Wasserstoff herzustellen, und mir sind auch Länder bekannt und Applikationen, wo wir mittlerweile auf unter 2 US-Dollar pro Kilogramm kommen können. Ich bin fest davon überzeugt, dass wir an günstigen Windstandorten mit Kosten von unter 1,5 bis 2 US-Dollar pro Kilogramm Wasserstoff bereits Mitte dieses Jahrzehnts hinkommen. Das wird nicht in Deutschland, das wird wahrscheinlich auch nicht in Europa sein, sondern eher in Südamerika, in Australien, im Nahen Osten – je nachdem, wo die Windbedingungen oder vielleicht auch kombiniert Wind- und Sonnenbedingungen hervorragend sind.“

Anton Moskvin von JSC Rusatom Overseas, einer Tochterfirma der russischen Atomenergiebehörde Rosatom und zuständig für die Koordinierung von Wasserstoffexportprojekten, nahm eher eine geographische Zweiteilung zwischen Ost und West vor: „Wir arbeiten an der Idee, eine groß angelegte Wasserstoffproduktion im Osten aufzubauen – dort geht es um die Konversion von Methan –, um dieses Produkt in die pazifischen Länder zu exportieren. Was die westliche Richtung betrifft, sehen wir die europäische Union, aber da möchten wir Wasserstoff über Elektrolyse herstellen.“

Rusatom: Pilotprojekte schon in drei Jahren

Als mögliche Stromquellen nannte Moskvin sowohl Atomkraftwerke als auch Windenergieanlagen. Und: Russland wolle nicht nur Wasserstoff exportieren, sondern auch „Ausrüstung“. Pilotprojekte könnten mit staatlicher Förderung schon in drei (Kernkraftwerke) bis vier Jahren (Windenergie) umgesetzt werden.

Robert Schlögl kritisierte die Farben, die man in Deutschland für die Bewertung von unterschiedlich hergestelltem Wasserstoff verwende, als „schlechte Metrik“. „Es wäre sehr viel sinnvoller, das Verhältnis zu wählen CO₂ zu Wasserstoff und es zu normieren auf die heutige Dampfreformierung – da hat man ein Verhältnis zehn Tonnen zu einer Tonne –, und zu sagen: Wieviel besser als das ist es.“ Zudem stellte Schlögl klar: „Es gibt keinen CO₂-freien Wasserstoff, sondern es gibt nur CO₂-armen Wasserstoff.“

Quelle: 13. Deutsch-Russische Rohstoff-Konferenz / Alexander Morhart

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