Verantwortungsvolle kommunale Energieversorgung

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Die beschauliche Kreisstadt Haßfurt in Unterfranken gilt seit geraumer Zeit als Vorbildgemeinde für dezentrale Energieversorgung aus erneuerbaren Quellen. Vielfältige technische Lösungen ergeben in Haßfurt bereits seit vielen Jahren ein perfektes Zusammenspiel zur Hundertprozent-Versorgung mit erneuerbarer Energie. Kein Wunder, dass auch die Deutsche Umwelthilfe auf die ökologische Vorzeige-Kommune aufmerksam geworden ist und die Gemeinde Haßfurt 2012 als Gewinner des Wettbewerbs "Vorreiter der Energiewende" ausgezeichnet hat. Das neueste Projekt: die Errichtung eines sogenannten "kalten" Nahwärmenetzes im Neubaugebiet Am Osterfeld II, einem im Westen der Stadt gelegenen Baugebiet mit über 80 Bauplätzen. Durch diese äußerst effiziente Versorgung soll den zukünftigen Hausbesitzern eine sichere, umweltverträgliche sowie bezahlbare Wärmeversorgung garantiert und darüber hinaus interessante Einsparmöglichkeiten beim Hausbau geboten werden.

Die Kreisstadt Haßfurt in Unterfranken liegt zwischen den beiden Naturparks Haßberge und Steigerwald und ist nicht nur Verwaltungszentrum des Landkreises, sondern auch eine attraktive Stadt am Main. Die Haßfurter lieben ihre Stadt, da sie lebendig, weltoffen und sympathisch ist. Eine stetig wachsende Bevölkerung und die in den letzten Jahren expandierende Wirtschaft sorgen für eine grundsätzlich sehr positive und gesunde Entwicklung der Stadt. Neu erschlossene Industrie- und Gewerbegebiete im Osten der Stadt eröffnen zudem ein enormes Potential für die Zukunft. Der aktuelle Branchenmix aus Handel, Dienstleistungen, Handwerk und Industrie ist ausgewogen und erfolgreich. Haßfurt besitzt zudem eine sehr gute Infrastruktur mit Autobahn, Schiene, der Großwasserstraße Rhein-Main-Donau Kanal und dem Luftverkehrslandeplatz.

Ein besonderes Engagement zeigt Haßfurt zudem seit über 20 Jahren in puncto erneuerbare Energien und hat sich damit vollkommen zu Recht den Ruf als "bayerisch-ökologische Vorbildgemeinde" erworben. Mit dem 1994 in Betrieb genommenen Blockheizkraftwerk (BHKW) am Großen Anger positionierte sich Haßfurt auf einem neuen Gebiet der Wärmeversorgung. Mit einem Nutzungsgrad von ca. 90 Prozent werden hier umweltschonend Wärme und Strom erzeugt. Die produzierte Wärme versorgt das Freizeitbad, die neue Grundschule und seit 1999 das Neubaugebiet Fasanenanger. Seit Januar 2003 liefert ein weiteres Blockheizkraftwerk im Schulzentrum Haßfurt Wärme für den gesamten Schulkomplex inklusive Hallenbad und pädagogischem Förderzentrum. Außerdem wurde im Jahre 2006 ein zusätzliches BHKW der städtischen Betriebe im Schulzentrum in Obertheres gebaut, welches den Kindergarten, die Schule sowie die Sporthalle mit Wärme beliefert.

Besonders interessant ist in Haßfurt die Vielfalt der technischen Lösungen, die im Zusammenspiel zur Hundertprozent-Versorgung mit erneuerbarer Energie führen. Haßfurt besitzt beispielsweise auch Windkraft- und Photovoltaikanlagen, eine Biogasanlage sowie eine Power-to-gas-Anlage zur Speicherung von überschüssigem Strom. Generell unterstützt das Stadtwerk Haßfurt auch individuelle Nahwärmekonzepte im Rahmen von Wärme-Contracting Projekten. So wurde beispielsweise für alle Bewohner ein integriertes Smart-Grid aufgebaut und in den etwa 17.000 Haushalten der Stadt Messgeräte für Strom, Wärme, Gas und Wasser installiert.

Mit dem neuen Wohngebiet Am Osterfeld II möchte Bürgermeister Günther Werner nun konsequent die dezentrale Energieversorgung aus erneuerbaren Quellen für die Gemeinde Haßfurt fortsetzen. Das Neubaugebiet liegt im Westen der Stadt und besitzt über 80 Bauplätze. Die Stadt Haßfurt möchte auch dieses Gebiet, das sich über eine Fläche von 112.580 m² erstreckt, mit hocheffizienter Nahwärme versorgen. Werner, der sich von Anfang an für dieses Projekt eingesetzt hat, erläutert seine Motivation für das Engagement: "Die Nahwärme garantiert den zukünftigen Hausbesitzern eine sichere, umweltverträgliche sowie bezahlbare Wärmeversorgung und bietet darüber hinaus interessante Einsparmöglichkeiten beim Hausbau. Somit war es für uns im Gemeinderat keine Frage, die Inbetriebnahme eines kalten Nahwärmenetzes in Haßfurt Ende 2016 zu unterstützen."

Norbert Zösch, Geschäftsführer der Städtischen Betriebe Haßfurt GmbH und verantwortlich für die kommunale Energieversorgung der Gemeinde, erklärt das Grundprinzip eines "kalten" Nahwärmenetzes: "Das Konzept beruht im Wesentlichen auf zwei Säulen: der Nutzung erneuerbarer Energien und flexiblen Temperaturen, die sich dem tatsächlichen Verbrauch anpassen. In einem konventionellen Netz stellt die Heizzentrale permanent 70 bis 80 Grad warmes Wasser bereit. Während der Sommermonate gibt es aber zumeist diesen Bedarf für solch hohe Temperaturen nicht, sodass große Netzverluste entstehen. Um diese Verluste zu minimieren, wird in Haßfurt das System ganzjährig auf einer gleitenden Temperatur bis maximal 50°C betrieben. Mit diesem vergleichsweise kalten Betriebsmodus lässt sich der Wärmebedarf der Anschlussteilnehmer mit einem hohen Anteil an erneuerbaren Energien abdecken".

In Haßfurt geschieht dies durch eine Heizzentrale mit einem Erd-/Biogas-Blockheizkraftwerk, das mit Hilfe der sogenannten "Kraft-Wärme-Kopplung" (KWK) gleichzeitig Strom und Wärme produziert. Eine Solarthermieanlage mit 125 m² Flächenkollektoren erzeugt zusätzliche Wärme. Das gasbetriebene BHKW heizt das Wärmenetz je nach Witterung auf 20 bis maximal 50 Grad auf. Die Solarthermie hat somit die Möglichkeit einen hohen Anteil an der Energieerzeugung beizutragen. Den Rest übernehmen die Wärmepumpenübergabestationen in den Häusern der etwa 75 Anschlussteilnehmer. Dabei dient das Netz als Wärmequelle – die notwendige elektrische Antriebsenergie für die Wärmepumpe liefert das Blockheizkraftwerk. Alle Wärmepumpen sind über ein Bus-System mit der Heizzentrale verbunden. Das System ist intelligent geschaltet: Es erfasst aktuelle Wetterdaten, Vorhersagen sowie den notwendigen Energiebedarf der einzelnen Objekte. Das Bus-System errechnet anhand der Daten die erforderliche Netztemperatur und entscheidet autark, welche Energieart zur Erzeugung der Wärme die effektivste ist.

Die autarke Energieversorgung via Nahwärmenetz wirkt sich auch sehr positiv auf den geplanten Hausbau aus, wie Norbert Zösch erläutert: "Der Primärenergiefaktor für das Nahwärmenetz beträgt in Haßfurt 0,40 fP, FW. Ein hervorragender Wert, dank dem beispielsweise die Isolierung der Häuser nicht so aufwendig ausfallen muss. Somit steht die komplette Dachfläche zum Bau einer Photovoltaikanlage zur Verfügung. Die innovative und regenerative Technologie sorgt zudem für eine sehr gute CO₂-Bilanz. Die im Rahmen des "Erneuerbare-Energien-Wärmegesetzes" geforderte Bedingung, die den Gebäudeeigentümern vorschreibt, einen Teil der Wärme aus erneuerbaren Energien zu produzieren, wird durch den Nahwärmenetzanschluss bereits komplett erfüllt."

Die Gesamtplanung des "kalten" Nahwärmenetzes in Haßfurt, inklusive Steuerung/Regelung der Wärmeversorgung, übernahmen die Städtischen Betriebe in Zusammenarbeit mit der Firma ratioplan aus dem oberbayerischen Dollnstein, ein regionaler Spezialist für intelligentes, kommunales Energiemanagement. Im Fokus stehen bei ratioplan Lösungen für nachhaltige Nahwärmenetze, vorrangig für größere Anschlusseinheiten wie Gemeinden, Kommunen oder Gewerbegebiete. Abgestimmt auf die Netzstruktur in Haßfurt wurden spezielle Wärmepumpenübergabestationen eingesetzt, mit denen die Hauseigentümer eine kompakte, bequeme und preislich attraktive "Rundum-Sorglos-Lösung" für die Beheizung und Warmwasserbereitung ihrer Objekte erhalten. "Die Kosten für den Einbau der Wärmeübergabestationen sowie für die laufenden Verbrauchskosten (Wärmepreis) sind vertraglich geregelt. Die Preisbindung der Wärmelieferung liegt bei 10 Jahren. Damit erhält der Kunde eine langfristige Planungssicherheit", freut sich Zösch.

Mit der Installierung eines kalten Nahwärmenetzes erhält das Neubaugebiet Am Osterfeld II in Haßfurt eine umweltsensible und zudem äußerst kosteneffektive Wärmeversorgung. So verfügt diese Form der autarken Energieversorgung über eine intelligente Regelungstechnik, die automatisch anhand von Wetterdaten entscheidet, welche der zur Verfügung stehenden Energieformen zur Erzeugung der Wärme die aktuell effektivste ist. Durch das "kalte" beziehungsweise Niedrigenergie-Nahwärmenetz werden in Haßfurt grundsätzlich zwei zentrale Nachteile klassischer Nahwärmeversorgung ausgeglichen: Zum einen die Vermeidung relativ hoher Leitungsverluste aufgrund starker Temperaturdifferenzen. Zum anderen der Wegfall der Anschaffungskosten für eine eigene Heizanlage für die eingebundenen Anschlussteilnehmer. Kein Wunder, dass bei diesen positiven Rahmenbedingungen Norbert Zösch bereits an dem Ausbau des heutigen Nahwärmenetzes arbeitet. "Für den Sommer 2018 ist geplant, dass wir 40 weitere Anschlussteilnehmer nördlich des bisherigen Neubaugebietes einbinden. Sozusagen "Am Osterfeld III" als nächste Ausbaustufe dieses erfolgreichen, kommunalen Energieprojekts."

 

Daten und Fakten

    • Versorgungsfläche / -gebiet: 112.580 m²
    • Installierte Leistung: 965 MW
    • Art der Wärmeerzeugung (je mit Leistungsangabe): Solarthermie, 49 MW; BHKW Erdgas, 800 MW; Gasbrennwertkessel Erdgas, 302 MW
    • Trassenlänge (gesamt): 4.600 m
    • Betriebsweise(n) des Netzes: Sommerbetrieb: Vorlauf-, Rücklauftemperatur: 20°C, 15°C; Winterbetrieb: 20°C - 45°, 15 - 40°C
    • Primärenergiefaktor: 0,40 fP, FW
    • Anzahl Anschlussteilnehmer: ca. 75
    • Investition: 1,4 Millionen Euro
    • Inbetriebnahme des Netzes: Mai 2017
    • Betreibermodell: Energieversorger
    • Bauherr/Betreiber: Städtische Betriebe Haßfurt GmbH
    • Gesamtplanung/ Energiekonzeption: ratioplan / EA System Dresden
    • Steuerung/ Regelung Wärmeversorgung: ratioplan
    • Bauleitung: Städtische Betriebe Haßfurt GmbH / ratioplan