Terminal wird zum Energiesparobjekt

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In Köln Butzweilerhof, einem 45 Hektar großen Gelände im linksrheinischen Kölner Norden, ist in den letzten Jahren ein neues ambitioniertes Wohnquartier entstanden.

Im Zentrum: Das aufwändig restaurierte Flughafengebäude, ein 250 Meter langes Terminal, das in den 20er Jahren im Bauhausstil errichtet wurde. Niemand hätte sich träumen lassen, dass dieses historische Monument der Luftfahrtgeschichte einmal eine harmonische Symbiose mit modernstem Wohnkomfort eingehen würde. "Wohnen am Butzweilerhof" ist inzwischen ein Markenzeichen für eine nachhaltige Architektur, bei der unter anderem neueste Belüftungstechnologien zu Wohnkomfort und Energieersparnis beitragen.

Doch lange bevor die neuen Bewohnerinnen und Bewohner am alten Kölner Airport nun richtig "aufatmen" können, begann eine gründliche Planung und Umsetzung des Quartiers: Bereits im Jahr 2003 machten sich Städteplaner, Architekten und Ingenieure daran, erste Konzepte vorzulegen. Dazu zählte nicht nur die Ansiedlung eines Museums für Fluggeschichte, von Unternehmen der Medienbranche, TV-Studios, Gastronomie- und Veranstaltungsräumen oder eines großen Möbelhauses – auch eine Wohnsiedlung mit insgesamt 99 Einfamilienhäusern gehörte zur Idee für das neue Kölner "Veedel".

Bauherr dieser "butz +" getauften Wohnanlage ist die Kölner Gesellschaft "msk colonia", ein Tochterunternehmen der "modernes köln GmbH". Die Muttergesellschaft bewies unter der Geschäftsführung von Dipl.-Ing. Ortwin Gönner bereits am alten Hafen nahe dem Stadtzentrum, wie gut sich historische Bausubstanz und hochmoderne Architektur ergänzen können. Für Ortwin Gönner sind derlei Konzepte ohne moderne Gebäudetechnik nicht denkbar: "Ich selbst sammele bereits seit den 70er Jahren Erfahrungen mit automatischer Gebäudebelüftung. Damals gab es so etwas in Deutschland noch gar nicht und musste extra aus Skandinavien importiert werden." Uwe Herzog

87 Einheiten sind fertig zum Bezug

Für den Chef von "modernes köln" gehen ökologisches Bauen, Technologieeinsatz und anspruchsvolles Design "Hand in Hand". Hier finden sich die klassisch-puristischen Elemente der Bauhausarchitektur wieder: weitgehend schnörkellose Fassaden und die Linien funktional gestylter Fenster- und Türfronten wurden dabei durch freundliche, aber unaufdringliche Farbflächen ergänzt. Bisher konnten bereits 87 der insgesamt 99 Häuser bezogen werden. Mit dem Bau der übrigen 12 Gebäude, die in Reihenbauweise angeordnet sind, wird noch 2010 begonnen.

Die Eckdaten je Wohneinheit:

  • 4 Zimmer mit Tageslichtbad
  • Grundstücksgrößen von 204 m2 bis 263 m2
  • Wohnfläche ca. 137 m2
  • Terrassen und Dachterrassen
  • Vollunterkellerung

Sämtliche bisher fertig gestellten 87 Häuser entsprechen den Normen des KfW-Standards Effizienzhaus-70. Sie sparen gegenüber konventionellen Gebäuden mehrere hundert Euro Heizkosten pro Jahr und Wohneinheit.

Dämmung wird mit Lüftung kombiniert

Erreicht werden konnte die Erfüllung der dafür notwendigen Anforderungen vor allem durch eine besonders effektive Dämmung der Gebäudehülle in Verbindung mit dem Wohnraumbelüftungssystem Zehnder ComfoAir 350, einem mit Kreuz-Gegenstrom-Wärmetauscher ausgestatteten Lüftungsgerät für Wohn- und Gewerberäume. Es wurde im Passivhaus-Standard zertifiziert. In den Sommermonaten kann neben der normalen Fensterlüftung auch die automatische Bypass-Funktion genutzt werden. Ansonsten kommt grundsätzlich die Wärmerückgewinnung in den mit Fernwärme versorgten Reihenhäusern zum Einsatz.

Andreas Baumeister ist als technischer Planungsingenieur beim Büro Bauwens für die Verwirklichung anspruchsvoller architektonischer Konzepte in der Rheinmetropole zuständig: "Unsere Aufgabe am Butzweilerhof bestand darin, die Reihenhäuser möglichst energieeffizient und zugleich extrem kompakt zu bauen, um ein großzügiges Wohnambiente zu schaffen. Das renommierte Kölner Architekturbüro Esser legte hierzu entsprechende Pläne vor. Auch aus Sicht des Investors war es dabei keine Frage, dass hier eine möglichst effiziente Wohnraumbelüftung mit Wärmerückgewinnung zum Einsatz kommen sollte."

Baumeister und sein Team besichtigten im Vorfeld der Maßnahme mehrere Musterhäuser mit Lüftungssystemen unterschiedlicher Hersteller. "Für uns war es wichtig, dass man die Rohre und das gesamte Lüftungssystem bequem reinigen und pflegen kann", so Andreas Baumeister, "dazu kommt die Haltbarkeit der Materialien, eine möglichst geringe Schallentwicklung, die individuelle Regelung für Zu- und Abluft und natürlich ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis."

Zudem sei es mit Blick auf die Interessen der späteren Eigenheimbesitzer wichtig gewesen, eine Belüftungsanlage zu installieren, die einen Werterhalt der Immobilie über einen langen Zeitraum garantiert. "Immerhin", so Andreas Baumeister, "schützt eine effiziente  Wohnraumlüftung vor Feuchtigkeit und Schimmelbildung. Das ist gerade bei stark gedämmten Energiesparhäusern sehr wichtig." Baumeister: "Nach unseren Berechnungen sind die Ersparnisse bei den Heizkosten fünfzehnmal höher als die Betriebskosten der Anlage."

Gemeinsam mit dem Architekten wurden für jede Einheit zwei Schächte entwickelt, die unauffällig in den Grundriss integriert wurden. Baumeister: "Diese beiden Schächte für Außenluft und Fortluft messen circa 40 mal 60 Zentimeter, wirken aber dennoch wie eine selbstverständliche Wohnecke." Die Außenluft wird durch unauffällige Luftdurchlässe in circa drei Meter Höhe angesaugt und durch den Abluftschacht im Bodenbereich wieder nach außen geführt. Auf Wunsch der Bewohner wurden in einigen Häusern Pollenfilter installiert. Um die einzelnen Räume effektiv mit frischer Luft zu versorgen, wurden zudem Rundrohre in 75er Stärke im Rohboden verlegt. Für jede Wohneinheit der Anlage wurden dabei durchschnittlich rund 150 Meter Rohrlänge verbaut.

Die Installation sei parallel zu den Maurerarbeiten verlaufen. Baumeister: "Die einzelnen Montageschritte haben sich sehr schnell eingespielt, danach ging alles ruck, zuck – in weniger als drei Stunden pro Decke."

Das Herz schlägt im Keller

Das eigentliche Herz des Systems, das Lüftungsgerät Zehnder CA 350, wurde im Keller installiert. Dabei kam eine besonders effektive Schalldämpfung zum Einsatz, deren Wirkungsweise einem intensiven Praxistest standhalten musste: "Wir sind zusammen mit den Ingenieuren nachts auf die Baustelle gefahren, um absolut sicherzustellen, dass auch bei der Vielzahl der eng beieinander stehenden Reihenhäuser keinerlei störende Lärmentwicklung auftritt", so Baumeister. Tatsächlich liegt die Lärmentwicklung der insgesamt 99 Lüftungsanlagen sowohl im Innen- als auch im unmittelbaren Außenbereich der Siedlung "bei Null Komma Null", versichert Andreas Baumeister. Text: Uwe Herzog

Daten und Fakten

  • Gebäudeart: 99 Einfamilienhäuser
  • Baujahr: 2009
  • Fläche pro Wohneinheit: ca. 137 m²
  • Technikdaten
  • Lüftungstyp: Jeweils ein Lüftungsgerät pro Wohneinheit
  • Lüftungsgerät: Zehnder ComfoAir 350
  • Luftverteilsystem: ca. 150 lfm Rohrleitungen vom Typ ComfoTube 75 p. Wohneinheit
  • Kosten der Lüftungsanlage pro Wohneinheit: Technik (Anlage, Rohre etc.) zirka 5.500 Euro, Montage ohne Maurerarbeiten zirka 2.500 Euro, gesamt zirka 8.000 Euro

Ausführende Beteiligte

Bauträger: msk-colonia Projektentwicklungsgesellschaft mbH, Brückenstr. 17, 50667 Köln
Architekt: Esser Planungsgesellschaft mbH, Wilhelm-Schlombs-Allee 11, 50858 Köln
Fachplaner: Dipl.-Ing Andreas Baumeister bei der Bauwens Unternehmensgruppe, Köln
Ausführender Handwerksbetrieb: Haustechnik Werner GmbH, Heringsdorf
Hersteller Wohnungslüftung: Zehnder Comfosystems, Lahr