Lüften unter Pandemiebedingungen

Lüftungskonzepte für Schulen und Hochschulen

Lüftung allein über Fenster ist keine empfehlenswerte Maßnahme bei großen Räumen. Foto: FH Münster/Michelle Liedtke

Regelmäßig lüften hilft, die Aerosolbelastung in Innenräumen zu reduzieren. Wenn viele Personen zusammenkommen – etwa in Schulen und bei Vorlesungen – wird die geeignete Lüftungstechnik umso wichtiger. Der Arbeitskreis Klimatechnik mit 28 Professor*innen verschiedener Hochschulen hat eine Stellungnahme zur Lüftung von Schul- und Vorlesungsräumen unter Pandemiebedingungen herausgegeben.

„Die unübersichtliche Situation, die vielen unterschiedlichen Meinungen und teils hanebüchenen Vorschläge machen es schwer, in Sachen Lüftungstechnik Entscheidungen für Schulen und Hochschulen zu treffen. Die Stellungnahme ist ein Orientierungsleitfaden“, sagt der Vorsitzende des Arbeitskreises, Prof. Dr. Bernd Boiting, Professor für Raumluft- und Kältetechnik an der FH Münster. Die Autor*innen erklären im Leitfaden übersichtlich die jeweilige Technologie, listen Vor- und Nachteile auf und sprechen ihre Empfehlungen aus. Bilder zeigen dazu jeweils den simulierten Luftstrom. Das Papier ist hier kostenfrei verfügbar.

Um schädliche Aerosolpartikel zu verdünnen und abzuführen, können prinzipiell vier verschiedene Systeme verwendet werden, heißt es in der Stellungnahme. Dazu gehören die Luftreinigung – beispielsweise mit Filtern, die Fensterlüftung, die Ventilatorunterstützte Fensterlüftung und zentrale oder dezentrale raumlufttechnische Anlagen mit Außenluft und Wärmerückgewinnung. Die Lüftung allein über Fenster stoße bei großen Räumen an ihre Grenzen. Sie könne gute Luftqualität nicht kontinuierlich sicherstellen und es ginge Wärme verloren. Als nachhaltige, relativ schnell umsetzbare und dauerhafte Lösung – auch nach der Pandemie – empfehlen die Autor*innen, dezentrale Raumlufttechnik-Anlagen mit Wärmerückgewinnung. Zentrale Raumlufttechnik-Anlagen sollten laut Arbeitskreis künftig eingesetzt werden, wenn Gebäude saniert oder neu gebaut werden.

Frische Luft sorgt auch für förderliches Lernklima

Bei den Lüftungstechnologien ginge es nicht allein um die Aerosole und darin möglicherweise transportierte Coronaviren. „Ziel der Maßnahmen ist ein insgesamt förderliches Lernklima. Wir betrachten also neben Schadstoffen und Krankheitserregern auch den Kohlenstoffdioxidgehalt in der Luft“, sagt Boiting.

Hinsichtlich des Infektionsrisikos empfehlen die Autor*innen zusätzlich bewährte Maßnahmen: Masken tragen und die Personenanzahl im Raum reduzieren – gute Raumlüftung sei nicht als Alternative zu werten. Deshalb gilt an der FH Münster weiterhin Maskenpflicht in allen Innenräumen und es gibt Luftfilteranlagen, die in einzelnen, weniger gut durchlüfteten Räumen unterstützen, nicht aber die Vorgaben zur Lüftung ersetzen.

Alle Beschäftigten und Lehrenden in den Büros, Veranstaltungs- und Besprechungsräumen ohne raumlufttechnische Anlage sind gebeten, regelmäßig, mindestens aber alle 20 Minuten und für mehrere Minuten bei weit geöffneten Fenstern zu lüften, um die Raumluft jeweils möglichst vollständig auszutauschen. Außerdem richtet die Hochschule zum 1. April erneut die Lehr-/Lernräume im Freien ein: In den sogenannten FHreiräumen können im Sommersemester Lehrveranstaltungen und Meetings auch draußen durchgeführt werden – in großflächigen und an den Seiten geöffneten Zelten sowie unter Pavillons.

Über den Arbeitskreis

Im Arbeitskreis Klimatechnik haben sich 28 Professor*innen von in dem Themenfeld führenden Hochschulen zusammengetan. Das gemeinsame Ziel: fachliche Qualität der akademischen Ausbildung gewährleisten und neueste Erkenntnisse aus der Forschung in die Lehre übertragen. Prof. Dr. Bernd Boiting ist Vorsitzender des Arbeitskreises und Dekan des Fachbereichs Energie – Gebäude – Umwelt der FH Münster. Zudem berät er immer wieder auch die Hochschule, wie bestmöglich und richtig zu lüften ist.

Quelle: FH Münster / Delia Roscher

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