Heizung und Warmwasser
Quelle: Pia Grund-Ludwig

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Nahwärmenetz durch Energiemix ermöglicht

Zwei Gemeinden machen sich energieautark

Geschäftsführer Ulrich Ramsaier freut sich dass dieses Projekt gut angenommen wird. © Wolfram Hülscher

In den Gemeinden Hemmingen und Schwieberdingen entstand ein gemeinsames Wärmenetz. Strom und Wärme werden aus Biogas, Holzschnitzeln und Holzpellets erzeugt.

Die beiden Gemeinden Hemmingen und Schwieberdingen, beide im Landkreis Ludwigsburg, hatten ein gemeinsames Ziel. Energieautark zu werden – im Idealfall CO2-neutral. Das Projekt ist im Gegensatz zu anfänglich skeptischen Meinungen im Ortzu einem echten Erfolg geworden. Die Energiepreise sind niedrig, die Beteiligten happy. „Von vielen Anwohnern höre ich, dass sie stolz auf ,ihre Energie´sind“, sagt Geschäftsführer Ulrich Ramsaier.

2007 ging es los, 2012 war das Projekt abgeschlossen, das Netz wird aber kontinuierlich ausgebaut. Aktuell sind drei Wärmenetze mit einer Leitungslänge von rund neun Kilometern umgesetzt. „Dank dem Wärmenetz nehmen wir eine Vorreiterrolle ein. So können wir anderen Gemeinden zeigen, dass sich Energie aus nachwachsenden Quellen nicht nur gut für die Umwelt, sondern auch für eine verlässliche Sicherung von Energie sein kann“, sagt Ramsaier. Auch weil es sich neben der ökologischen Bilanz wirtschaftlich zeigt. 

Ein sicherlich entscheidender Grundgedanke war es dabei, vor Ort verfügbare Ressourcen zu nutzen. Die Biogasanlage „Haldenhof“ versorgt seit 2007 kommunale Liegenschaften in Schwieberdingen mit rund 1,3 Megawattstunden (MWh) Wärme. 2010 kommt in Hemmingen die Biogas-Wärme ein Holzkessel dazu, 2012 weitere Wohnanlagen und Wärmeabnehmer. Zudem wird die Heizzentrale um einen Holzpelletkessel ergänzt. Seither wurden die Wärmenetze ausgebaut.

Der Betreiber ist die Naturenergie Glemstal Biogas GmbH. Die Wärmeerzeugung liegt bei 11.000 MWh im Jahr, der Pufferspeicher beträgt 100.000 Liter. Dass sich ökologisches und wirtschaftliches Denken nicht auszuschließen muss, war von Beginn ein entscheidender Gedanke. „Die 1,5 Millionen Euro, welche sonst für Erdgas nach Russland oder für Öl nach Saudi-Arabien gingen, bleiben jetzt im Dorf“, sagt Ramsaier schmunzelnd.

Und dass lokal erzeugte Energie umweltverträglich und effizient sein kann beweist die Anlage. Denn eine Abholzung findet nicht statt, gesunde Bäume werden geschont. So werden Holzheizung und Pelletkessel mit maschinell zerkleinertem Waldrestholz, Landschaftspflegeholz oder Restholz der holzverarbeitenden Industrie beheizt. Bei der Verbrennung soll lediglich soviel Kohlendioxid entstehen, wie das Holz beim Wachsen seiner Umwelt entziehen konnte.

Preisgekröntes Projekt

Beim Energiemix wird darauf Wert gelegt, dass die Ressoucen genau planbar werden. Die Biogas-Blockheizkraftwerke „Haldenhof“ und „Huber“ sind Grundlasterzeuger, das Biomethan-BHKW soll als Regelenergieerzeuger nur zugeschaltet sein, wenn überdurchschnittlich Strom und Wärme benötigt werden. Der Holzkessel wird als Mittellasterzeuger zugeschaltet, wenn die kalten Monate sind. Als Spitzenlastlieferant kann noch für die kalten Tage ein Holzpelletkessel zugeschalten werden. Eine Erdgasheizzentrale dient zwecks Ausfallsicherheit und Lastabdeckung in den Spitzenzeiten Januar und Dezember als Lieferant.

Das ganzheitliche Denken beim Projekt wurde ausgezeichnet. Im Jahr 2010 wurde das Konzept im Rahmen des Bioenergiewettbewerbs  Baden-Württemberg als Leuchtturmprojekt mit einem Förderpreis gewürdigt, 2011 wurde die Biogasanlage von der Universität Hohenheim aufgrund ihrer Effizienz zu „den besten fünf Prozent der Biogasanlagen Deutschlands“ gezählt.

In der Biogasanlage sind ein Fermenter, Gärrestbehälter sowie das Technikgebäude in welchem Blockheizkraftwerk, Annahmebunker und Siloanlage verbaut sind. Neben nachwachsenden Rohstoffen werden für die Produktion des Biogases bis zu 60 Prozent Gülle, Pferdemist und Trester aus der Fruchtsaftherstellung eingesetzt. Am Standort wird gleichzeitig ein Stall mit 200 Rindern bewirtschaftet, wovon die gesamte Gülle der Biogasanlage zugeordnet wird. Durch den Fermentationsprozess wird die Energie aus der Gülle gewonnen und eine Klimabilanz optimiert. Das Endprodukt, ein organischer Dünger, wird in der Landwirtschaft genutzt. Gefördert wurde das Projekt mit rund einer Million für Wärmenetzförderung.

Die Anlage muss sich finanziell selbst tragen, einzige Bezuschussung erfolgt durch das EEG. Der Wärmepreis soll für den Kunden zwischen 6,5 und 7,5 ct/kWh je nach Abnahmemenge und Vertrag liegen. So kalkulieren die Betreiber des Nahwärmenetzes.

Positive Resonanz dank gemeinsamer Nutzung

Dass das Nahwärmenetz eine gute Resonanz in der Bevölkerung hat, liegt auch daran dass die Anwohner mit einbezogen wurden. „Wir versorgen in Hemmingen aktuell 2000 Wohnungen mit 4000 Menschen, sowie eine Reihe von Betrieben“, sagt Ramsaier. Nahezu alle kommunalen Gebäude in Hemmingen sowie die Kirche würden durch Naturenergie Glemstal versorgt. Ein weiterer Grund ist, dass die Zulieferer und Landwirte direkt mitwirken können. Das Biomethan-Blockheizkraftwerk in der Heizzentrale „Schlossgut“ weist elektrisch eine Leistung von 2 MW und eine thermische Leistung von 2,3 MW auf. Das Blockheizkraftwerk nutzt das Prinzip der Kraft-Wärme-Kopplung und kann so gleichzeitig Strom und Wärme produzieren. Die Wärme wird ins Nahwärmenetz eingespeist, der Gesamtwirkungsgrad der Anlage liegt bei bis zu 90 Prozent

Durch zwei 200.000 Liter fassende Pufferspeichern wird eine Produktion von Strom ermöglicht wenn er gebraucht wird. Die gleichzeitig erzeugte Wärme wird in den Pufferspeichern konserviert bis sie gebraucht wird. Dadurch kann der Energieverbrauch besser gesteuert werden. Denn während eine Stromerzeugung aus Sonne und Wind starke Schwankungen hat, können flexiblere Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen wie dieses Blockheizkraftwerk ihre Stromproduktion überschauen sowie schnell auf den aktuellen Strombedarf reagieren.

Einen weiteren Vorteil bietet zudem eine Nutzung von Biomasse. Ein eigentlich als Abfallprodukt gewertetes Erzeugnis wird zum Energielieferanten. Biomasse kann als fester, gasförmiger oder flüssiger Energielieferant für eine Produktion von Wärme, Kälte und Strom verwendet werden, zudem ist sie dauerhaft verfügbar und speicherbar. Anders gesagt – aus einem Abfallstoff wurde eine Energiequelle. In einem von Landwirtschaft geprägtem Raum wie in Hemmingen-Schwieberdingen eine gute Lösung, das sonst ungeliebte Material nicht bloß entsorgen, sondern auch nutzen zu können.

Nahwärme als lokale Lösung

Nahwärme kann in einem Heizwerk oder Heizkraftwerk direkt im Ort erzeugt werden. So kann sie Stadtteile, Wohngebiete, kommunale Gebäude oder Industriebetriebe mit Wärme versorgen. Als heißes Wasser wird die Wärme über ein wärmegedämmtes Rohrsystem zu den Abnehmern transportiert. Jedes Haus hat eine Übergabestation, eingebaut und gewartet vom Betreiber. Diese Wärme wird durch einen Wärmezähler erfasst und abgerechnet.

Bewohner können entscheiden ob sie neben einem Nahwärmeanschluss ihre Bestandsheizung behalten, also Teilwärme wünschen, oder ausschließlich Nahwärme beziehen wollen, also als Vollwärme des Anbieters. Aktuell wird ein Anteil an erneuerbarer Energie von 15 Prozent gesetzlich vorgeschrieben, bei der Nahwärme Hemmingen wird er mit einem Primärenergiefaktor von Null weit übertroffen.

Das Nahwärmenetz Hemmingen-Schwieberdingen ist nicht nur ein gutes Beispiel dafür, dass sich eine Energieversorgung optimal lokal planen lässt, sondern auch dafür dass eine Versorgung aufgrund von nachwachsenden Rohstoffen nicht zu teurer Energie beitragen muss. Gleichzeitig wurde der Zusammenhalt im Dorf gestärkt. Zwei kleine Gemeinden zeigen, dass ein Wechsel auf autarke Energie möglich ist. Vielleicht ein Anreiz für die Politik, diesen Weg in der Bundesrepublik voranzutreiben. von Wolfram Hülscher

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