Monitoringbericht der Regierung fordert weitere Anstrengungen

Wärmewende bei Gebäuden kommt nicht schnell genug

Holzheizungen haben hohen Anteil bei Erneuerbaren. © Oekofen

Ein ernüchterndes Bild zur Wärmewende zeichnet der Monitoring-Bericht zur Energiewende, den die Bundesregierung jetzt vorgelegt hat. Die Ziele für 2020 sind im Gebäudebereich nicht mehr zu erreichen, so die Untersuchung, die die Wirkung von Maßnahmen bis einschließlich 2016 betrachtet. Weder die Effizienzsteigerungen noch die Verbrauchsentwicklung reichen, um die selbst gesteckten Ziele bis 2020 zu erreichen.

Der Monitoringbericht zieht sowohl Bilanz im Vergleich zum Vorjahr als auch zum Referenzjahr der Energiewendeziele, dem Jahr 2008. Dabei spielen im Jahresvergleich natürlich Faktoren wie warme oder kalte Witterung eine Rolle. So stieg der Endenergieverbrauch in Deutschland 2016 gegenüber dem Vorjahr insgesamt um 2,8 Prozent, bei privaten Haushalten jedoch überdurchschnittlich um 4 Prozent. Im kompletten Beobachtungszeitraum von 2008 bis 2016 kam es temperaturbereinigt zu einer Reduktion des Energieverbrauchs, die zum großen Teil auf höhere Effizienz zurückzuführen ist.

Hier werden jedoch die Sektoren Industrie/Dienstleistungen, Verkehr und Gebäude gemeinsam betrachtet. Als Ziel wurde bekräftigt, dass die Endenergieproduktivität um 2,1 Prozent pro Jahr steigen soll, im Betrachtungszeitraum konnten nur 1,1 Prozent erreicht werden.

Gestartet wurde im Berichtsjahr der Nationale Aktionsplan Energieeffizienz (APEE). An erster Stelle steht für die Bundesregierung die Effizienz, auch im Gebäudebereich. Das ist nicht einfach, denn Einsparungen durch Effizienzmaßnahmen, beispielsweise durch Beratung, seien teilweise nicht einfach zu quantifizieren, so der Bericht. Dem CO2-Gebäudesanierungsprogramm werden CO2-Einsparungen in Höhe von 8149 kt CO2-Äquivalenten zugerechnet, das ist der weitaus größte Brocken. Das Anreizprogramm Energieeffizienz zu Heizungstausch und -ergänzung mit Erneuerbaren hat Einsparungen von 142 kt CO2-Äquivalenten gebracht, das Marktanreizprogramm zur Nutzung Erneuerbarer Energien 792 kt CO2-Äquivalente. Als besondere neue Maßnahmen zur Energieeffizienz sind im APEE das Heizungs- und Lüftungspaket und das Paket zur Heizungsoptimierung verankert.

Angeschoben wurde im Berichtsjahr zudem der individuelle Sanierungsfahrplan als Beratungsinstrument, der seit Mai 2017 angeboten wird. Er ist jedoch bislang nur in Baden-Württemberg auch in die Förderlandschaft integriert. "Erfolgt eine energetische Maßnahme auf Basis eines durchgeführten Sanierungsfahrplan, sollte es einen KfW-Bonus dafür geben", fordert Benjamin Weismann, Geschäftsführer des Energieberaterverbands GIH im Gespräch mit EnBauSa.de. Der GIH setzt sich außerdem dafür ein, dass bei bestimmten Anlässen wie einer Eigentumsübertragung verbindlich eine Energieberatung erfolgen soll. 

Im Plan sieht sich die Bundesregierung beim Einsatz Erneuerbarer bei der Wärmeerzeugung. Der Anteil lag 2016 bei 13,2 Prozent, bis 2020 sollen es 14 Prozent sein. Den größten Anteil hat Biomasse, meist Holz und Pellets, mit über 87 Prozent, gefolgt von Wärmepumpen mit einem Anteil von 7,6 Prozent und Solarthermie mit 4,8 Prozent. Aus Sicht des Bundesverband Erneuerbare Energien ist das Stagnation. Der Verband erwartet, dass im Jahr 2020 der Anteil Erneuerbarer Energien am Wärmeverbrauch auf dem  Niveau von 12,9 Prozent aus dem Jahr 2017 verbleibt, sollten sich die politischen Rahmenbedingungen nicht rasch verbessern.

Spannend sind die Zahlen zur Förderung. 2016 wurde jede zweite genehmigte neue Wohneinheit im Rahmen des CO2-Gebäudeprogramms unterstützt und auf einen höheren Effizienzstandard gebracht als die Energieeinsparverordnung ihn vorschreibt. Im Marktanreizprogramm wurde 2016 der Einbau von 67.800 Heizungen gefördert, die Fördersumme hat sich gegenüber dem Vorjahr auf 182,3 Millionen Euro verdoppelt. Schwieriger ist dennoch die Entwicklung des Wärmebedarfs.

Ein eigenes Kapitel des Berichts befasst sich mit dem Primärenergiebedarf von Gebäuden. Gegenüber dem Basisjahr ist dieser um 18,3 Prozent gesunken. Bis zum Jahr 2050 sollen es 80 Prozent weniger sein. Dieser Zielkorridor sei zu lang um abzuschätzen, ob es reicht. Das Referenzszenario der Energieffizienzsstrategie Gebäude geht aber eher von 60 Prozent aus. Der Endenergieverbrauch sank nur um 6,3 Prozent. Zum Primärenergiebedarf zählen neben dem Energieträger selbst alle Prozesse, die dem Verbrauch vorgelagert sind, die also zur Gewinnung und Verbreitung eines Energieträgers notwendig sind. Endenergie ist das, was nach Wandlungs- und Übertragungsverlusten dem Verbraucher zur Verfügung gestellt wird. Im Gebäudebereich wird der Endenergieverbrauch dem Wärmebedarf gleichgesetzt.

Nach Plan soll der gebäudebezogene Endenergieverbrauch von 2008 bis 2020 um 20 Prozent sinken. Zwar wird die Energie effizienter genutzt, aber der Bedarf steigt trotzdem an. Steigende Wohnfläche pro Einwohner, auch aufgrund des demographischen Wandels, machen die Effekte zunichte. Bislang sinkt der Wärmebedarf nur um jährlich 0,8 Prozent und seit 2008 um insgesamt 6,3 Prozent. In den verbleibenden Jahren müsste sich das Tempo verfünffachen. "Eine solch starke Minderung zu erreichen ist unwahrscheinlich" räumt der Bericht ein. Die Studie geht davon aus, dass sich die Reduktion zwischen 2008 und 2020 auf 12,5 Prozent einpendeln wird.

Eigentlich wäre also eine vermehrte Anstrengung im Gebäudebereich notwendig, um sich den auch auf europäischer Ebene vereinbarten Zielen anzunähern. Der Koalitionsvertrag schreibt jedoch fest, dass es keine Verschärfung der Standards geben soll. Hält man an den Zielen fest, bleibt also als Mittel eigentlich nur eine Erhöhung der Sanierungsraten im Bestand. Die werden im Bericht aber gar nicht erfasst, kritisiert die Deutsche Unternehmensinitiative Energieeffizienz (Deneff) in einem Tweet. Wirkliche Impulse in diese Richtung sind nicht absehbar. Vor allem Steueranreize fehlen nach wie vor. So ist bei einem Hauserwerb die sofortige steuerliche Abschreibung gedeckelt. Auch das macht Sanierungen wenig attraktiv.

Die Mittel für Energieeffizienz und energetische Gebäudesanierung müssen erheblich aufgestockt werden, fordert der Verband der Wohnungswirtschaft, der GdW. Das gelte nicht nur für Raumheizung, sondern speziell auch für Warmwasser. "Eine steuerliche Förderung und Zuschüsse sind nicht nur, wie im Koalitionsvertrag vorgesehen, mit einer Milliarde Euro über vier Jahre notwendig, sondern eher mit vier Milliarden Euro pro Jahr - also insgesamt 16 Milliarden Euro in dieser Legislaturperiode. Im Rahmen von Wirtschaftlichkeitsberechnungen sollte auch der Benchmark "Euro je vermieteter Tonne CO2" berücksichtigt werden", erklärt Ingrid Vogler gegenüber EnBauSa.de. Der GdW schlägt für die erwähnten Zuschüsse eine Investitionszulage vor, die von Privatleuten und Wohnungsunternehmen in Anspruch genommen werden kann. Von Pia Grund-Ludwig

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