Heizung und Warmwasser
Quelle: Pia Grund-Ludwig

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Luftwärmepumpen stehen im Mittelpunkt

Wärmepumpen-Hersteller setzen auf leise Modelle

Klein und leise ist die neue Wärmepumpengeneration. © Nibe

Die IFH in Nürnberg ist abgesagt, die SHK Essen auf September verschoben – aber die Wärmepumpenhersteller haben ihre Hausaufgaben schon gemacht. EnBauSa hat fünf große Unternehmen nach ihren „Messeneuheiten“ gefragt.

Ein wichtiges Thema dieses Jahr sind leise Luftwärmepumpen. Alpha Innotec (Ait-Deutschland) verweist auf sein Messemodell Alira LWAV+, von dem dank aerodynamischer Luftumlenkhauben in drei Metern Abstand nur 35 dB (A) zu hören seien. Unterboten wird das noch vom österreichischen Hersteller Ochsner: Deutschland-Vertriebsleiter Nico Moldenhauer nennt 28 dB(A) für das bereits im Vorjahr vorgestellte Gerät Air Hawk 208. Dieses zusammen mit der Johannes-Kepler-Universität in Linz entwickelte Modell sei „die leiseste Luft/Wasser-Wärmepumpe, die im schweizerischen Wärmepumpen-Testzentrum Buchs je gemessen wurde.“ Zwei größere Geräte mit der gleichen Technik für Mehrfamilienhäuser seien geplant.

Ebenfalls von mehreren Anbietern angegangen wird der Umstieg auf weniger klimaschädliche und zugleich Ozon-unbedenkliche Kältemittel. Nibe und Glen Dimplex beginnen derzeit mit dem Einsatz von R290 (Propan); Wolf hat mit dem Produkt CHA-Monoblock bereits ein R290-Modell im Angebot. R290 ist laut Deutscher Umwelthilfe unter den Kältemitteln, die in den kommenden zehn Jahren eine Chance im Markt haben, das mit dem geringsten Erderwärmungspotenzial.

Stiebel Eltron: lieber kein R290

Stiebel Eltron setzt stattdessen – wie auch Tecalor – auf R454C.Das Unternehmen begründet dies mit der Brennbarkeit von R290: Auch bei Außenaufstellung könne das Propan „im schlimmsten Fall“ in den Hydraulikkreislauf eindringen. „Durch die höhere Drucklage des Kältemittelkreislaufs kommt es zu einem Überdruck im Wassersystem, das Überdruckventil öffnet sich, das gasförmige Kältemittel entweicht im Haus und kann sich, wenn beispielsweise Propan eingesetzt wurde, bodennah als zündfähiges Gemisch sammeln.“ Auch Ochsner traut Propan nicht und setzt in der Air Hawk 208 als Kältemittel R513A ein. Wolf-Produktmanager Martin Bauer argumentiert dagegen: „Millionen Herde, Grills und Campingausrüstungen in der Hand von Endverbrauchern liefern den Beweis, dass die Brennbarkeit von R290 gut beherrschbar ist.“

Tatsächlich neu auf der IFH vorgestellt hätten die fünf Hersteller elf Produkte – mit einer Ausnahme alles Luftwärmepumpen. Die einzige Erdwärmepumpe, WPE-I Premium, kommt von Stiebel Eltron, wobei Pressefrau Katharina Gröne besonders auf die Vorlauftemperatur von bis zu 75 Grad hinweist, die auch dem Kältemittel R454C zu verdanken sei. Ein Sonderfall ist Ochsners Hochtemperatur-Wärmepumpe Iwwhc P2d: Aus Abwärme verschiedenster Quellen macht sie Warmwasser mit bis zu 82 Grad für Kleingewerbe und Pharmaindustrie.

Nibe: PVT-Kollektoren als Wärmequelle

Abgesehen davon setzen die meisten Hersteller beim Grundkonzept auf den üblichen luftdurchströmten Kasten, in dem sich das Kältemittel erwärmt. Etwas ganz anderes bringt Nibe. Die Schweden haben ein System mit sieben bis 14 PVT-Kollektoren im Angebot: Unter Photovoltaikmodulen sind Rohrwärmetauscher montiert, die nicht nur Umgebungswärme, sondern auch solare Wärme für die Wärmepumpe einsammeln. Sozusagen eine Erdwärmepumpe mit Luft-Wärmetauscher, die dazu noch Strom gewinnt. Sogar aktives Kühlen ist möglich. Da es keinen Ventilator gibt, empfiehlt Marketingmann Jörg Schickedanz das System auch als geräuschlose Alternative für eine Luftwärmepumpe.

Alle Anbieter profitieren von der seit Januar günstigeren MAP-Förderung. Wärmepumpen werden seither mit 35 Prozent gefördert, bei Umstellung von Ölheizung auf Wärmepumpe sogar mit 45 Prozent – und zwar einschließlich von Erdbohrungen. Inga Bollow, die bei Glen Dimplex das Marketing verantwortet, nennt eine Zahl: „Im ersten Quartal 2020 ist der Markt um cirka 16 Prozent zum Vorjahr gewachsen.“ Bollow erwartet, besonders im Sanierungsgeschäft, eine Fortsetzung dieses Wachstums. Und: „Prinzipiell profitieren alle Wärmepumpen von der Förderung, besonders aber diejenigen mit höheren Investitionskosten, zum Beispiel Erdwärmepumpen oder Luft/Wasser-Wärmepumpen mit großen Leistungen.“

Wer profitiert von den neuen Förderbedingungen?

Ähnlich sieht es Katharina Gröne von Stiebel Eltron. Jörg Schickedanz hat zumindest beim Neubau „eine Verschiebung bei den Luft/Wasser-Wärmepumpen hin zu den Premium-Wärmepumpen“ erkannt. Die Kunden bekämen „ein deutlich effizienteres System zum gleichen Preis“. Diese Verschiebung könnte auch daran liegen, dass weniger effiziente Geräte die Förderbedingungen nicht schaffen. Katja Weinhold, Pressesprecherin des Bundesverbands Wärmepumpe (BWP): „Bei Luftwärmepumen im Neubau sind die technischen Voraussetzungen – Jahresarbeitszahl 4,5 – nicht immer zu erreichen.“

Beim Verhältnis zwischen den Wärmequellen ist die Einschätzung von Ochsner-Vertriebsleiter Nico Moldenhauer anders. Nach seiner Ansicht profitierten von den geänderten Förderbedingungen „Luft/Wasser-Wärmepumpen, da die Förderkonditionen keine Unterschiede in der Wärmequelle und Förderhöhe mehr machen, zum Nachteil der Wärmequellen Erdreich und Wasser.“

Unterstützt wird er darin von Stefanie Ullraum, von Ait-Deutschland: „Im Fokus stehen in den wichtigsten Märkten mehr und mehr die Luft/Wasser-Wärmepumpen.“ Unabhängig davon sieht Ullraum in der Wohnungswirtschaft einen Trend zu dezentralen Luftwärmepumpen, die sich mit einem Platzbedarf von nur 60 mal 70 Zentimetern „selbst in kleinen Küchen oder Abstellräumen unterbringen“ ließen. Damit habe die Hausverwaltung keinen Abrechnungsaufwand, und „jede Wohnpartei kann ihre Wunschtemperatur in der Wohnung und fürs Warmwasser selbst einstellen.“ von Alexander Morhart

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Kommentare (1)

  1. spiegel experimentelle wohnbauforschung aachen
    at 07.05.2020
    Wärmepumpen gehöhren in den Spielzeugkasten meist High-Tech fixierter Männer und sollten nicht auch noch mit staatlichen Geldern gefördert werden. Herstellung, Einbau und Betrieb haben einen erheblichen CO2-Fussabdruck, der sofort (!) wirksam wird; die vollmundig verkündeten, aber erst später eintretenden Einsparungen stehen, ökologisch und nachhaltig wirtschaftlich gesehen, in einem negativen Verhältnis zur Thermo-Photovoltaik-Technologie des 21. Jahrhunderts (Stand der Bautechnik), die sich nur zögerlich durchgesetzt.

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