"Verzögerung beim Gebäudeenergiegesetz ist Politikversagen"

Schleppende Wärmewende prägt Debatte auf der ISH

Heiße Debatte um Wärmewende auf der ISH. © S. Thole

Die Notwendigkeit der Klimawende stellt auf der ISH, der zweijährlich stattfindenden Innovationsschau für Heizen, Lüften und Gebäudetechnik in Frankfurt, niemand in Frage. Ob diese allerdings im Bereich der Gebäudetechnik mit Gas, Heizöl, Strom oder Holz am effektivsten und günstigsten zu erreichen ist, darüber gingen die Meinungen weit auseinander.

Einigkeit bestand darin, dass es für das Gelingen der Wärmewende notwendig ist, den Handwerkern die Inbetriebnahme und den Verkauf neuer Heizsysteme zu erleichtern und die Installation zu vereinfachen. Und dass für die Nachwuchsgewinnung in der Generation Y das Thema Digitalisierung ein entscheidender Schlüssel sein kann.

Nach wie vor ist die Sanierungsquote bei Heizungen aber zu gering, um die Klimaziele zu schaffen. Nur ein Prozent neue Heizungen werden jährlich installiert, die doppelte Zahl an Anlagen wäre notwendig. Aus Berlin sind die Signale eher zögerlich. Das Gebäudeenergiegesetz bringt keine wiriklichen Impulse, um im Neubau voranzukommen und ist immer noch in der Schwebe. Es komme aber im Sommer 2019, versprach Thorsten Herdan, Leiter der Abteilung „Energiepolitik – Wärme und Effizienz“ im Bundeswirtschaftsministerium. Es werde derzeit „in Sippenhaft gehalten für das Klimaschutzgesetz“ fand er gegenüber EnBauSa.de deutliche Worte in Richtung Umweltministerium. Dass es immer noch nicht über die Ressortabstimmung hinaus sei, sei „Poitikversagen“. Ähnliches gelte für die Steuerförderung. Er entschuldige sich dafür, dass man da nicht weiter sei.

Man wünsche sich die steuerliche Abschreibung, habe aber mitgenommen, dass es in dieser Legislaturperiode damit nichts mehr werde, so BDH-Präsident Uwe Glock. Auch die Gebäudekomission als Expertenforum zur Energiewende im Gebäudebereich ist endgültig gekippt, „da sind wir aus dem Zeitplan gekippt“ sagte Herdan. Man werde aber einen Diskussionsprozess aufsetzen, versprach er auf Forderung des BDH-Chefs nach Konsultation.

Bei der Frage nach dem Energieträger der Zukunft gibt es einen klaren Trend: Den einen Energieträger gibt es nicht, Kombisysteme werden sich durchsetzen. Die Lobbyisten fossiler Energien setzen dabei auf eine Kombination mit Wärmepumpen, die mit Strom vom Dach gespeist werden. Bei ganzheitlicher Betrachtung erreiche „ein Öl-PV-Hybridsystem mit solarstrombetriebener Warmwasser-Wärmepumpe die gleichen Treibhausgaseinsparungen bei der Strom- und Wärmeversorgung von Gebäuden wie zum Beispiel eine Erdgas-Brennstoffzelle und dies bei geringeren Kosten“ argumentiert etwa das Institut für Wirtschaftliche Ölheizung (IWO).

Dass dabei die noch sehr teure Brennstoffzellentechnologie als Vergleich herangezogen wird ergebe Sinn, erklärt Rainer Diederichs, Referent Presse- und Öffentlichkeitsarbeit im IWO gegenüber EnBauSa.de: „Geht man von der Perspektive von Hauseigentümerinnen beziehungsweise Hauseigentümern aus, die modernisieren wollen, ergibt sich bereits aufgrund der Höhe der voraussichtlichen Investitionskosten eine Vergleichbarkeit. Diese bewegen sich für die genannten Systeme in gleicher Größenordnung. Zudem handele es sich beim Hybridsystem aus Öl-PV-WW-WP und Gas-Brennstoffzelle um Systeme, die sich für den Einsatz im Gebäudebestand (Ein- und Zweifamilienhaus) anbieten, die beide Strom erzeugen, der zum Teil selbst genutzt und zum Teil eingespeist wird, und die beide zur Verringerung der Treibhausgasemissionen beitragen, die bei der Energieversorgung von Gebäuden anfallen.

Für Timm Kehler, Vorstand von Zukunft Erdgas, ist klar, dass die Wärmewende am besten mit Gas gelingt. Deshalb, so Kehler, dürfe es auch nicht zu einem Ende der Förderung für Brennwertheizungen kommen. Schließlich gebe es immer noch 7,5 Millionen Heizwert-Gaskessel, die Sanierungsquote liegt derzeit nur bei einem Prozent. Zum Heizungstausch zitierte Kehler eine Studie cder Forums Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft. Demnach liefert das Heizungspaket, bei dem eine fossile Heizung durch eine bessere fossile Heizung ersetzt wird, pro Fördereuro die höchste CO2-Einsparung. Und ohnehin werde in Zukunft mehr Biomethan zur Verfügung stehen. Bereits heute könne man eine Stadt der Größe Frankfurts klimaneutral mit Biogas versorgen, erklärte Kehler. Als härtesten Konkurrenten sieht Anke Tuschek, Geschäftsbereichsleiterin Vertrieb beim  Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft, nicht mehr länger die Öl-Lobby. Kehlers Argument für Gas ist der Strompreis, der sich in den vergangenen Jahren deutlich nach oben entwickelt hat, Gas konnte auf einem Niveau bleiben.

Die hohen Strompreise stören auch die Wärmepumpenbranche. Simone Peter, Geschäftsführerin des Bundesverbands Erneuerbare Energien spricht sich für eine CO2-Bepreisung aus, um zu einer gerechten Verteilung der Kosten auf die Energieträger zu kommen. In anderen Ländern wie der Schweiz oder Schweden habe man damit gute Erfahrung gemacht, erläuterte sie im Gespräch mit EnBauSa.de. Das sei notwendig, um für Wärmepumpen faire Wettbewerbsbedingungen zu schaffen. Es sei ein dickes Brett zu bohren, aber es sei notwendig, die Debatte dazu schon unter der derzeitigen Bundesregierung anzustoßen. Thorsten Herdan machte da wenig Hoffnung: Das werde es in der letzingen Legislatur nicht geben. Man müsse es gründlich durchdenken, sonst sei das Thema tot, wenn man es falsch angehe.

Die Konkurrenz um den richtigen Weg zur Energiewende führt auch dazu, dass sich Handwerker und Installateure gerne für den einfachsten Weg entscheiden. Darunter leiden derzeit die Hersteller von Pellet-Heizungen. „Wir hatten 2018 große Nachfrage, konnten die aber nicht bedienen da unsere Kunden keine Handwerker gefunden haben, die die Anlagen installieren konnten“, erklärt etwa Helmut Matschnig, Geschäftsführer von KWB. KWB erleichtert Installateuren die Arbeit durch modulare Systeme, die von Zweimann-Teams installiert werden können. Ökofen unterstützt die Handwerker mit einem eigenen Förderservice für Endkunden, den Handwerker mit vermarkten können und mit zahlreichen Services wie Hydraulikschemen-Konfigurator, virtuellem Kundendienst oder Kaminrechner. Uwe Glock mag das Argument Handwerkermangel nicht gelten lassen: Jeder Beschäftigte in der Heizungsbranche baue  derzeit zwei neue Heizungen pro Jahr ein. Da sei auch bei den bestehenden Kapazitäten noch Luft nach oben. von Pia Grund-Ludwig

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