Installation und Betrieb haben enormen Einfluss

Performance-Garantie von Wärmepumpen bleibt brisant

Hans Erhorn, IBP, fordert Performance-Garantien für Wärmepumpen. © Pia Grund-Ludwig

Die Performance von Wärmepumpen in der Praxis ist ein viel diskutiertes Thema. Im Referentenentwurf des Gebäudeenergiegesetzes wird gefordert, dass die Jahresarbeitszahl kontinuierlich angezeigt wird. Das würde zwar nicht für eine garantierte Leistung, aber immerhin für Transparenz sorgen. Dass das sinnvoll ist, wird klar, sobald Daten verglichen werden. Jüngstes Beispiel: Eine Auswertung der Häuser, die im Modellvorhaben Effizienzhaus Plus messtechnisch begleitet werden hat gezeigt, dass die gemessenen Jahresarbeitszahlen sehr stark auseinandergehen.

Marek Miara vom Fraunhofer ISE war es bei der Vorstellung der Ergebnisse im Rahmen eines Workshops des Netzwerks Effizienzhaus Plus zunächst wichtig, eine Lanze für Wärmepumpen zu brechen: Sie erreichten eine Effizienz, die ihnen Vorteile gegenüber fossilen Heizungen verschaffe.

Dann folgte ein Aber, das auf Zahlen basierte, die Antje Bergmann vom Fraunhofer IBP gezeigt hatte: Bei den Wärmepumpen im Monitoring sind die Unterschiede groß, mit Ausreißern nach oben und unten. Luftwärmepumpen lagen im Durchschnitt bei einer Jahresarbeitszahl von 2,9 im Altbau und 3,1 im Neubau, die untersten Werte lagen aber deutlich unter 2. Die Jahresarbeitszahl setzt die Heizungswärme ins Verhältnis zum eingesetzten Strom im Laufe eines ganzen Jahres.Je höher die Zahl, desto effizienter die Wärmepumpe. Erdreichwärmepumpen waren etwas besser mit deutlicheren Ausreißern nach oben bis zu einem Wert von 5, doch auch hier gab es Systeme, die es gerade mal auf eine Jahresarbeitszahl von 2 brachten.

Die große Bandbreite zeige den hohen Einfluss von Betrieb und Installation, so Miara. Eine generelle Aussage lasse sich deshalb treffen: einfache und robuste Anlagen erreichten die besten Werte. "Keep it simple" müsse die Maxime sein, formulierte Stefan Oehler vom Planungsbüro Greentech in Frankfurt. "Ideale Haustechnik ist so eingestellt, dass der Hausmeister sie versteht", fordert er. Die Erkenntnis, dass eine einfache Anlagenkonfiguration der Schlüssel zum Erfolg ist unterstrich auch Volker Weinmann vom Bundesverband Wärmepumpe (BWP). Viele Planer hätten das Bedürfnis viel in die Anlage zu packen. "Alles, was ich reinbringe, hat Verluste, wenn ich wenige Komponenten nehme ist die Gefahr von Fehlern geringer", unterstrich er.

Gute Ausbildung könnte Qualität erhöhen

Wichtig ist Weinmann zudem die Ausbildung von Planer. Hier arbeite sein Verband an Planer- und Praktikerschulungen, die auch mit einer Online-Prüfung abzuschließen sind. Geplant ist auch ein Siegel "Fachbetrieb Wärmepumpe" für Unternehmen, die sich für die Installation besonders qualifiziert haben. Eine Liste dieser Fachbetriebe solle bei der Dena geführt werden.

Drei Punkte, bei denen es klemme nannte der Ingenieur und Normentwickler Harald Fonfara: Planung, Ausführung und Betrieb. Zu den Planungsfehlern zähle, dass die Wärmequelle nicht passe, die Heizflächen falsch seien und die Heizkurve nicht stimme. Teilweise werde auch der Bedarf für die Trinkwassererwärmung nicht berücksichtigt, der hydraulische Abgleich nicht vernünftig gemacht. Ein Leitfaden der VDI, die Richtlinie 4645, soll mehr Sicherheit bringen, er ist vor kurzem als Grünbuch erschienen. Mit einem Weißdruck ist bis Ende 2017 zu rechnen. Da es aber keine Vorläuferversion der Richtlinie gibt, sei bereits das Grünbuch verbindlich, so Fonfara. "Die Richtlinie wäre eine große Hilfe für die Installateure", unterstrich Marek Miara.

Auf die Notwendigkeit einer besseren Qualifizierung und Qualitätssicherung verwies Hans Erhorn vom Fraunhofer IBP. "Wir sind große Geldvernichter im Bauwesen", so seine offenen Worte. Es fehle an genauen Spezifikationen, Kompetenzen, dazu komme Stress. "Rebound ist nichts anders als schlechte Qualität", erklärte er. Andere Länder seien in der Qualitätssicherung weiter. So gebe es in Österreich kontinuierliche Schulungen und Qualifikationen für Handwerker und Planer.

Performance-Garantie bleibt schwierig

Heftige Debatten löste Moderator Peter Friemert, Geschäftsführer der Zebau, mit seiner Frage aus, wer künftig die Performance von Wärmepumpen garantieren werde. Hans Erhorn forderte vehement, dass man eine solche Garantie brauche,"wie wir sie realisieren, weiß ich nicht," gab er zu. Man müsse ausschließen, dass Wärmepumpen in ineffiziente Systeme eingebaut würden. Eine solche Garantie der Performance durch die Hersteller in Form einer Jahresarbeitszahl könne es nicht geben, so Fonfara. Diese hänge nicht nur von der Maschine ab, sondern auch von der Wärmeübergabe.

Bereits heute müsse eine Wärmepumpe einen separaten Stromzähler und Wärmemengenzähler haben, um die Anforderungen von EnEV und KfW zu erfüllen, erklärte BWP-Vertreter Weinmann. Außerdem gebe es bereits heute detaillierte Anleitungen zur Installation von Wärmepumpen, die würden aber häufig nicht eingehalten. Die Nutzer sollten Informationen zum Zustand der Anlage haben, da gebe es bereits heute viele Anlagen, die die Effizienz zeigen, erklärte Weinmann. Auch der Referentenentwurf des Gebäudeenergiegesetzes, der derzeit diskutiert wird, sieht eine solche Information der Verbraucher vor. Eine Anzeige soll die Jahresarbeitszahl der vergangenen zwölf Monate dokumentieren. "Man kann sich auch vorstellen, dass es eine Art Warnlampe gibt,wenn die Effizienz nicht eingehalten wird," so Volker Weinmann.

Er forderte bei einer Effizienzgarantie ein komplettes Monitoring. "Wenn man eine Garantie gibt, dann muss auch sichergestellt sein dass der Bedarf, der abgefordert wird, nicht höher ist als angenommen", erklärte er. Dazu gehöre zum Beispiel eine Überprüfung des Warmwasserverbrauchs. Stefan Oehler: "Man kann diese Werte nur über ein Monitoring über zwei Jahre feststellen." Dazu wäre aber wieder Messtechnik notwendig, die im Verhältnis zu den Einsparungen teuer ist. Sie würde aber zumindest den Blindflug im Betrieb verhindern und erreichen, dass die Benutzer sich darüber im Klaren sind, dass sie eine Anlage vielleicht so komfortabel nutzen wie es ihren Bedürfnissen entspricht, dies aber auf Kosten der Effizienz geht. Von Pia Grund-Ludwig

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Kommentare (2)

  1. spiegel wohnbauforschung am 07.02.2017
    Ingenieure, auch Bauherren sind Technologie gläubig und neigen zu Übertechnisierung, Forscher und Behörden zu Überregulierungen und Unternehmer-Lobbyisten interessiert der wirtschaftliche Erfolg. Kurzum: WP sind möglicherweise Klima effizient, wahrscheinlich selten hauswirtschaftlich / ökologisch, aber riskant - im Gegensatz zum Passivhauskonzept mit WRG und dem Holzbau. Dietmar Spiegel - 7.2.2017
  2. Dipl.-Ing. Axel Creifelds am 07.02.2017
    Ich kann die Forderungen von Hans Erhorn(IBP) nur deutlich unterstreichen, würde sie jedoch nicht nur allein auf Wärmepumpen beschränken, sondern auf alle Wärmeerzeugungsanlagen ausdehnen.

    In D existieren ~ 15,3 Mio. Heizungsanlagen in EFH/ZFH mit teilweiser erschreckend schlechter Energieeffizienz.
    Hier durch werden neben dem überhöhten Energieverbrauch jährlich mehr als 15 Mio. t CO2 zusätzlich emittiert, als eigentlich notwendig wäre.
    Pro Jahr kommen 0,1 Mio. Neubauten hinzu, deren Energieeffizienz trotz EnEV, KfW und Bafa nicht besser ist.

    Ursachen neben Installationsfehlern:

    Fehlende, hinreichend notwendige Anlagendimensionierung, die für ein EFH/ZFH, je nach Leistungsumfang und Randbedingungen, lediglich ca. 0,9…1,6 T€, kostet.

    Es existiert u.a. ein Internetforum (~ 2,4 Mio. Beiträge), welches sich mit Problemfällen bei Heizungsanlagen beschäftigt. Auffällig, dass bei nahezu allen Anlagen keinerlei Anlagendimensionierung vorhanden war.

    Verantwortlich:
    BT/GU/GÜ, Architekten, Energieberater und Installationsfirmen.
    Wer in die Begrifflichkeit Planung nicht gleichzeitig die notwendig hinreichende Anlagendimensionierung einbezieht, will lediglich Verkaufen.

    Gefördert werden diese Missstände auch durch das gegenwärtige Baurecht. Während für den Bauantrag EnEV-, Statik-, Brandschutz- und Schallschutznachweise einzureichen sind, gilt das für die Energieeffizienz der Anlagentechnik scheinbar nicht (Dimensionierungnachweis).
    Heizungsanlagen in EFH…4FH werden lediglich verkauft und zusammengebastelt auf Grundlage von Vermutungen, Schätzungen und Annahmen, quasi Rätselraten.

    Somit lässt sich sicherlich keine Energiewende bzw. die Erreichung von hochgesteckten Klimazielen erreichen.

    Der Zusammenhang zwischen tatsächlichem Energiebedarf und Energieverbrauch scheint weitestgehend völlig unbekannt zu sein, was bei der guten Ausbildung an Universitäten, FHS, FS und Meisterausbildungen sehr verwunderlich ist. Die Anlagenaufwandszahl ist messtechnisch einfach zu ermitteln, wodurch die Transparenz u.a. in Verbindung mit Monitoring einfach macht.

    Insofern ist es grundsätzlich kein Problem, eine Garantie für die Energieeffizienz der Heizungsanlage zu leisten.
    Wer das nicht will oder kann, Transparenz verhindern will, outet sich lediglich als einfacher Anlagenverkäufer.

    Bauherren wird daher dringend angeraten, die Energieeffizienz der Anlage vertraglich zu fixieren, um vor unliebsamen Überraschungen sicher zu sein.

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