Hersteller stellen Geräte mit Leistungsmodulation vor

Markt für Brennstoffzellenheizgeräte nimmt Fahrt auf

Der neue Dachs 0.8 von Senertec. © S.Thole

2018 sind laut Branchenverband Zukunft Erdgas bundesweit 3.500 Brennstoffzellenheizungen installiert worden. Über 2.000 davon kamen von Viessmann. Damit hat sich der Hersteller von Heizungs- und Klimatechnik in diesem Segment als Marktführer positioniert. Bosch Thermotechnik zieht die Konsequenzen und konzentriert sich künftig auf Geräte für den gewerblichen Bereich. Auf der ISH stellten aber auch einige andere Anbieter neue Geräte vor.

"Wir sind wahnsinnig stolz, dass wir Buderus von unserem Ansatz überzeugen konnten und unser Gerät hier auf dem Stand präsentieren können", sagte Saxo Dyzak, Sales- and Business Developmanager Deutschland bei der Solidpower GmbH, im Gespräch mit EnBauSa.de.

Brennstoffzellenheizungen sind eine Kombination aus Brennstoffzelle und Gastherme. Durch eine chemische Reaktion in der Brennstoffzelle wird gleichzeitig Wärme und Strom erzeugt, daher gelten Brennstoffzellenheizungen als besonders effizient. Anders als viele andere Hersteller setzte Solidpower von Beginn an auf einen stromgeführten Betrieb seines Geräts, das heißt, der Fokus liegt auf der Stromerzeugung, die Wärme gilt als Nebenprodukt und wird gespeichert. Beim wärmegeführten Betrieb dagegen richtet sich die Leistung der Brennstoffzelle nach dem Wärmebedarf des Gebäudes.

Bei Festoxid-Brennstoffzellen (SOFC), die mit einer sehr hohen Betriebstemperatur von 600 bis 1000 Grad Celsius arbeiten, ist der Stromanteil im Aggregat höher. Daher werden sie vorzugsweise stromgeführt angesteuert. Auch Solidpower setzt auf diese Technologie. Das Erfolgsgerät Vitovalor 300 von Viessmann, dessen Absatz das Unternehmen aus Allendorf im vergangenen Jahr verdoppelt konnte, dagegen nutzt die PEM-Technologie (Protonenaustauschmembran) und arbeitet im Niedertemperaturbereich (70 bis 90 °C). Es ist wärmegeführt.

Bosch adressiert mit Brennstoffzellen-KWK Gewerbekunden

Bereits seit dem vierten Quartal vertreibt Buderus das Solidpower-Gerät Bluegen, die eigene Lösung Logapower, die von der zweiten Bosch-Thermotechnik-Marke Junkers unter dem Namen Cerapower vertrieben wurde, findet sich nicht mehr im Portfolio. Stattdessen fokussiert Bosch Thermotechnik künftig verstärkt den gewerblichen Bereich. "Hier sehen wir den Massenmarkt", begründete Uwe Glock, Vorsitzender der Geschäftsführung von Bosch Thermotechnik die Umorientierung. 2018 hat das Unternehmen sich mit vier Prozent an dem britischen Spezialisten Ceres Power beteiligt. Gemeinsam mit diesem wolle man die Festoxid-Brennstoffzellen-Technik (SOFC) voranbringen. Ziel sei es, die SOFC-Technologie durch Volumenfertigung zu industrialisieren und sie für die vernetzte und dezentrale Energieerzeugung einzusetzen. SOFC-Systeme sollen in Städten, Fabriken, Rechenzentren oder Ladesäulen für Elektrofahrzeuge zum Einsatz kommen.

Die Marke Junkers, so war auf der ISH zu hören, wird vom Markt verschwinden. Auf  dem großen Stand des Unternehmens in der neuen Halle 12 war sie bereits nicht mehr vertreten.

Der Bluegen von Solidpower ist seit einigen Jahren auf dem Markt. Auf der ISH stellte das Unternehmen aus Heinsberg das Nachfolgemodell Bluegen BG-15 vor, das ab Mai in Deutschland erhältlich sein soll. "Wir haben lange und intensiv an einem verbesserten Design des Brennstoffzellen-Stacks gearbeitet, so dass dieser nochmals ein Stück robuster geworden ist", berichtet Zacharie Wuillemin, Entwickler bei Solidpower. Das neuartige Design ermögliche ein Modulation der Leistung des Geräts. Der Nutzer kann dem Hersteller zufolge die elektrische Leistung zwischen 0,5 und 1,5 Kilowatt (kW) eigenhändig regeln, je nachdem wieviel Strom aktuell benötigt wird.

Ein einzelner Bluegen produziert im Jahr bis zu 13.000 Kilowattstunden (kWh) Strom. Zudem können künftig täglich bis zu 250 Liter Warmwasser erzeugt und in das heimische Versorgungsnetz eingespeist werden - etwas mehr als beim Vorgänger. Ein weiterer Vorteil des neuen Modells: Es ist nicht mehr notwendig, dass die Erstinbetriebnahme durch einen Spezialisten von Solidpower erfolgen muss. Das kann der ausführende Fachhandwerker vor Ort direkt nach dem Einbau selbst erledigen.

Viessmann zeigt zweite Generation von Brennstoffzellen-Heizung

Auch Viessmann nutzte die Gelegenheit, in Frankfurt den Nachfolger seines Brennstoffzellen-Heizgeräts Vitovalor 300-P vorzustellen. Das Gerät trägt den Namen Vitovalor PT2 und wurde bereits im August 2018 in den Markt eingeführt. Dem Hersteller zufolge ist es "wärmegeführt und stromoptimiert". Der integrierte Energiemanager sei lernfähig und reagiere auf die persönlichen Bedürfnisse der Hausbewohner. Das heißt: Er schaltet die mit Erdgas und Wasserstoff betriebene Heizung erst dann ein, wenn es sich lohnt – also wenn ausreichend lange Laufzeiten und damit eine entsprechende Stromproduktion und Eigenstromnutzung zu erwarten sind. Bei optimaler Einbindung in das Energiesystem des Hauses erzeugt die Brennstoffzelle laut Hersteller mit einer elektrischen Leistung von 750 Watt 6.000 Kilowattstunden Strom pro Jahr.

Die Einheit aus PEM-Brennstoffzelle und Gas-Therme ist für mindestens 80.000 Betriebsstunden ausgelegt und muss nur noch alle fünf Jahre gewartet werden.Der Gasbrennwertkessel leistet je nach Bedarf 11,4 bis 30,8 kW und liefert somit genügend thermische Leistung, um den gesamten Wärmebedarf eines Ein- oder Zweifamilienhauses zu decken. Dabei beträgt die Aufstellfläche nur 0,72 Quadratmeter. Bei der Brennstoffzelle setzt Viessmann weiterhin auf die Technik von Panasonic. Diese habe sich in Japan in über 100.000 Fällen bewährt.

Mit dem Brennstoffzellenmodul Vitovalor PA2 bietet Viessmann außerdem eine Nachrüstlösung für bestehende Heizungsanlagen in Ein- und Zweifamilienhäusern an. Fachpartner könnten damit ihren Kunden auch nach bereits erfolgter Heizungsmodernisierung eine Innovation zur Stromerzeugung anbieten, so der Hersteller.

Brennstoffzellen-KWK braucht wenig Wartung

Der zur BDR Thermea Group gehörende Anbieter Senertec ist vor allem für seine klassischen, motorbetriebenen Mini-Blockheizkraftwerke mit dem Namen Dachs bekannt. Über 36.000 Dachs-BHKW wurden bisher verkauft. In Hannover stellte das Unternehmen nun ebenfalls ein Brennstoffzellen-Gerät vor, den Dachs 0.8. Dieser ist mit einer PEM-Brennstoffzelle ausgestattet und zielt mit einer thermischen Leistung von 1.100 Watt und 750 Watt elektrischer Leistung auf effiziente Einfamilienhäuser. Die Lebensdauer des Stacks bezifferte eine Mitarbeiter am Stand auf etwa 10 Jahre oder 80.000 Stunden, dann gehe die Leistung langsam zurück. Da nur wenige bewegliche Teile verbaut werden, sei das Brennstoffzellengerät weniger wartungsanfällig als ein motorbetriebenes Mini-BHKW. Zur Gesamtanlage gehören eine modulierende Brennwerttherme und ein 300-Liter-Pufferspeicher sowie zwei geregelte Heizkreise, die Trinkwasserbereitung und ein Energiemanager.

Neu im Senertec-Programm ist außerdem der Dachs 2.8. Dieser ist auf den Energiebedarf von Ein- bis Zweifamilienhäusern und kleinen Gewerbebetrieben ausgelegt. Mit einer elektrischen Leistung von 2,9 kW liefert er mehr Strom und ist geichzeitig kostengünstiger in der Anschaffung. Die thermische Leistung beträgt 7,3 kW. Weil er mit 44 dB(A) leise ist, eignet sich der Dachs 2.9 besonders für Wohn- und Gewerbegebäude, bei denen dem Schallschutz große Bedeutung zukommt. Als Beispiele nennt Senertec Ärztehäuser oder Architekturbüros.

Das Gerät greift auf die Technik der größeren Anlagen mit 5,5 und 20 kW zurück. Der Dachs 5.5 wurde allerdings jetzt einem umfassenden Facelift unterzogen. Damit konnte sich das Gerät das Label Design Plus powered by ISH für zukunftsfähige Produkte sichern, die eine optimale Verbindung von Nachhaltigkeit, Ästhetik sowie Funktionalität aufweisen.

Neben einem ansprechenden Design führte die Überarbeitung des Produkts Senertec zufolge zu einer Effizienzsteigerung um sechs Prozentpunkte, weniger Geräuschemissionen und einer zukunftsfähigen Auslegung für den Netzzugang. Außerdem verfügt der neue Dachs 5.5 über eine dreistufige Leistungsoptimierung, so dass er sich dem Tatsächlichen Bedarf an Strom und Warmwasser besser anpassen kann. Der Schalldruckpegel wurde von 54 dB(A) auf 48 dB (A) gesenkt. Das entspricht einer Halbierung des ausgesendeten Schalldrucks.

Auch die ebenfalls zur BDR Thermea Group gehörende Marke Remeha wird im Sommer eine Brennstoffzelle auf dem deutschen Markt einführen. Die Leistungswerte entsprechen dem des Dachs 0.8. von Silke Thole

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