Heizung und Warmwasser
Quelle: Pia Grund-Ludwig

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Forschungsprojekt ist angelaufen

KI soll Heizung um 15 Prozent verbessern

Künstliche Intelligenz soll die Heizkosten senken. © Co2Online

Künstliche Intelligenz soll Heizungen optimieren. Daran tüftelt ein Team aus Hamburg im Rahmen eines Forschungsprojekts.

Zwei Drittel der deutschen Heizungsanlagen laufen nicht effizient. Das hat der Bundesverband der Deutschen Heizungsbauer bei einer Untersuchung herausgefunden. Bislang braucht es spezialisierte Ingenieure, um eine Anlage mit Sensoren zu versehen, die erfassten Messdaten auszuwerten und richtige Rückschlüsse zu ziehen. Das ist aufwendig und im Zweifel auch teuer.

„Bei den meisten Heizungen gibt es keine Sensoren. Passen beispielsweise die Schaltzustände nicht, müssen das bislang Fachleute überprüfen. Wir wollen, dass Sensoren und eine Künstliche Intelligenz das herausfinden“, erklärt Sven Rausch die Idee, Mitgründer von ENER-IQ.

Künstliche Intelligenz für Heizungen

Eine fehlerhafte Programmierung, defekte oder falsch montierte Bauteile erhöhen den Energieverbrauch bei gleichbleibender Wärmeleistung. Erkennen können das oft nur Spezialisten.

Grob geschätzte 20 Millionen Heizanlagen in Deutschland händisch zu überprüfen, ist allerdings unmöglich. Mit KI könnten zumindest deutlich mehr Anlagen als bisher auf ihre Effizenz untersucht werden. Deshalb will ENER-IQ zusammen mit dem Energieberatungsunternehmen SEnerCon und der Universität Würzburg in einem Forschungsprojekt 20 Anlagen überprüfen, auswerten und parallel eine Software anlernen, die künftig selbst Effizienzverluste meldet.

Der Name KI-Nergy beschreibt, worum es geht: „Wir wollen das mit einer Analyse-KI machen“, erklärt Rausch. Deshalb sind mit den Professoren Frank Puppe und Dietmar Seipel zwei Würzburger Experten für KI-Methoden und Expertensysteme an Bord. Solche Systeme können Daten überwachen, interpretieren und Diagnosen stellen, sogar Handlungsempfehlungen geben. Idealerweise braucht es dann nur noch einen Handwerker, der diese umsetzt. Die Handwerkskammern sehen bei spezialisierten Experten im Wärmebereich schon länger einen Fachkräftemangel – mit KI-Nergy könnten auch weniger gut ausgebildete Installateure die komplexe Optimierung der Heizanlage vornehmen, hofft Rausch.

Effizienzsteigerungen von 15 Prozent sollen möglich sein

Mit 20 Anlagen unterschiedlicher Komplexitätsgrade wird das Projekt starten. Projektpartner, wie etwa die Vermieter von Mehrfamilienhäusern, stellen diese zur Verfügung. Sie verpflichten sich damit, auch Empfehlungen der KI oder der beteiligten Forscher umzusetzen. Schließlich wollen diese prüfen, ob das automatisierte Programm auch sinnvolle Erkenntnisse liefert.

„Unsere Ingenieure können die Effizienz einer Heizanlage um zehn, 15 Prozent steigern. Diese Größenordnung würden wir gerne auch mit unserer KI erreichen. Die größten Herausforderungen bestehen darin, unser langjähriges Expertenwissen in Algorithmen zu überführen - und dass jede Heizungsanlage ein Unikat ist“, sagt Mitgründer Günter Wolter.

So sollen am Ende die Emissionen sinken. Zwar stieg der Anteil Erneuerbarer am Endenergieverbrauch für Wärme und Kälte von 10,8 (2008) auf 13,8 Prozent (2017), so Zahlen der Arbeitsgruppe Erneuerbare Energien-Statistik. Aber der wichtigste Energieträger für Heizanlagen bleibt Gas, mit den verbundenen Emissionen. Effizienzsteigerungen wirken sich daher direkt auf die CO2-Bilanz aus.

Bevor KI-Nergy dabei helfen kann, müssen die beteiligten Entwickler aber erst einmal die Software entwerfen. 2021 folgt die Hardware: Die Projektpartner wollen dabei vor allem schon am Markt erhältliche Sensoren verbauen. Und dann über zwei Winter die 20 Anlagen optimieren und dabei die KI anlernen.

Bis 2023 läuft das Projekt, an dessen Ende nicht nur eine trainierte KI stehen soll. „Wir würden uns wünschen, dass die Hersteller von Heiztechnik künftig mehr Sensoren verbauen – das würde die Überprüfung deutlich günstiger machen“, erklärt Rausch. Langfristig könnte die KI auch für andere Anwendungszwecke angepasst werden, etwa um größere Wärmenetze oder kleinere Anlagen zu überprüfen. Quelle: Energiewendebauen / pgl

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