Preismotto: Ästhetisch und effizient Wohnraum schaffen und modernisieren

KfW zeichnet Schwarzwaldhof aus

Der Kienzlerhansenhof nahe Schönwald im Schwarzwald. © KfW

Eine Parade gelungener Bauprojekte stellte die KfW Bankengruppe bei der Verleihung ihres Baupreises in der Berliner Bertelsmann-Vertretung vor. Für den KfW Award hatte der Auslober für jedes der acht nominierten Projekte einen eigenen Kurzfilm drehen lassen.

Jeweils drei Nominierte in den Kategorien Bestands- und Neubau gab es. Außerdem wurde zum zweiten Mal in der Geschichte des Preises ein internationales Projekt ausgezeichnet. Auch die Jury unter der Leitung des Architekten Hans Kollhoff vergab einen eigenen Preis.

Zunächst aber schilderte der Staatssekretär im Innenministerium, Stephan Mayer, die Ziele der Wohnungspolitik der neuen Bundesregierung. Breit ging er auf das Baukindergeld ein und kündigte einen Wohngipfel für den Frühherbst an. Kein Wort jedoch zur steuerlichen Förderung der energetischen Sanierung, die im aktuellen Haushaltsentwurf für 2018 nicht zu finden ist. Mit Sicherheit soll laut Mayer aber eine andere Vereinbarung des Koalitionsvertrags umgesetzt werden: Die Modernisierungsumlage soll auf acht Prozent der anrechenbaren Baukosten beschränkt werden. Aktuell sind es elf Prozent. Außerdem soll die Umlage nur sechs Jahren lang erhoben werden und auf drei Euro pro Quadratmeter gedeckelt sein.

Ein Landhaus mitten in München

Dann gehörte die Bühne den Preisträgern. Den ersten Preis in der Kategorie Neubau erhielt das Erzbistum Köln. Das Architektenbüro LK Architekten verwandelte einen Rückzugsort von Nonnen in Köln-Kalk zum Ensemble aus Alt- und Neubauten. 43 preisgünstige Wohnungen entstanden, dazu Büros und ein Bildungs- und Begegnungszentrum für Einheimische, Flüchtlinge, Familien und Singles.

Den zweiten Preis erhielt ein ländlich anmutendes Holzhaus, das in einen Münchner Hinterhof in der Zieblandstraße gestellt wurde. Drei Seiten des Gebäudes fallen mit den Grundstückgrenzen überein. Deshalb entschied sich das Büro Heim Kuntscher Architekten mit den Bauherren Sabine und Jürgen Krieger, drei Außenmauern aus Stein herzustellen. Diese sollten möglichst wenig Pflege brauchen, weil sie eventuell von den anderen Grundstücken aus nicht mehr zugänglich gewesen wären. In diese Hülle wurde eine dreistöckige Innenkonstruktion ganz aus Holz gestellt. Der Bau ist nicht nur unkonventionell, sondern auch energetisch hocheffizient: Er erfüllt den KfW-40-Standard.

Der dritte Neubaupreis ging an eine Wohnstätte der Lebenshilfe in Berlin. Das Gebäude vom Büro Urbane Prozesse bietet 40 Behinderten ein Zuhause.

Bach treibt Wärmepumpe an

Den ersten Preis in der Kategorie Bestandsbau erhielt ein Mittelreihenhaus im fränkischen Pappenheim. In einer Altstadtgasse setzte der Bauherr und Architekt Michael Aurel Pichler ein nur vier Meter schmales Haus instand. Da der Baugrund zur Nässe neigte, wurde das Erdgeschoss im Baujahr 1740 aus Kalksteinen gefügt, die keine Feuchte aufsteigen lassen. Das platzsparende Fachwerk folgt erst darüber und schmiegt sich eng an die Nachbarhäuser. Das Haus lässt sich so ziemlich mühelos heizen. Historische Bauteile wie die Dielenböden, die originalen Hoffenster und die Steinlamellen aus Pappenheimer Jura in den Fensterlaibungen wurden abgeschliffen und restauriert. Verwendet wurden haltbare, denkmalgerechte Materialien wie Kalkputz, Standöl und Hanfdichtung. Allein die Fenster zur Straße, die original nicht mehr auffindbar waren, ersetzte Pichler durch sprossenlose, den Rahmen nicht zeigende moderne Dreifachfenster.

Den zweiten Preis erhielten Iris und Christian Müller für die Sanierung eines Altstadthauses aus dem 16. Jahrhundert in Weiden. Dank der Arbeit des Architekten Karl-Heinz Beer ist es jetzt hell und vielfältig nutzbar.

Der dritte Preis ging an ein barockes Amtshaus in Bayern. Besitzer Ignaz Graf zu Toerring-Jettenbach und der Architekt Josef Anglhuber von Aris Architekten sehen es als Startprojekt für die Neubelebung des Ortes Jettenbach. Nach einer denkmalgerechten Sanierung bietet das Haus vier Wohnungen, darunter ein 200 Quadratmeter-Loft im früheren Getreidespeicher sowie Platz für Gewerbe. Der Clou der Sanierung: Das Wasser des nahen Baches wird zur Stromerzeugung für die Wärmepumpe genutzt. Architekt Anglhuber sieht die Erhaltung eines alten Gebäudes auch unter dem Gesichtspunkt, dass graue Energie weiter genutzt wird: "Das ist im Endeffekt sehr wirtschaftlich."

Energieautark dank Geothermie

Den Sonderpreis der Jury bekamen die Architekten Anja Kluge und Ingolf Gössel. Sie bauten mit viel Liebe den mehr als 400 Jahre alten Kienzlerhansenhof im Schwarzwald mit dem typischen, weit herab gezogenen Vollwalmdach aus. Die Gemeinde hatte sich eine Bewirtschaftung von den Käufern gewünscht, was die beiden Architekten mit ihrem Büro in Stuttgart dank der Mithilfe ihrer Familie leisten können. Heute ist der Hof ein modernes Effizienzhaus und dank einer 130 Meter tiefen Erdsondenbohrung weitgehend energieautark. Dabei hatten die Bauherren Glück: Aufgrund von geologischen Karten schätzten sie, dass sie in der Tiefe 12 bis 15 Grad heißes Wasser finden würden. Gestoßen sind sie auf 21 Grad heißes Wasser. Die daran angeschlossene Wärmepumpe kommt so auf eine Jahresarbeitszahl von 5 bis 6, berichtet Ingolf Gössel.

Das Wärmekonzept arbeitet außerdem mit den schweren Speichermassen des Hauses, die durch die Dämmung aus Holzfaserplatten noch verstärkt wurden. Statt einer Dreifachverglasung gibt es Kastenfenster mit einer 14 Zentimeter breit stehenden Luftschicht.

Ein Haus aus dem 3D-Drucker

Den Preis für ein internationales Projekt gewann das Gebäude "Alizari" für soziales Wohnen im Passivhaus-Standard in der Normandie, finanziert von der französischen Förderbank Caisse des Dépôts. Das Gebäude ist nach dem französischen Standard zur Energieeinsparung und Minderung der CO2-Emissionen (E+C) klassifiziert.

Bauherr ist Habitat 76, mit 38.000 Wohneinheiten die größte Sozialwohnungsgesellschaft in der Normandie. Die Mieter teilen sich Waschküche und Trockenraum, Lese- und Spielzimmer, Fahrradgarage, Bastelraum und ein Elektromobil. Die Photovoltaikanlage auf dem Dach produziert doppelt so viel Strom wie für den Betrieb der Gemeinschaftseinrichtungen benötigt wird. Die Isolierung des Gebäudes mit 30 Zentimeter Polystyrol, die Dreifachverglasung und ein aufwändiges Lüftungssystem, über das die Wohnungen auch beheizt werden, tragen zur Erfüllung des Passivhausstandards bei. Im Keller steht eine Pelletheizung für sehr kalte Tage. Temperatur und Licht lassen sich per Fernbedienung einstellen, denn Alizari ist auch ein Smart Home.

66 Prozent der Baukosten in Höhe von fünf Millionen Euro stellte die Caisse des Dépôts, Frankreichs Hauptfinanzierer des sozialen Wohnungsbaus, als Langfristdarlehen zur Verfügung. 25 Prozent investierte die Wohnungsbaugesellschaft, die restlichen neun Prozent kamen in Form von staatlichen Zuschüssen und Darlehen privater Geber zustande.

Die Mehrkosten von rund 30 Prozent für den Passivstandard kann der Bauherr wegen der gedeckelten Sozialmieten nicht wieder hereinholen. Doch Habitat 76 sei schon immer "so etwas wie die Spitze der Bewegung" unter den Sozialbauträgern gewesen und wolle diese Stellung auch halten, sagte Habitat 76-Direktor Sébastien Métayer. Zum Beispiel mit einem der ersten kleinen Häuser, das in Frankreich auf einem 3D-Drucker hergestellt wird und das Habitat 76 im Juni der Öffentlichkeit vorstellen will. von Susanne Ehlerding

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