US-Anbieter punkten mit Sprachsteuerung

IFA: Smart-Home-Hersteller kämpfen gegen Misstrauen

IFA zeigt Innovationen in der Gebäudetechnik. © L. Meyer

Weil die Energiekosten immer weiter steigen, stellen sich Hausbesitzer zunehmend die Frage: Wie lassen sich unnötige Kosten einsparen? Großes Potenzial bietet das Smart Home, also miteinander vernetzte Geräte fürs intelligente Energiemanagement. Bei der noch bis Mittwoch geöffneten Internationalen Funkausstellung (IFA) in Berlin fahren Gerätehersteller deshalb mit den ganz großen Lösungen auf. Und die sind überraschend kompatibel. Ob das mehr Vertrauen in Smart-Home-Systeme schafft?

Der Elektronikhersteller LG zeigt zum ersten Mal öffentlich seine Anlange zum smarten Energiemanagement namens „ThinQ Home Energy Solution“. Zum Gesamtpaket gehören spezielle Photovoltaikmodule des Herstellers, eine Luft-Wasser-Wärmepumpe sowie ein Energiespeichersystem für überschüssige Solarenergie. Damit vereint LG, was bisher einzelne Geschäftseinheiten vertrieben haben. Das Besondere: Wie schon die Fernseher und Waschmaschinen des Herstellers lässt sich auch die Luft-Wasser-Wärmepumpe über LGs eigene Smartphone-App „ThinQ“ steuern – je nach Heizbedarf des Hausbesitzers.

Und auch Panasonic stellt die neueste Generation seiner vernetzten Luft-Wasser-Wärmepumpe vor. Ähnlich wie bei LG kann die Anlage hier mit einer Solaranlage auf dem Dach kombiniert werden. Damit schafft auch Panasonic ein Angebot für eine nachhaltige Energie- und Warmwasserversorgung, die sich mit dem Smartphone per Fernzugriff steuern lässt. Denn gleichzeitig bieten die Japaner eine Cloud-Anwendung, mit der Hausbewohner etwa von überall aus die Solltemperatur anpassen oder die Heizstatistiken auslesen können.

Zwar geben die Hersteller jeweils eigene Apps heraus. Die Zeiten, in denen die Anbieter ihre Systeme vor der Konkurrenz abschotten, scheinen aber langsam vorbei zu sein. Die Anlage von LG lässt sich etwa in die Smart-Home-Anwendungen von Google und Apple einbinden, so wie mittlerweile viele andere auch. Panasonic arbeitet unter anderem mit dem mittlerweile verbreiteten KNX-Standard. Über ein KNX-Bussystem lassen sich dann alle kompatiblen Geräte vernetzen.

Skepsis ist bei Smart Homes hoch

Das scheint auch notwendig, wenn Hersteller die Akzeptanz für ihre Geräte erhöhen wollen. Denn viele Hausbesitzer haben nach wie vor noch kein Interesse an Smart-Home-Technik. Das zeigen jedenfalls Umfragen wie etwa von der gemeinnützigen Beratungsgesellschaft „co2online“ für die Kampagne „Mein Klimaschutz“ des Bundesumweltministeriums. Mehr als ein Viertel (26 Prozent) aller Befragten wollen demnach noch gar keine Smart-Home-Geräte nutzen. „Die Umfragen zeigen, dass vielen Verbrauchern das Sparpotenzial durch Digitalisierung noch immer nicht bewusst ist“, sagt Tanja Loitz, Geschäftsführerin von co2online. „Vor allem beim Heizen können Smart-Home-Geräte helfen, die Kosten und den CO2-Ausstoß zu senken.“

Dafür müssen es nicht gleich die großen Anlagen von LG und Panasonic sein. Zahlreiche Hersteller bieten auch kleine Lösungen zum Nachrüsten an, darunter smarte Adapter für Heizkörper. Der Funktionsumfang variiert jedoch stark: Günstige Geräte lassen sich zumeist per Klick auf dem Smartphone steuern. Hochpreisige Komponenten bieten einen umfangreichen adaptiven Modus. Die Thermostate sind beispielsweise mit Sensoren an den Fenstern vernetzt oder prüfen anhand der Standortfunktion von Smartphones, ob die Bewohner noch im Haus sind, um die Heizleistung automatisch anzupassen.

Im August hat sich die Stiftung Warentest die smarten Heizkörperthermostate angeschaut. Zu den besten Geräten gehören die Steuerungselemente von Bosch, der Telekom und Homeatic IP. Testsieger und zugleich günstigster Anbieter war das Modell der Marke Fritz von AVM. Hier lagen die Kosten zur Umrüstung für einen Modellhaushalt bei 425 Euro. Der Heizkörperregler lässt sich per Smartphone steuern, außerdem können Hausbewohner ein Zeitprogramm einstellen. Für das erste Quartal 2020 hat AVM zudem eine neue Smart-Home-App angekündigt, die die Steuerung übersichtlicher gestalten soll. Bislang müssen Kunden die Fritz-Geräte über die bisherige App oder das Menü des Festnetztelefons anwählen.

Smarte Thermostate sind nach zwei Jahren rentabel

Mit smarten Thermostaten an Heizkörpern lassen sich bei 110 Quadratmetern Wohnfläche im Schnitt immerhin etwa 135 Euro pro Jahr sparen und 450 Kilogramm CO2 vermeiden.  Das zeigen Berechnungen des Bundesumweltministeriums. Um diese Menge CO2 zu kompensieren, wären 36 Bäume nötig. Der Wechsel von herkömmlichen zu smarten Thermostaten kann sich bei durchschnittlichen Anschaffungspreisen innerhalb von zwei Jahren rentieren.

Sorgen macht vielen Verbrauchern aber der Datenschutz und die Sicherheit. Unternehmen könnten nicht nur wertvolle Daten zum gesamten Lebensstil der Hausbewohner sammeln und womöglich verkaufen. Weil die Geräte miteinander vernetzt sind, lässt sich sensible Infrastruktur wie die Energieversorgung des Hauses theoretisch auch von außen angreifen. Die Hersteller wissen das – und versuchen die Sicherheitsrisiken zu minimieren. Beim österreichischen Anbieter von Gesamtlösungen, Loxone, steuert etwa ein zentraler Miniserver im Haus die Beschattung und Heizungssteuerung. Smartphone und Tablet kommunizieren ausschließlich mit dem zentralen Gerät, auch die anfallenden Daten werden auf dem Miniserver gespeichert und nicht in einer Cloud abgelegt. Das gilt aber nur solange, wie keine Geräte oder Anwendungen von externen Anbietern eingebunden werden. Kompatibilität und Sicherheit: Das lässt sich derzeit nur schwer vereinbaren.

Tech-Konzerne punkten mit Sprachsteuerung

Vor allem an den Großen scheint es langfristig kaum ein Vorbeikommen zu geben. US-Konzerne wie Google, Apple und Amazon bieten mittlerweile eine eigene App an, die wiederum die Funktionen einiger Hersteller-Apps und deren Geräte bündeln. Die Luft-Wasser-Wärmepumpen von LG und Panasonic lassen sich ebenso einbinden wie zahlreiche Lösungen zum Nachrüsten. Apples Home Kit akzeptiert heute mehr als 30 verschiedene Thermostate und fünf Jalousiemodelle. Ähnlich viele Geräte zur Energiesteuerung unterstützt auch Amazon. Und Google Home ist derzeit mit mehr als zehn Anwendungen anderer Anbieter kompatibel.

Der Grund für die Bereitschaft der Hersteller, sich gegenüber den US-Firmen zu öffnen, dürfte vor allem in der Spracherkennung liegen. Denn Tech-Konzerne wie Google, Apple und Amazon haben es mit ihren Sprachboxen bereits in zahlreiche Wohnzimmer geschafft. Lassen sich externe Smarthome-Geräte auch per Sprachbefehl steuern, haben Hersteller schließlich ein weiteres Verkaufsargument. von Laurin Meyer

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Kommentare (1)

  1. herbert stapff
    3 weeks ago
    Hallo Herr Meyer,
    das Hauptthema Ihres Artikels ist die Skepsis der Hausbesitzer, das System einzubauen. Warum wohl? Lesen Sie bitte Ihren eigenen Artikel mal durch: Er ist von Anglizismen, Fachausdrücken usw. gespickt. Ich gehe hier in Abwehrhaltung, weil ich die Texte nicht verstehe und es leid bin, erst Wörterbücher wälzen zu müssen. Ich bin mittlerweile 67 und seit fast 25 Jahren erfolgreicher Energieberater, aber ich kann heute noch kein Englisch und werde es auch nicht mehr lernen.

    Weiter: Wer alte Häuser kauft und saniert, ist meist noch relativ jung. Von Ausnahmen abgesehen hat keine junge Familie genug Geld, diese neuen und zugegebenermaßen sehr teuren Techniken einzusetzen.
    Weiter: Wer in einem alten Haus wohnt und dieses im zunehmenden Alter saniert, setzt diese Technik ebenfalls nicht ein, weil er sie nicht versteht. Wer versteht denn solche Bezeichnungen „ThinQ Home Energy Solution“, "KNX-Standard", "KNX-Bussystem", "LG-Steuerung", o. ä.? Die Haussteuerung über Smartphone bleibt noch lange die Ausnahme, so lange diese Systeme nicht verständlich auf Deutsch dargfestellt werden.

    Ich war natürlich auch auf der ISH, aber ich komme mir dort abgehängt vor. Meine Generation Silberlocke investiert in ihre Häuser, sie hat Geld dafür, sie will sie aufs Alter vorbereiten. Aber sie baut nichts ein, was kompliziert ist und nicht verstanden wird. Meine Kunden Silberlocke kommen zu mir, weil sie mit der Technik der jungen Kollegen nicht klarkommen.

    Vielleicht sollten die Firmen mal darüber nachdenken, wo in Deutschland das Geld sitzt, wer investiert, wer investieren kann und will.

    Grüße
    Herbert Stapff

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