Berliner Planer gibt legale Tipps für die gute alte Strahlungsheizung

Holzöfen kann man trotz EnEV noch bauen

Dag Schaffarczyk sagt: "Eigentlich ist energieeffizientes Bauen nichts weiter als ein Reduzieren." © Alexander Morhart

Liebhaber von Holz- und Kaminöfen kommen schnell mit der Energieeinsparverordnung oder dem Immissionsschutz in Konflikt. Der Planer Dag Schaffarczyk zeigte in Berlin Sonderwege, um solche Öfen manchmal dennoch bauen zu können und plädierte für das Prinzip der Strahlungsheizung.

"Öko" ist für den Tischler und Architekten kein Schimpfwort, sondern ironisierende Selbstbeschreibung. Seit 25 Jahren plant und saniert er mit seinem Unternehmen "Spreeplan Projekt" Bauten mit dem Anspruch der – auch energetischen – Nachhaltigkeit. Nicht selten haben seine Kunden Wünsche, für die er Schleichwege um Verordnungen herum zu finden versucht; zum Beispiel, um einen Kaminofen in eine Zentralheizung einzubinden.

Schaffarczyk: "Wenn ich nach EnEV arbeite – was wir fast nie machen –, muss ich den Wärmebedarf, den Energieverbrauch und so weiter rechnerisch nachweisen, mit dafür zugelassenen Programmen." Und Kaminöfen seien "für die Berechnungsprogramme nicht existent." In einem konkreten Fall half der Kunstgriff, das zu beheizende Gebäude als Kulturgut zu sehen, denn dafür macht die Energieeinsparverordnung Ausnahmen. Üblicherweise kommt zwar die Denkmalbehörde auf den Eigentümer zu und stellt dessen Haus unter Schutz. Aber es geht auch andersherum, berichtete der Planer in seinem Vortrag beim Aktionskreis Energie:

"Wir haben einfach einen Antrag gestellt, dass das Gebäude in die Denkmalschutzliste aufgenommen wird. Die meisten Denkmalschützer freuen sich darüber! Wir sind damit aus dem ganzen Zeug raus, dann können wir machen, was wir wollen." Und was Schaffarczyk will, sind eher einfache Systeme. Die EnEV führe fast immer zu übertechnisierten Gebäuden. Nach seiner Philosophie dagegen ist "eigentlich ein energieeffizientes Bauen nichts weiter als ein Reduzieren". Eines seiner Projekte in der Uckermark, auf das er mehrmals zu sprechen kam, wird ausschließlich von einem großen Scheitholzofen beheizt. Sinnvoll könnten allenfalls ein Pufferspeicher und zusätzlich Solarkollektoren sein. Schon ein Gaskessel dazu mache das Ganze zu aufwendig.

Strahlungswärme ist besser als Luftzirkulation

Ein geeigneter Ofen zentral im Haus – am besten eingemauert in eine speicherfähige, massive Lehmwand – beheize Räume hauptsächlich durch Strahlungswärme. Darin sieht der Planer einen fundamentalen Qualitätsunterschied zum Heizen mit erwärmter Luft aus einem Konvektionsheizkörper. Dieses führe nämlich zu unangenehmen Temperaturunterschieden von bis zu zehn Grad im Zimmer; damit zu kalten Füßen und heißem Kopf.

Luftzirkulation sei "der falscheste Weg" zu heizen, zumal dadurch der menschliche Körper sogar auskühle, gefühlt wie auch real. Begleiterscheinungen seien eine Staubbelastung, trockene Luft und Atemwegserkrankungen. Wenn ein Raum in einem Altbau schon nicht direkt mit der Strahlungswärme des Ofens beheizbar sei, dann seien für das Übertragen alte, massive Heizkörper ("ich versuche die immer drin zu lassen") mit relativ hohem Strahlungsanteil wenigstens besser als der leichte Konvektionstyp, der zeitweise viel verbaut worden sei.

Für das Wohlbefinden am besten seien jedoch Flächenheizungen: die Fußbodenheizung, vor allem aber das Beheizen über Decke und Wandflächen. Da reiche schon eine viel geringere Vorlauftemperatur. Schaffarczyk berichtete von der Teilsanierung eines Objekts, Baujahr 1911, mit einem großen vorhandenen Heizsystem fürs Gesamtgebäude. Hier hätten die 35 bis 40 Grad im Heizungsrücklauf gereicht, um über drei Plattenwärmetauscher die Decke zu heizen. "Das machen wir ganz häufig, wenn wir in Bestandsimmobilien arbeiten, wo wir einzelne Teile sanieren."

Unter anderem um Gewicht einzusparen habe er bei dieser Decke Strohpaneele verwendet. Die Wärme werde durch destilliertes Wasser in nur 3 Millimeter dicken Kapillarrohren übertragen. Für Wände gebe es Lehmbauplatten als Fertigelemente mit integrierten Rohren: "Lehmputz drüber und fertig; wenn wir mehr Zeit haben, dann wird es einfach von Hand verlegt; das ist fast das Gleiche wie bei einer Fußbodenheizung." Das einzige echte Problem dabei sei, dass man vorher genau überlegen müsse, wo Leuchten und Wandbilder angebracht werden sollen.

BImSchV-Ausnahme soll den individuellen Feuerplatz retten

Für jedes Haus versucht Dag Schaffarczyk zusammen mit einem Ofenbauer den passenden Feuerplatz zu entwerfen. "Der gute Ofenbauer baut immer individuell." Die Novellierung der Bundes-Immissionsschutzverordnung (BImSchV) vor etwa einem Jahr habe jedoch "komplett eine jahrhundertealte Berufgruppe zerstört; und zwar die der Ofenbauer und Kaminbauer." Denn jetzt dürften nur noch Brennkammern mit einer Zulassung eingebaut werden; die koste aktuell in Deutschland ungefähr zwischen 30.000 und 40.000 Euro und habe eine Wartezeit von drei Jahren.

Das sei ein Paradebeispiel für eine exzellente Lobbyarbeit von Herstellern, die massenweise ihre Brennkammern an Baumärkte oder in ihren eigenen Ketten verkauften: "Denen ist das egal, ob das 30.000 Euro kostet", denn ihnen reiche eine einmalige Bauartzulassung pro Typ – "und der Ofenbauer wird degradiert zum Verkäufer und zum Maurer."

Doch auch für dieses Problem habe man nach langem Nachdenken eine Lösung gefunden. "In der BImSchV steht nämlich eine Ausnahme drin: dass alle Brennkammern zugelassen wären, mit denen man Lebensmittel erzeugen kann. Dafür reichen zwei Nuten am Rand der Brennkammer, in die ich ein Blech einschieben kann!" Verblüffend einfach, jedenfalls wenn der Schornsteinfeger mitspielt. Aber kann man damit rechnen?

Das hat EnBauSa Mario Schürner gefragt, seit fast 30 Jahren in Thüringen als Schornsteinfeger tätig und aktiv im "Verband der Ofenbauer, Schornsteinfeger, Schornsteinbauer" (VOSS). Er bestätigt zwar, es gebe gemäß § 1 der 1. BImSchV, Absatz 2b eine Ausnahme für "Feuerungsanlagen, die dazu bestimmt sind, Speisen durch unmittelbare Berührung mit heißen Abgasen zu backen oder in ähnlicher Weise zuzubereiten".

Ob eine solche Anlage dann aber wirklich abgenommen wird, hänge vom Schornsteinfeger ab. Schürner: "Wenn das einer ist, der die Vorschriften gut kennt und korrekt anwendet, will dieser die Nachweise haben. Ein Schornsteinfeger als Bevollmächtigter hat Behördenstatus und müsste sich zeigen lassen, dass dieser Ofen zur Lebensmittelherstellung bestimmt und daher nicht zum Beheizen von Wohnräumen geeignet ist." Eine weitere Frage sei, ob der Ofenbauer überhaupt die Berechtigung habe, solche Öfen zu bauen.

Auch werde dem Ofenbauer nicht vorgeschrieben, fertige Brennräume einzubauen: "Wenn er eine Feinstaubreduktionsanlage oder eine andere Filtertechnik einbaut, so dass die Grenzwerte nachweislich der BImSchV über die Feststellung einer Messung eines Schornsteinfegers eingehalten werden, kann er auch den Brennraum individuell bauen. Er geht dann eben ins finanzielle Risiko, falls die Messung nicht zum erwünschten Ergebnis führt." Aus seiner persönlichen Meinung zur Umgehungstaktik mit dem Backofen-Kniff macht Schürner kein Geheimnis: "Wenn jeder machen würde, was er will, bräuchten wir keine Normen."

Holzvergaserofen senkt den Holzbedarf auf ein Drittel

Auch auf die Verbrennungs- und die Schornsteintechnik ging der Planer ausführlich ein. Es gebe mittlerweile in Europa fünf Hersteller, deren Öfen ohne zusätzliche Ventilatoren, nur mit einer bestimmten Sekundärluftregelung, auch das austretende Holzgas verbrennen könnten. In diesem Gas, das normalerweise unverbrannt durch den Schornstein gehe, steckten etwa zwei Drittel der Energie. Statt 300 bis 400 Grad komme ein solcher Holzvergaserofen auf Temperaturen von 1100 bis 1200 Grad und auf einen Wirkungsgrad von echten 80 oder 90 Prozent.

Solche effizienten Öfen habe der italienische Hersteller Wallnöfer schon seit fast 20 Jahren im Angebot; weitere Anbieter hätten ihren Sitz in Südtirol, der Schweiz und Finnland. Auch einen deutschen gebe es inzwischen. "Ich brauche ein Drittel des Holzes, um die gleiche Energieausbeute zu haben", begeisterte sich der Planer. Für eine voll genutzte 120-Quadratmeter-Wohnung könne ein Raummeter Holz im Jahr reichen, nannte er als Anhaltswert.

Aber was ist mit dem Problem Schadstoffe – und bringt die Vergasertechnik auch hier eine Verbesserung? Volker Lenz vom Deutschen Biomasseforschungszentrum Leipzig gibt eine Einschätzung: "Holzfeuerungen sind grundsätzlich immer mit dem Risiko erhöhter Feinstaubemissionen verbunden", sagt der Experte. "Sie haben eine Emissionsspitze während der Anzündphase. Da sind der Ofen und die Luft kalt." In der mittleren Haupt-Abbrandphase seien die Emissionen niedrig – "aber nur, wenn der Nutzer keine Fehler bei der Luftzufuhr oder vorher schon beim übertriebenen Vollpacken mit Holz oder gar mit unzulässigen Brennstoffen macht."

Der Vorteil beim Holzvergaserofen sei nun, dass er gegenüber zu starkem Vollpacken und zu feuchtem Holz toleranter sei, also weniger Schadstoffe emittiere. "Auch bestimmte Zersetzungsstoffe wie zum Beispiel Teer werden sauberer verbrannt, und es gibt weniger mineralische Feinstaubprodukte." Die richtige Technik kann also durchaus auch die Luftbelastung verringern.

Schornstein mit Zuluft

Auch für das Problem der mangelnden Zuluft in den absolut dichten Häusern von heute (Stichwort Blower-Door-Test) hat Schaffarczyk eine Lösung gefunden, freilich eine teure. Den Schornstein als Eingang für die Verbrennungsluft. Unter der Vorgabe der Dichtigkeit sei ein System sinnvoll, wo die Zuluft durch den Schornstein hereinkommt und die Abluft durch den Schornstein herausgeht. Allerdings: "Eine Schornsteinanlage, wo ich mindestens zwei Feuerstellen anschließen kann, kostet mittlerweile 4000 bis 6000 Euro." Ein gemauerter Schornstein koste ein Viertel.

Alle drei Fachleute sind sich aber über den Nutzen eines Schornstein mit eigener Zuluft im luftdichten Haus einig, wo er keine Zuluft aus dem Wohnraum bekommen kann. Biomasseforscher Lenz: "Wenn sie einen Kaminofen in ein Haus mit kontrollierter Lüftung einbauen, wo sie bei abluftgesteuerten Systemen einen gewissen Unterdruck im Raum haben, würde ein Ofen ohne eigene Zuluft unter Umständen gefährliche Schadgase, zum Beispiel Kohlenstoffmonoxid, in den Innenraum entlassen." Von Alexander Morhart 

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