Der Anteil modulierender Wärmepumpen wird wachsen

"Garantie für Jahresarbeitszahl kann es nicht geben"

Martin Sabel ist seit kurzem Geschäftsführer des Bundesverbands Wärmepumpe. Er steht vor spannenden Herausforderungen. Im Neubau ist die Anpassung an unterschiedliche Wärmebedarfe eine Herausforderung. Im Gebäudebestand machen im Moment die immer noch niedrigen Ölpreise den Umstieg auf Wärmepumpen im Gebäudebestand wirtschaftlich unattraktiv, häufig wird alt gegen neu getauscht und es erfolgt kein Umstieg auf andere Wärmeerzeuger. Im Gespräch mit Pia Grund-Ludwig, Chefredakteurin von EnBauSa.de, erklärt Sabel, wo er Potentiale sieht und wie die Branche die Herausforderungen annimmt.

Herr Sabel, wo sehen Sie noch technologisches Potential zur Optimierung von Wärmepumpen?

Ein Thema sind modulierende Wärmepumpen, ihr Marktanteil wird wachsen. Das gilt nicht nur für Luftwärmepumpen, sondern auch bei erdgekoppelten Systemen. Modulierende Wärmepumpen überzeugen mit einer besseren Effizienz und höheren Lebensdauer. Weitere wichtige Themen sind die Schaffung einheitlicher Standards, weg von der Einzellösung hin zu Baukastensystemen, Einbindung ins Smart Grid, Vernetzung und Kommunikation der Geräte untereinander. Es geht dabei nicht nur um die Rückkoppelung mit dem Stromnetz, sondern zunehmend auch um die optimale Nutzung von PV-Erträgen vom Dach.

Auch die EU gibt der Branche ja Hausaufgaben mit...

Ein Thema, das im Moment auf der Agenda der Hersteller steht, sind Kältemittel. Es gibt Bestrebungen, aus den bislang verwendeten Produkten auszusteigen, hin zu natürlichen Kältemitteln. Langfristig schreibt die EU vor, die derzeit verwendeten Kältemittel zu ersetzen. Die Ersatzprodukte müssen aber die gleiche Leistungsfähigkeit bei verbesserten Klimakennwerten haben. Das ist nicht trivial.

Welche Ansatzpunkte gibt es, bei Installation und Auslegung die avisierten Jahreszahlen auch wirklich zu erreichen?

Grundsätzlich muss man verstehen, dass sich berechnete und gemessene Jahreszahlen unterscheiden können. Die persönliche Wohlfühltemperatur, der Anteil Warmwasser und das Lüftungsverhalten beeinflussen die Jahresarbeitszahl. Zudem kann sie auf unterschiedliche Art und Weise berechnet werden, zum Beispiel mit unterschiedlichen Bilanzgrenzen. Auch kommt es immer noch zu Verwechslungen mit dem COP-Wert. Der Fachhandwerker hat keinen Einfluss auf das Nutzerverhalten, deswegen kann er auch keine Garantie auf die JAZ geben.

Nichtsdestotrotz muss die berechnete JAZ dem Verbraucher einen Anhaltspunkt liefern über seine zu erwartenden Verbräuche...

Wir haben dazu als Richtlinie die VDI 4645 zur Planung und Dimensionierung Diese Norm kann für mehr Qualität bei der Installation und Auslegung sorgen. Dazu gehört aber auch eine entsprechende Schulung des Handwerks, damit die Installation entsprechend dem Stand der Technik erfolgt. Der Bundesverband Wärmepumpe erarbeitet dazu zusammen mit der Industrie ein entsprechendes Schulungskonzept.

Auf dem Wärmepumpenforum in Berlin war die bessere Anpassung Wärmepumpe an solare Erträge ein spannendes Thema, wo sehen Sie Herausforderungen und Lösungen?

Bei der besseren Abstimmung auf PV-Erträge geht es um Eigenverbrauchsoptimierung, dazu gibt es auch eine Reihe von Forschungsprojekten, die untersuchen, wie man Solarthermie, PV und Wärmepumpen noch optimaler kombinieren kann. Viele Hersteller haben das bereits im Angebot. Ich gehe auch davon aus, dass das Auslaufen der Einspeisevergütung bei dem einen oder anderen Hausbesitzer dazu führt, dass er andere Verwendungsmöglichkeiten für Solarstrom sucht. Die Verbräuche von Haushaltsgeräten und Beleuchtung sind gering, die Wärmepumpe hingegen schafft einen hohen Anteil.

Auch die Entwicklung des Markts für Stromspeicher wird hier eine Rolle spielen. Wo sind bei der Koppelung von Wärmepumpen und anderen Erneuerbaren noch Potentiale, die kostengünstig zu heben sind?

Die Wirtschaftlichkeit ist ein Fragezeichen bei der Koppelung unterschiedlicher Systeme, vor allem bei den Investitionskosten. Aus meiner Sicht bietet das Konzept der „kalten Nahwärme“ interessante Möglichkeiten, um erneuerbare Wärme zentral, zum Beispiel über ein Erdsondenfeld für mehrere Haushalte, zu erschließen. In dieses Wärmenetz lassen sich weitere Erneuerbare Anlagen, aber auch Abwärme aus industriellen Prozessen oder aus dem Gewerbe einbinden.

Wie hoch schätzen Sie die Marktpotentiale bei der Nutzung von Wärmepumpen zur reinen Brauchwassererwärmung?

Wir sehen ein großes Potential für Brauchwasserwärmepumpen, sie lassen sich mit vielen Systemen kombinieren z.B: mit einer Gasheizung oder anderen Bestandsheizungen. Das ist als Einstiegslösung neben einem bestehenden System attraktiv. Im Sommer kann man in Kombination mit einer Photovoltaikanlage so komplett auf fossile Energie verzichten.

Ein Hindernis für Wärmepumpen sind die hohen Strompreise und die Abgabenbelastung auf Strom. Wie schätzen Sie die Chancen ein, noch vor der Bundeswahl etwas in Bewegung zu bringen?

Die Signale sind positiv, die Politik hat erkannt, dass die hohen Abgaben auf Strom ein Hindernis sind. Wir brauchen aber den Strom aus Erneuerbaren im Wärmemarkt, um fossile Heizungen zu ersetzen. Es liegen diverse Lösungsvorschläge zur Bepreisung von CO2 auf dem Tisch. Denn letztendlich geht es bei der Klimadebatte um das Thema CO2, das ist ein Schadstoff, dessen schädigende Wirkung nicht eingepreist wird. Es wäre auch eine Möglichkeit, Förderprogramme zu vereinfachen, wenn man sich an der Leitgröße CO2-Reduktion orientiert. Es ist also bereits Bewegung in dem Thema, aber zu einer Lösung wird es vor der Wahl wohl nicht mehr kommen.

In der Sanierung finden Wärmepumpen bislang kaum Akzeptanz. Wie kann sich das ändern?

Es spielen zwei Dinge eine Rolle: der Strompreis, der eine große Barriere ist, aber auch Aufklärung zu den Einsatzfeldern. Zum Beispiel hält sich der Irrglaube, dass Wärmepumpen nur in Kombination mit einer Fußbodenheizung effizient arbeiten. Diese Aufklärung muss gegenüber Handwerkern, aber auch gegenüber Bauherren erfolgen.

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