Zahlen des BDH sind nur bedingt tauglich

EWärmeG: "Blick auf Heizungstausch ist zu eng"

Pelletheizungen profitieren vom EWärme-Gesetz. © Fröling

Gegen die Aussage des BDH, des Bundesverbands der Heizungsindustrie, dass das Baden-Württemberger Erneuerbare-Wärme-Gesetz (EWärmeG) keine Verbesserungen bringe und die Heizungsmodernisierung behindere regt sich heftiger Widerspruch. Das hat Auswirkungen, die über Baden-Württemberg hinausgehen. Beim derzeit diskutierten Gebäudeenergiegesetz gibt es immer wieder Forderungen, auch den Gebäudebestand einzubeziehen.

Der BDH mache Lobbyarbeit gegen das EWärmeG, erklärte Baden-Württembergs Umweltminister Franz Untersteller. Um belastbare Aussagen zu treffen, brauche es eine vernünftige Evaluation, die habe das Ministerium gerade in Auftrag gegeben. Bevor die fertig sei, sei Kritik vor allem Stimmungsmache. Untersteller forderte außerdem eine bundesweite Regelung, um die Sanierung im Bestand voranzubringen. Das sei das Ziel, das EWärmeG sei dazu nur ein mögliches Instrument.

Volker Kienzlen von der Klima- und Energieagentur Baden-Württemberg kritisiert, dass bereits in der Vergangenheit die Zahlen des BDH, mit denen der Verband einen Rückgang der Sanierungsquote im Südweststaat belegen wollte, der Überprüfung nicht standgehalten hätten. So seien auch die jetzt vorgelegten Zahlen nur bedingt tauglich. Der BDH moniert in einem Modernisierungsindex eine unterdurchschnittliche Rate für Baden-Württemberg.

Die Sicht auf den Heizungstausch sei zu eng, da das EWärmeG nicht zum Heizungstausch anregen, sondern hochwertige Sanierungen anstoßen wolle. Viele Maßnahmen, die laut Gesetz möglich seien, würden nicht abgebildet. So fehlt in der Betrachtung der komplette Bereich Fernwärme. Da gebe es einen deutlichen Zuwachs. Auch KWK oder PV-Installation fehlten in der Betrachtung, ebenso wie Maßnahmen an der Gebäudehülle, moniert Kienzlen.

Der KEA-Chef bemängelt auch die weitgehend normierte Darstellung der Zahlen durch den BDH, die eine Bewertung nahezu unmöglich mache. Ulf Sieberg vom Bundesverband Erneuerbare Energie ist in seinem Urteil zu den Zahlen des BDH deutlich schärfer. Der Vorwurf, dass das EWärmeG zum Modernisierungsstau führe sei "Quatsch". Ziel des Gesetzes sei es nicht, den Heizungstausch zu beschleunigen, sondern die Eigentümer dazu anzuhalten, den Heizungstausch zu nutzen, um zukunftsgerichtete Technik einzusetzen oder eine weitergehende energetische Gebäudesanierung anzugehen. Dass weniger Gas- und Ölheizungen installiert würden, läge in der Natur der Sache.

Bei Zahlen zu Erneuerbaren weisen Kienzlen und Sieberg auf Ungenauigkeiten bei den bislang vom BDH vorgelegten Daten hin. So fasst der BDH bei Solarthermie-Installationen Neubau und Sanierung zusammen. Damit sind aber keine Aussagen zu den Auswirkungen des EWärmeG möglich, das sich nur auf den Bestand bezieht.

Der Solaratlas, der vom Bundesverband Solarwirtschaft herausgegegeben wird, wertet vom Bafa geförderte Anlagen nach Bundesländern aus. Die Mehrzahl davon dürfte aufgrund der Förderkonditionen im Bestand sein. Baden-Württemberg hatte in den fünf Jahren vor Inkrafttreten des EWärmeG einen Anteil von 19,7 Prozent an den bundesweit geförderten Solarthermie-Anlagen. Während der ersten geltenden Fassung des Gesetzes ab Juni 2010 waren es 21,4 Prozent, mittlerweile seit der 1. Novelle Mitte 2015 sind es 23,5 Prozent. Der Anteil Baden-Württembergs hat sich alsor nicht verringert, sondern erhöht. Wichtig zu wissen ist aber, dass es bei Solarthermie bundesweit in den vergangenen Jahren einen Marktrückgang gab. Für eine Bewertung der Auswirkungen des EWärmeG taugen die Zahlen auch deshalb nur bedingt. Außerdem haben sich die Förderkonditionen mehrfach geändert, das hat hohen Einfluss auf die Antragstellung.

Bei Holz-Zentralheizungen sieht auch der BDH eine Zunahme. Wachsende Relevanz konstatiert auch der Deutsche Energieholz- und Pellet-Verband DEPV bei Pellet-Heizungen. Der bundesweite Anteil Baden-Württembergs am Markt für Pelletheizungen sei seit Wirken des EWärmeG - gegenüber den fünf Jahren vor Inkrafttreten - um über 4 Prozentpunkte angestiegen, bei Hackschnitzelheizungen um mehr als 4,5 Prozentpunkte.

Bei Wärmepumpen arbeitet der BDH mit einem Modernisierungsindex. Dabei lässt sich aus dem bisher vorgelegten Zahlen nicht erkennen, ob es bei den Zahlen des BDH um installierte oder um geförderte Anlagen geht. Der Bundesverband Wärmepumpe hat zum EWärmeG keine Position formuliert. Über die Bafa-Förderung ein Bild vom Zustand vor Inkrafttreten des Gesetzes zu bekommen ist nicht möglich, da es erst ab 2008 eine Förderung gibt. Der Anteil Baden-Württembergs an den Förderanträgen ist aber ebenfalls gestiegen, allerdings fließen hier Neubau und Sanierung zusammen, und im Neubau spielen Wärmepumpen eine viel größere Rolle als in der Sanierung. Außerdem hat sich der Anteil der Wärmepumpen an den Bafa-Anträgen bundesweit deutlich erhöht, das macht eine Bewertung der Frage, ob das EWärmeG eine Rolle spielt deutlich schwerer. Das es in dem Gesetz zudem um Energieeinsparung und nicht allein um Heizungstausch geht ist eine Bewertung derzeit noch schwerer. Von Pia Grund-Ludwig

Eine Verwendung dieses Textes ist kostenpflichtig. Eine Lizenzierung ist möglich.
Bitte nehmen Sie bei Fragen Kontakt auf.

Kommentare (0)

Keine Kommentare gefunden!

Neuen Kommentar schreiben

(wird nicht veröffentlicht)

Bitte tragen Sie hier die im Bild dargestellte Zeichenfolge ("Captcha") ein.
Dies dient der Vermeidung von Spam.

CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz Wenn Sie das Wort nicht lesen können, bitte hier klicken.