Kombinationen für die Wärmewende beim HEA-Kongress vorgestellt

Tank versöhnt Solarthermie mit Wärmepumpe

Stefan Kapferer vom BDEW sieht keine baldige Umrüstung hin zu strombasierten Heizungssystemen im Bestand. © Alexander Morhart

Über die Geschwindigkeit der Wärmewende und das Potenzial von verschiedenen Technologien gab es beim HEA-Marktpartnerkongress der Energiewirtschaft unterschiedliche Prognosen. Besonders bei der Frage, wie viel Elektrifizierung sinnvoll und realistisch ist, gingen die Ansichten auseinander.

Während beim Forum neue Energiewelt Mitte November in Berlin und beim Forum Wärmepumpe vergangene Woche die optimistische Sicht der Ingenieure dominierte, waren beim HEA-Kongress, ebenfalls in Berlin, auch andere Töne zu hören. In der HEA-Fachgemeinschaft sind sowohl der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft BDEW vertreten als auch das Elektrohandwerk und die Geräteindustrie.

BDEW-Chef Stefan Kapferer durfte gleich als erster nach der HEA-Vorsitzenden Ute Römer reden und hielt mit seiner Skepsis gegenüber einer baldigen Umrüstung in Richtung von strombasierten Heizungssystemen nicht hinter dem Berg. Wärmepumpe oder Brennstoffzelle seien im Neubau in vielen Fällen "möglicherweise" ein attraktives Angebot – "aber im Bestand? In einer Großstadt wie Berlin, in einer Großstadt wie Hannover, Düsseldorf, Stuttgart?" Da glaube er nicht an groß angelegte Initiativen in den nächsten Jahren.

Eine neue Bundesregierung, sagte Kapferer, solle sich von der Hoffnung, es ließe sich alles über Ordnungsrecht regeln, verabschieden, und warnte vor "einer Art diktatorischem System". Notwendig seien kleinteilige Maßnahmen wie das Förderprogramm für elektronisch gesteuerte elektrische Durchlauferhitzer. Auch den geförderten Austausch von alten gegen moderne Gasheizungen hält Kapferer für sinnvoll. Im Wärmemarkt seien schon "große Fortschritte" erzielt worden. Dass Deutschland das 40-Prozent-Ziel der CO2-Minderung bis 2020 nicht schaffen werde, liege nicht am Wärmemarkt und auch nicht an der Energiewirtschaft: "Es liegt am Verkehrssektor."

BHKW-Strom speist Wärmepumpe

Matthias Goebel, Leiter Objektmanagement Deutschland bei Stiebel Eltron, sieht dagegen mit neuen planerischen Ansätzen durchaus weiteres Potenzial auch im Gebäudebestand von großen Städten. Als er seine Beispielprojekte vorstellte, hatte Stefan Kapferer den Kongress allerdings schon verlassen. Goebels nach eigenem Bekunden wichtigstes Vorzeigebeispiel ist eine einfache Wärmerückgewinnung aus Abluft mit Wärmepumpen. Beim Hamburger Wohnungsriesen SAGA ist das bereits verwirklicht, und Planungen in Frankfurt und München laufen.

Wie bei einem klassischen Abluftsystem wird Wohnraumluft aus innenliegenden Bädern abgesaugt. Bevor die Luft jedoch ins Freie geht, entzieht man ihr mit Wärmepumpen eine Energiemenge für den Warmwasserspeicher, die laut Goebel sieben bis zehn Prozent der gesamten Heizenergie des Gebäudes entspricht. Wenn die Anlage im Keller Platz habe, lägen die Mehrkosten zu einem klassischen System bei nur zehn Prozent. Als weiteren Ansatz nannte Matthias Goebel, den Strom aus Blockheizkraftwerken (BHKW) nicht ins Netz zu schicken, sondern eine Wärmepumpe damit zu betreiben. Das ist zwar nicht neu, könnte aber nach der großmaßstäblichen Verwirklichung im rekonstruierten Berliner Schloss mit einer 600-Kilowatt-Wärmepumpe mehr Nachahmer finden als bisher.

"Wir machen die Erde warm"

Der Star des HEA-Kongresses war jedoch Axel Popp, Geschäftsführer von Deematrix Energiesysteme. Sein nach unten offener Erdwärmespeicher mit der irreführenden Bezeichnung "eTank" ist das Herzstück eines Systems, das die Wärmepumpe mit der Solarenergie versöhnt. Das Beispiel einer energetischen Sanierung der Wohnungsbaugenossenschaft Märkische Scholle in Berlin-Lichterfelde fand auch beim Forum Wärmepumpe mit einem Vortrag Beachtung.

"Wir machen die Erde warm, sorgen dafür, dass sie warm bleibt, und holen uns die Wärme später wieder, wenn wir sie brauchen", beschrieb Popp das Konzept. "Erde" ist hier ein mit Kunststoffrohren durchzogener, nach oben und zu den Seiten hin gedämmter Bereich von 1,50 Metern Tiefe, für den neben vorhandenen Gebäuden Platz sein muss. Popp: "Wenn Grundstücksgrenze gleich Gebäudegrenze, können wir leider nicht weiterhelfen. Dann muss man halt ein anderes System nehmen." Im Neubau kommt der Erdspeicher direkt unter die Bodenplatte.

Jahresarbeitszahl bis zu 7

Die Quelltemperatur für die Solewärmepumpe, die dem Erdspeicher die Wärme fürs Beheizen und die Trinkwassererwärmung des Hauses entzieht, werde im Jahresschnitt um sieben bis zehn Kelvin angehoben, sagte Popp. "Und dann ist eben auch eine gemessene Jahresarbeitszahl zwischen 5 und 7 tatsächlich machbar."

Taco Holthuizen, der verantwortliche Planer für "Märkische Scholle", nannte beim Forum Wärmepumpe für dieses Projekt eine Jahresarbeitszahl von 6 und einen Primärenergiebedarf von knapp 13 Kilowattstunden pro Quadratmeter Wohnfläche und Jahr – und das bei einem KfW-85-Dämmstandard. Die Wärmequelle fürs Regenerieren des Erdspeichers könne Solarthermie sein, aber auch Prozesswärme aus einem BHKW oder Industriebetrieb, aus einem Fernwärme-Rücklauf oder aus der Abluft.

Die monatlichen Wärmeversorgungskosten, sagte Popp, würden beim Beispielprojekt Märkische Scholle von 1,50 Euro auf 31 Cent pro Quadratmeter Wohnfläche gesenkt. Hier sei auch eine Photovoltaikanlage und eine Wärmerückgewinnung aus der Abluft Teil des Systems. Weitere Daten sind nach der Fertigstellung des zweiten Bauabschnitts im kommenden Jahr zu erwarten. von Alexander Morhart

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