Sonnenhaus in der Oberpfalz

Echt energieautark gebaut

Haus Jezussek mit Röhrenkollektoren an der Fassade und Photovoltaik auf dem Dach. © Stefan Schön

Das Haus der Familie Jezussek in der Oberpfalz ist aus leichtem Holz konstruiert. Lehm als Putz und in der Dämmung speichert die Wärme. Mit Wandheizflächen, Holzofen, Solarthermie, Photovoltaik und Speicherbatterie erreicht das baubiologisch konsequente Projekt eine weitgehend echte Autarkie und maximalen Umweltschutz.

Stefan Schön plant energieeffiziente und wohngesunde Immobilien. Als Baubiologe sowie baubiologisch- und KfW-zertifizierter Energieberater kennt er die Stellschrauben für echte Energieautarkie. "Die großen Anforderungen liegen beim Wohnen in erster Linie bei der Wärme", sagt er. Für Familie Jezussek baute er schon 2013 ein auf baubiologische "Wohnwärme" optimiertes KfW-40-Haus.

Ursprünglich wollte die Baufamilie ein Passivhaus. Doch nachdem sie einen Vortrag von Schön gehört hatte, entschied sie sich für ein sogenanntes Sonnenhaus. Mit in Lehm eingeputzten Wandheizflächen, Solarthermie, großem Pufferspeicher, Photovoltaik und Speicherbatterie sowie Holzofen im Keller zum Nachheizen erreicht das Gebäude weitgehende Energieautarkie. Das Bauamt forderte einen konventionellen Baukörper mit hohem Kniestock und flachem Dach. Nur die Röhrenkollektoren an der Fassade weisen es sogleich als energetisch optimiert aus.

Wärme- und Feuchtepufferung

Innen sind die Außenwände auf magnesitgebundenen Holzwolleplatten – wegen ihres Aussehens auch Sauerkrautplatten genannt – dick mit Lehm verputzt. In den Lehm sind Heizrohre eingebettet die für wohlige Strahlungswärme sorgen. In den Böden sorgen elf Tonnen Kalksplit, eine Holz-Lehm-Schüttung und Holzweichfaserplatten für die akustische Dämpfung und die Wärmepufferung. Die geölten Holzböden aus massiver Lärche sind schön und dauerhaft. Selbst die Kellerdecke ist als Sichtmassivholzdecke hergestellt.

Durch so viele hygroskopische Materialien ist das Raumklima angenehm und schimmelsicher. "Über die Jahre haben wir gemessen, dass die relative Raumluftfeuchte bei diesen Gebäuden zwischen 42 und 46 Prozent liegt. Dieser Bereich wird im Jahresverlauf kaum unter- oder überschritten", sagt der Planer.

Wandheizung in zwei Schichten eingeputzt

Ein Spezialist für Lehmbau und Lehmputze, Maurermeister Andreas Schönberger und sein Team führten die Lehmputze aus. Für den Unterputz mischten sie auf der Baustelle trockenes Lehmpulver mit gewaschenem Sand (Korngröße bis zwei Millimeter) im Verhältnis von 1:2 (Raumteile). Da Sand meist nicht viel kostet, ist das etwas günstiger, als fertig gemischten Unterputz einzukaufen. Auf die fünf Zentimeter starke, magnesitgebundene Holzwolleplatten spritzten sie den reinmineralischen Unterputz mit einer P11 Putzmaschine von Putzmeister auf.

Die mit 16 Millimtere starken PE-Alu-PE-Verbundrohren für eine Wandheizung belegten Wände putzten die Experten in zwei Schichten ein. Die erste Lage spritzten sie ca. 1,5 Zentimeter auf und zogen sie auf den Rohren ab. Mit Heizen und Lüften war der Unterputz innerhalb von ein bis zwei Tage angesteift. Dabei wurde nicht über die Wandheizung geheizt, weil die Lehmexperten die nächste Schicht mit einem Jutegewebe als Armierungsgewebe abschlossen. Da es mehr Feuchtigkeit als ein Flachsgewebe und viel mehr als ein mit Kunststoff beschichtetes Gewebe saugt, darf der Lehm nicht zu trocken sein.

"Jute ist das natürlichste Material und wird von unseren Kunden so gewünscht", begründet Andreas Schönberger seine Wahl. "In den Ecken verwenden wir Flachsgewebe, das saugt nicht so viel." Jute hingegen sauge mehr und dehne sich feucht etwas aus. In Ecken bestehe dann die Gefahr, dass sie beim Trocknen und Schrumpfen des Jutegewebes hohl werden. Nachdem die Lehmexperten die zweite Lage aufgespritzt und abgezogen hatten, rieben sie das Gewebe ein. Als Oberputz zogen sie einen Lehmfeinputz in zwei bis drei Millimeter Stärke auf und rieben ihn ab.

Holz dämmt Fassade

Prinzipiell setzt Planer Schön möglichst viele regenerative und erneuerbare Baustoffe ein, die mit geringem Energieaufwand hergestellt werden. Die Fassade ist einen Zentimeter stark mineralisch verputzt und mit Dispersionssilikatfarbe zweimal gestrichen. Der biozidfreie Mineral-Leichtputz kann somit auch Betauungs-Feuchtigkeit puffern und bleibt so länger schön als Dünnschichtsysteme. Unter dem Putz liegt eine Holz-Weichfaserplatte, hergestellt im Nassverfahren ohne synthetische Stützfaser. Die Außenwände sind zudem mit Holzspänen gedämmt, die durch Lehm mineralisiert und brandgeschützt sind.

Echt Energieautark

Der Energieeffizienzexperte Schön hat seine Energieplanung darauf aufgebaut, dass in Deutschland im Winter zu wenig Strom über Photovoltaik geerntet werden kann. "Wenn man einem Bauherren ein Maximum an Energieautarkie liefern möchte, dann merkt man schnell, dass man mit Photovoltaik nicht heizen sollte," erklärt er. Er verwendet den Solarstrom vorrangig für den Haushalt und Mobilität und erzeugt die Heizwärme über Röhrenkollektoren und einen Stückholzkessel. "Unser System erreicht Energie-Autarkie und zwar eine echte von etwa 74 bis 80 Prozent", betont er. Bei anderen Häusern ist eine Autarkie oft nur nominell, weil üblicherweise die Sommererträge der Photovoltaik gegen den Winterbedarf gerechnet werden.

Bei so viel Nachhaltigkeit verlieh die Stadt Neumarkt dem Haus gleich nach seiner Fertigstellung 2014 die grüne Hausnummer und ergänzend 2015 auch den Klimaschutzpreis. von Achim Pilz

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