Haushalte beim Wärmeverbrauch im EU-Vergleich auf Platz 13

Deutschland ist vom Effizienzziel weit entfernt

Der Wärmeverbrauch deutscher Haushalte ist im europäischen Vergleich relativ hoch. © Ehlerding

Die Fortschritte Deutschlands bei der Energieeffizienz von Haushalten, Industrie und Verkehr haben Forscher des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung ISI ermittelt. Das Ziel von 20 Prozent Energieeinsparungen bis 2020 wird nach jetzigem Stand weit verfehlt.

Beim Energieeffizienzniveau der Haushalte belegt Deutschland im europäischen Vergleich Platz 13 von 28. Der Wert bezieht sich auf das bisher erreichte Niveau. Der weitere Trend wird mit einem 16. Platz etwas schlechter eingeschätzt. Berechnet wurden die Plätze auf der Grundlage des Raumwärmebedarfs pro Quadratmeter. Das ist das Ergebnis eines Vergleichs, den das Fraunhofer ISI im Forschungsprojekt Odyssee-Mure angestellt hat. Es wurde aus dem europäischen Forschungsprogramm Horizon 2020 finanziert.

Im Verkehrssektor belegt Deutschland beim bisher Erreichten Platz 16, beim Trend Platz 15. Zugrunde lag der Benzinverbrauch in Litern pro 100 Kilometern.

Die deutsche Industrie belegt in dem EU-weiten Ranking Platz 9 von 28. Bei der Bewertung des Trends sieht es jedoch viel schlechter aus: Hier erreicht die deutsche Industrie nur den 27. Platz unter den EU-Mitgliedsstaaten. Die Bewertung der Industrie beruht auf einem im Projekt entwickelten Index namens Odex.

Trotz der relativ schlechten Ergebnisse in den drei genannten Sektoren kommt Deutschland insgesamt auf Platz Vier hinter den Spitzenreitern Großbritannien, Irland und Spanien. Das liegt daran, dass in die Bewertung zu einem Drittel auch die Energieeffizienzpolitik der Länder einging. Hier hat sich Deutschland das vergleichsweise hohe Ziel von 20 Prozent mehr Energieeffizienz bis 2020 im Vergleich zu 1990 gesetzt und liegt damit auf Platz Zwei hinter Irland.

Zum Erreichen dieses Ziels besteht aktuell aber noch eine Lücke von 40 Prozent. Das heißt, erst zwölf Prozent Energieeinsparungen sind geschafft, hat das Team des Fraunhofer ISI um Barbara Schlomann und Wolfgang Eichhammer ermittelt. Darin seien auch die künftigen Wirkungen der jetzt schon getroffenen Maßnahmen wie etwa der Nationale Aktionsplan Energieeffizienz einberechnet. "Die Umsetzung ist noch nicht ausreichend", resümiert Eichhammer.

Christian Noll von der Deutschen Unternehmensinitiative Energieeffizienz sagte, die wenigen im Koalitionsvertrag beschlossenen Maßnahmen zur Energieeffizienz müssten jetzt schnell umgesetzt werden: "Den Ankündigungen müssen Taten folgen." Er kritisierte: "Die steuerliche Förderung der energetischen Gebäudesanierung, die im Koalitionsvertrag angekündigt war, ist im Haushaltsentwurf bereits dem Rotstift zum Opfer gefallen." Ein gutes Instrument sei eine beschleunigte Abschreibung auf Energieeffizienzinvestitionen, wie es sie in Irland mit den Accelerated Capital Allowances gebe. sue

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