Zukunft Erdgas legt zweiten Teil einer Studie vor

724 Sanierungsfahrpläne zeigen Potential im Mietwohnungsbau

Timm Kehler, Zukunft Erdgas, stellt Studie zur Sanierung von Mietwohnungen vor. © K. Sponholz

Eine Studie der Nymoen-Strategieberatung zeigt Potentiale bei der Sanierung von Mehrfamilienhäusern.

Auf der Energiemesse E-world in Essen stellten Ludwig Möhring, Geschäftsführer der Wingas und Timm Kehler, Vorstand der Initiative "Zukunft Erdgas" eine umfangreiche Untersuchung zu Energie-Einsparpotentialen im Mietwohnungsbau vor. Vor einem Jahr hatten sie bereits eine entsprechende Untersuchung für Einfamilienhäuser präsentiert. "Zwei Drittel CO2-Reduktion im Gebäudebestand der vermieteten Mehrfamilienhäuser sind realistisch", lautete jetzt das Ergebnis.

Die Studie, die von der Nymoen-Strategieberatung erarbeitet wurde, sei eine "enorme Fleißarbeit", lobte Kehler: Denn es wurden 724 Sanierungsfahrpläne erstellt - ganz individuell klassifiziert in Größe, Alter, Zustand und Beheizungsart - die dann zu einem Gesamtergebnis hochgerechnet wurden. Und weil jeder Sanierungsplan auch eine entsprechende Finanzierung beinhaltet, wurden nur solche Maßnahmen berücksichtigt, die sich Mieter und Vermieter leisten können. Deshalb wurde das Kriterium der fixierten Warmmietenneutralität angelegt: Das heißt, die Warmmiete wird durch eine energetische Sanierung nicht verändert. "Die Wohnkosten bleiben für den Mieter gleich", erläuterte Strategieberater Havard Nymoen, "aber was er aufgrund der energetischen Sanierung an Energie und warmen Betriebskosten spart, darf quasi auf die Brutto-Kalt-Miete umgelegt werden." Und langfristig profitieren die Mieter sogar: "Denn sie werden von künftigen Energiepreissteigerungen weniger betroffen sein, weil sie eben in energetisch sanierten Wohnungen leben."

Insgesamt 18 Millionen Wohngebäude gibt es in Deutschland, darunter 15 Millionen Einfamilien- und drei Millionen Mehrfamilienhäuser (mit 21,2 Millionen Wohneinheiten). Über 70 Prozent dieser Wohneinheiten sind vor der ersten Wärmeschutzverordnung 1978 gebaut und dementsprechend gering bis gar nicht saniert. Drei Viertel von ihnen haben veraltete Heizkessel. "Es gibt eine Unmenge an Hebeln, relativ zügig zu Klimaschutzeinsparungen zu kommen", bilanziert Nymoen.

Drei Modelle zeigen was geht

Timm Kehler präsentierte dazu drei Modellfälle: Einen Gründerzeitbau, einen 70er-Jahre-Wohnblock und einen Neubau aus den 90er Jahren. Beispiel 1 ist ein Gründerzeitbau mit einem Niedertemperaturkessel und einem Heizöltank im Keller. Häuser wie diese gibt es - auch mit anderer Beheizung - 442.000 Mal in Deutschland. Sie stellen zusammen rund 2,2 Millionen Wohneinheiten zur Verfügung.

Im Modell der Studie nimmt der Eigentümer im Jahr 2015 erstmals Geld in die Hand und lässt das Dach dämmen. Im Jahr darauf folgt der Austausch des Ölkessels gegen Erdgas-Brennwert, 2019 die Dämmung der Kellerdecke, 2025 dann der Wechsel zu einem Bio-Erdgas-Beimischprodukt. 2034, fast 20 Jahre nach dem Brennstoffwechsel, wird der Brennwertkessel durch ein neues Modell ersetzt. Als letzte Investition bis 2050 kommt 2038 ein Fensterwechsel mit Dreifachverglasung hinzu.

Mit diesem Fahrplan lassen sich zwischen 2010 und 2030 laut Studie 45,2 Prozent und bis 2050 sogar 50,3 Prozent CO2 gegenüber 2010 einsparen. Obwohl Fassadendämmung und Fernwärme nicht möglich sind, könnten allein durch den Energieträgerwechsel zu Erdgas, effiziente Technik und kleine Dämmmaßnahmen die Klimabilanz werden.

Beispiel 2 ist ein 70er-Jahre-Wohnblock, der noch etwa 50.000 Mal in Deutschland zu finden ist: Hier sinken die CO2-Emissionen bis 2050 sogar um 67,5 Prozent gegenüber 2010. Der optimale Sanierungspfad enthält einen breiten Maßnahmenmix.

Von Beispiel 3 schließlich, dem 90er-Jahre-Neubau, existieren rund 1,8 Millionen Wohneinheiten im Land. Zwar gibt es hier schon eine relativ gute Ausgangslage und einen gewissen Wärmeschutzstand, doch durch eine Maßnahmenkette von Brennwerttechnik, neuen Fenstern, Dämmung der Außenwand und oberster Geschossdecke lässt sich bis 2030 eine CO2-Einsparung von 26,2 Prozent erzielen. Bis 2050 ließen sich die Einsparungen auf knapp 60 Prozent sogar noch mehr als verdoppeln.

Sanierungsfahrpläne machen Anforderungen deutlich

Insgesamt wurden 724 repräsentative Fälle für die Studie als Grundlage gewählt, um daraus 724 dieser Sanierungsfahrpläne und 724 Finanzierungsformen zu entwickeln und ein Gesamtbild für Deutschland abzuleiten. "Wenn man alle Sanierungsfahrpläne übereinanderlegt und aggregiert, kommt man zu einem erstaunlichen Ergebnis", so "Zukunft-Erdgas"-Vorstand Timm Kehler: Denn mit dem verfügbaren Kapital ließe sich eine 64-prozentige CO2-Einsparung erreichen. Und da weder Fördermittel berücksichtigt wurden, noch Neubauten, noch ein demographischer Wandel und entsprechende Rückbauaktionen, könne man "sehr zuversichtlich sein, dass basierend auf diesen Modernisierungsschritten 80 Prozent der CO2-Einsparung mit Sicherheit umsetzbar erscheinen."

Aus den Ergebnissen der Studie leitete Kehler fünf Handlungsempfehlungen ab: Es müssen individuelle Lösungen gefunden werden, es muss eine Maßnahmen- und Technologieoffenheit gewahrt werden, das Augenmerk muss auf das Heizen gerichtet werden, das "Investor-Nutzer-Dilemma" muss zum beidseitigen Vorteil aufgelöst und die Klimaeffizienz in den Mittelpunkt gestellt werden. von Katja Sponholz

Eine Verwendung dieses Textes ist kostenpflichtig. Eine Lizenzierung ist möglich.
Bitte nehmen Sie bei Fragen Kontakt auf.

Kommentare (1)

  1. Andy am 17.02.2015
    Sehr spannender Artikel.
    Wenn man die Studie genauer liest kommt es mir etwas seltsam vor dass es schon 2015 Brennstoffzellen wirtschaftlich für ein Mehrfamilienhaus zu kaufen gibt welches sogar ohne Subventionen auskommt.
    Gruß
    Andy

Neuen Kommentar schreiben

(wird nicht veröffentlicht)

Bitte tragen Sie hier die im Bild dargestellte Zeichenfolge ("Captcha") ein.
Dies dient der Vermeidung von Spam.

CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz Wenn Sie das Wort nicht lesen können, bitte hier klicken.