Vor allem private Eigentümer werden zurückhaltend

Verunsicherung durch Corona erfasst auch die Baubranche

Auf dem Bau wird noch gearbeitet, aber die Nervosität steigt. © EnBauSa.de

Die Baubranche reagiert verunsichert auf die Corona-Krise und rechnet mit mittelfristigen Folgen. In den Immobilienpreisen bildet sich das noch nicht ab. Bei privaten Bauherren macht sich aber aufgrund von Kurzarbeit und finanzieller Unsicherheit Zurückhaltung breit. Aufträge werden storniert.

Noch laufen viele Baustellen im Normalbetrieb, die Zahl der Baugenehmigungen ist hoch. Doch der Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands Deutsches Baugewerbe Felix Pakleppa warnt vor Optimismus: "Die aktuelle Entwicklung beim Corona-Virus macht auch vor der Bauwirtschaft nicht halt.“ Wenn bei der gewerblichen Wirtschaft Aufträge in Größenordnungen wegbrächen, würden Investitionen zurückgestellt, mit entsprechenden Auswirkungen auf den Wirtschaftsbau. „Wenn Bauämter wegen des Virus nur schwach oder überhaupt nicht besetzt sind, dann werden keine öffentlichen Aufträge vergeben. Wenn Menschen mit plötzlicher Arbeitslosigkeit bedroht sind, werden sie kein Haus bauen oder Sanierungsarbeiten in Auftrag geben", so Pakleppa weiter.

Derzeit herrscht bei den Baustoffherstellern noch eher Hochbetrieb als Krise. Händler bestellen, um nach befürchteten Engpässen und Brüchen der Lieferkette ihre Kunden weiter bedienen zu können. Viele Hersteller haben ihre Lieferketten abgesichert und können der derzeit hohe Nachfrage nachkommen. „Unsere Werke sind derzeit von Auswirkungen der Corona-Krise nicht betroffen. Ergänzend dazu tragen unsere weitestgehend regionale Lieferantenstruktur und unsere lokalen Produktionsstandorte dazu bei, dass wir trotz der schwierigen Rahmenbedingungen unsere Lieferfähigkeit aktuell erhalten können“, betont Heiko Werf, Geschäftsführer von Baumit. Das Unternehmen hat sich früh entschieden, die Lagerbestände bis zum absoluten Maximum hochzufahren, um Flaschenhälse abzufedern.  „Wir stehen in engem Kontakt mit unseren Rohstoff-Lieferanten und gehen derzeit nicht von Lieferengpässen aus“, betont auch Caparol Geschäftsführer Stefan Weyer.

Die Baywa als Baustofflieferant betont, dass die Materialversorgung von Baustellen im Verbreitungsgebiet Bayern, Württemberg, Sachsen und Thüringen weiterhin gesichert sei. „Die Lieferketten funktionieren ohne Einschränkung, so dass auch die in den vergangenen Tagen stark gestiegene Nachfrage nach Baumaterial aus dem Handwerk bedient werden kann“, erklärt das Unternehmen. Man verfüge über einen eigenen Fuhrpark mit rund 100 Fahrzeugen sowie viele weitere Logistikpartner, so dass auch im LKW-Verkehr keine Verzögerungen zu erwarten seien und Baustellen weiterhin pünktlich beliefert werden können.

Die Immobilienpreise, ein weiteres Zeichen für Nervosität am Markt, sind derzeit noch stabil. Die aktuellen Angebotspreise für Eigentumswohnungen aus dem Bestand verharren in etwa auf dem Niveau vor Beginn der Krise, so das Portal Immowelt in einer aktuellen Marktanalyse. Der mittlere Quadratmeterpreis erhöhte sich nur minimal von 2.820 Euro im Februar auf aktuell 2.850 Euro (+1 Prozent). Auch in den hochpreisigen Metropolen Berlin, Hamburg und München bleiben die aktuellen Angebotspreise weitestgehend konstant. Das Portlal hat die Median-Preise für Bestandswohnungen zwischen 40 und 120 Quadratmetern verglichen, die vor 2016 fertig gestellt wurden.

Energieberater und Ausbauhandwerk sind derzeit noch ausgelastet, aber vor allem bei privaten Bauherren beginnt die Nachfrage zu bröckeln. „Aktuell bewerten unsere Mitglieder ihre Lage noch relativ ausgeglichen. Allerdings befürchten vier von fünf Energieberatern, dass das Auftragsaufkommen im nächsten Monat einbrechen wird“, erläuterte der Bundesvorsitzende des Energieberaterverbands GIH, Jürgen Leppig, die Stimmung. Der Fachverband der Stuckateure für Ausbau und Fassade in Baden-Württemberg hat seine Mitglieder in einem Webinar informiert. „Die meisten Betriebe haben Bedenken in Bezug auf die Zukunft und überlegen, wie sie mit der gesamten Krise und einer möglichen Rezension zurechtkommen können“ berichtet Rainer Fuchs, Leiter des Geschäftsbereichs Recht im Verband. Die Betriebe rechneten mit Auftragsmangel und überlegten, wie die Eigenkapitalquote ist, ob sie möglicherweise Kredite aufnehmen müssen. „Die meisten haben noch Aufträge, aber sie merken Stornierungen, weil Bauherren Aufträge verschieben und einen Rückgang bei neuen Aufträgen. Bei einem Vorlauf von vier bis sechs Wochen rechnen viele April bis Mitte Mai mit Kurzarbeit im Betrieb. Da kippt die Stimmung langsam“, beobachtet er. von Pia Grund-Ludwig

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