Kunden interessieren sich vor allem für Wirtschaftlichkeit

Tools zur Bewertung des Zusatznutzens von Gebäudesanierung fehlen

Zusatznutzen bei Sanierung ist schwer zu vermitteln. © Interhyp

Energieberater haben neben der Wirtschaftlichkeit auch Zusatznutzen der Gebäudesanierung wie mehr Behaglichkeit und Schutz vor künftigen Energiepreissteigerungen im Blick. Das belegt eine Bachelor-Arbeit, die jetzt vorgelegt wurde.

Tim Sorg hat sich im Studiengang Energie-und Ressourcenmanagement der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen mit der Frage beschäftigt, ob in der Beratung sanierungswilliger Hausbesitzer Zusatznutzen ausreichend beachtet werden. Eine Befragung von Gebäudeenergieberatern aus dem GIH liefert die Grundlage für seine Arbeit.

Die Untersuchung hat ergeben, dass die Energieberater überwiegend mit den Zusatznutzen vertraut sind, viele Kenntnisse darüber besitzen und diese in die Energieberatungen einbringen. Dieses Ergebnis war überraschend, so Sorg. Die Mehrzahl der Sanierungen wird aus wirtschaftlichen Gründen realisiert, andere Pluspunkte wie Schutz vor Schimmel oder künftig steigenden Energiekosten spielen eine eher untergeordnete Rolle. Das legt nahe, dass sich das auch in der Beratung widerspiegelt. "Ich bin davon ausgegangen, dass dass es in der Beratung kaum vorkommt."

Das Ergebnis der Befragung belege aber genau das Gegenteil: Lediglich 11 Prozent der befragten Gebäudeenergieberater gaben in der Umfrage an, dass sie selten mit Zusatznutzen argumentieren. Am meisten wird in der Beratung auf den thermischen Komfort, die Wertsteigerung des Gebäudes und der Zugang zu Fördermöglichkeiten hingewiesen. Wenn Zusatznutzen keine Rolle spielen, dann deshalb, weil dies den Kunden nicht wichtig sei, so das Ergebnis der Befragung. Energieberater würden bei einer solchen Argumentation häufig abgeblockt. Dabei ließen sich zwei Gruppen ausmachen, erklärt Sorg: Hausbesitzer, die sanieren müssen, seien weniger aufgeschlossen für Argumente zum Zusatznutzen als dienigen, die aus eigenem Antrieb modernisieren.

Als Hemmnisse für die Vermittlung von zusätzlichen Nutzen wurden innerhalb der Umfrage zum einen fehlende Informationen durch die Hersteller aufgeführt. Zum anderen konstatieren die Befragten teilweise ein zu geringes Umweltbewusstsein bei den Kunden. Vor allem wer sanieren müsse, sei für Zusatznutzen wenig aufgeschlossen. Wer ein Sanierungsprojekt aus Überzeugung in Angriff nehme sei offener für eine weiterführende Argumentation, so eine Ausertung der Erhebung.

Dabei gibt es bisher auch wenig Unterstützung von wissenschaftlicher Seite. Auf europäischer Ebene beschäftigen sich einige Projekte mit der Vermittlung von Zusatznutzen, in Deutschland rücke das Thema erst nach und nach in den Fokus, hat Sorg während der Erstellung seiner Arbeit beobachtet.

Allgemein ergab die Arbeit, dass ein Wunsch der Energieberater nach mehr Informationen zu diesem Thema vorhanden ist. Zwei Tools bekamen in der Umfrage am meisten Zustimmung: Eine Matrix, die die Beziehungen zwischen energetischen Sanierungen und deren zugehörigen Zusatznutzen aufzeigt, und ein Leitfaden, der Handlungsempfehlungen bei der Vermittlung und Zusammenstellungen der Zusatznutzen beinhaltet. Beide würden hilfreiche Informationen zu diesem Thema beinhalten. Die Matrix und der Leitfaden können zudem ein Hilfsmittel bilden, um eine umfassendere Betrachtung der Zusatznutzen zu bieten, unabhängig von der jeweiligen Fachrichtung der Energieberater. Da die Energieberatung zudem eine komplexe Herausforderung ist, könnte bei der Informationsbereitstellung verstärkt angesetzt werden.

"Für die Zukunft spielt auch eine mögliche monetäre Einbindung dieser Zusatznutzen eine große Rolle. Diese könnte ein überzeugender Faktor in der Entscheidungsfindung sein", ist Sorg überzeugt. Abschließend lasse sich aus der Arbeit schlussfolgern, dass die Zusatznutzen ein noch nicht ausreichend erschlossenes Potenzial im Entscheidungsprozess der Sanierer bildeten, resümiert Sorg. Die mögliche Quantifizierung der Zusatznutzen und eine umfassendere sowie strukturiertere Vermittlung böten noch viel Spielraum, um potenzielle Sanierer von einer Umsetzung zu überzeugen. von Pia Grund-Ludwig

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