Handwerker sollten Zielgruppe 60+ im Auge haben

Sanierern ist Energieoptimierung nicht wichtig

Peter Rathert (Mitte) fordert mehr Öffentlichkeitsarbeit. © Susanne Dengler

Eine Studie zur Motivation von Bauherren bei der Gebäudesanierung stellte der Qualitätsgedämmt e. V. auf einer Pressekonferenz in Berlin vor. Die wesentliche Aussage zu Fassaden: Energieoptimierung und Förderung sind für Bauherren nicht entscheidend. Sie sanieren die Wand, wenn dies ohnehin ansteht. Und: Die Altersgruppe 60 + sollten Handwerker als Zielgruppe im Auge haben.

„Die Sanierungsintensität ist oft abhängig von Lebensphasen und nicht immer das Resultat rationaler Überlegungen“ fasste Ulrich Krenn von Qualitätsgedämmt e. V. eines der Ergebnisse einer Untersuchung des B+L Building Monitor zusammen.

Danach gibt es zwei Hauptphasen bei der Sanierung: bei der Übernahme eines Gebäudes nach der Gründung eines eigenen Haushalts im Alter zwischen 28 und 35 Jahren und zwischen 52 und 60 Jahren nach dem Auszug der Kinder. Die Alterspyramide verschiebt sich zugunsten der älteren Jahrgänge, immer mehr über 55-jährige und auch über 65-jährige gehen in die Sanierungsphase über. Gleichzeitig nimmt aber die Zahl der Sanierer im Einfamilienhaussegment ab. 2018 betrug deren Anteil noch 39 Prozent, zwei Jahre zuvor waren es über 42 Prozent. Mehr saniert wird bei Mehrfamilienhäusern.

Alle Sanierungsmaßnahmen sind rückläufig

Untersucht wurde das Jahr 2018 im Vergleich zu 2016. In den Gewerken PV, Solarthermie, Fassadendämmung, Dachdämmung, Heizungstausch und Fenstertausch gingen die Maßnahmen zurück. Und zwar in allen Gewerken relativ gleich zwischen 1,6 und 2 Prozentpunkten. Im langjährigen Vergleich zu einer Untersuchung aus dem Jahr 2012 war der Rückgang bei Dämmung und PV besonders stark. Gleichzeitig nimmt aber der Anteil der Sanierung am Bauvolumen zu, es wird also investiert, aber nicht in Maßnahmen, die die Energiebilanz verbessern. Gleichzeitig kommt die Studie zum Ergebnis, dass es in der Sanierung einen Handwerkerengpass gibt. Dort werden mehr Arbeiten aus Zeitgründen abgelehnt als im Neubau.

Dabei zeigt sich auch, dass bisherige Kampagnen, die vor allem auf die Energieeffizienz abzielen, an der Motivation der Bauherren vorbeigehen. Das spielt bei den Überlegungen, was saniert wird, bei der Gebäudehülle keine große Rolle und wird lediglich bei der Heizung als relevant eingeschätzt. Auch Fördermittel spielten in der Befragung eine sehr geringe Rolle. Wichtiger Grund ist der Verschleiß. Dabei investiert jeder Zweite, der die Fassade anpackt, auch in die Verbesserung der Dämmung. Putzerneuerung hatte 2018 einen Anteil von 18,1 Prozent, Dämmung der Fassade einen Anteil von 7,8 bei Maßnahmen zur Gebäudesanierung unter den Befragten. 2010 waren es noch knapp 26 beziehungsweise knapp 14 Prozent. Spannend für Unternehmen aus dem Bereich Fassade: Der Anteil Älterer, die ihre Fassade anpacken, ist relativ groß. Und die Themen Optik/Design und Werterhaltung gewinnen Relevanz.

Wichtige Themen sind Böden und Bäder

Topthemen waren 2018 Fußbodentausch und Badrenovierung mit jeweils zirka 47 Prozent, gefolgt vom Tausch der Innentüren mit 20 Prozent. Es waren Mehrfachnennungen möglich, wenn mehr als eine Maßnahme erfolgt war.

Diskutiert wurde auf der Pressekonferenz des Vereins auch die Frage, welche Maßnahmen ergriffen werden können, um die Sanierungsquote zu erhöhen. Da sei die steuerliche Förderung sicher wichtig, so Peter Rathert vom Bundesinnenministerium in der Diskussionsrunde. Sie könne mit CO2-Einsparungen in Höhe von zirka 5 Millionen Tonnen dazu beitragen, die CO2-Minderungsziele im Gebäudebereich zu erreichen. Flankierend sei jedoch verstärkte Energieberatung und Öffentlichkeitsarbeit notwendig. Er schlug zudem eine „Energieberatung mit Bundesadler“ vor. „Wir brauchen ein behördliches Siegel“, sagte Rathert. Das schaffe Vertrauen. Bei den bisher aktiven Energieberaterverbänden, die den schwierigen Markt beackern, dürfte staatliche Konkurrenz auf wenig Gegenliebe stoßen. Von Pia Grund-Ludwig

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Kommentare (1)

  1. Dennis Krugmann
    at 15.08.2019
    Was für eine traurige Bilanz. Schon lange lässt sich eine sehr träge Energiepolitik der Bundesregierung beobachten. Der starke Rückgang der ohnehin schon sehr schwachen Sanierungsquote in Deutschland sind die Ausläufer einer verfehlten Energie- und Klimapolitik. Förderanreize, die ja vorhanden sind, sind leider sehr wenig bekannt und werden oft nicht genutzt. Hinzu kommen inkonsistente Regelungen bei der Förderabwicklung, die sich mit Logik nicht erklären lassen. Wo bleibt eigentlich ein Förderprogramm für nachhaltige Dämmstoffe??? Es gibt in diesem Bereich so viele Neuerungen, die sich im Markt aber nicht durchsetzen können, weil die Förderung bei Einzelmaßnahmen allein auf die U-Werte abstellt. Das ist sehr schade, da viele Potenziale verschenkt werden. Gleichzeitig kommen plötzlich überall Klimaskeptiker daher, die den von Menschen gemachten Klimawandel leugnen. Eine paradoxe Entwicklung, die sich nicht begreifen lässt. Man hat das Gefühl, dass im Hintergrund Lobbyisten am Werk sind, um die alten Machtstrukturen aufrecht zu erhalten. Änderungen vollzieht sich sehr träge. Letztere ist aber dringend notwendig. Der Fachkräftemangel im Handwerk sowie im Bereich der Energieberatung sind enorm und sind ein ganz enormer Bremsfaktor in Sachen Energiewende. Darüber wird leider noch viel zu wenig diskutiert. Die Expertenliste der dena dünnt sich immer mehr aus. Das ist kein regionales, sondern ein bundesweites und letztendlich auch ein globales Problem. Energiewende made in Germany - das war mal. Dass die PV-Branche zusammengebrochen ist, ist wenig verwunderlich. Das EEG war ein super Instrumentarium und wurde durch den Kürzungswahn (insbesondere von eigentlich ökologisch ausgerichteten Parteien) in kürzester Zeit zerstört. Wir wären sehr viel weiter, wenn dieser fundamentale Fehler nicht begangen worden wäre.

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