Neubau in Frankfurt Höchst ist der erste seiner Art weltweit

Rohbau der Passivhaus-Klinik steht

Diese Mitarbeiterinnen werden 2018 in den Klinikneubau umziehen. © Klinikum Höchst

Im Frankfurter Stadtteil Höchst entsteht derzeit das weltweit erste Krankenhaus im Passivhaus-Standard. Der Rohbau der Klinik ist bereits fertiggestellt, aktuell läuft der Innenausbau auf Hochtouren. Abgeschlossen sein soll der Neubau der besonders energieeffizienten Klinik im kommenden Jahr. Vor der Inbetriebnahme ist ein mehrmonatiger Testbetrieb geplant.

Die Baustelle ist die größte Baustelle der Stadt Frankfurt und weithin sichtbar. Immerhin ist das zukünftige Klinikgebäude 143 Meter lang, über 23 Meter hoch und es umfasst neben Keller und Erdgeschoss weitere sechs Etagen. Rund 700 Betten wird der Neubau haben, das sechste Obergeschoss, das sich nur über einen Teil des Gebäudes erstreckt, ist ausschließlich für Technik vorgesehen. Gerade hat der Einbau der über 1000 dreifach verglasten Fenster begonnen.

Zwei Hauptziele verfolgt das Klinikum Frankfurt Höchst mit dem Ersatzneubau: Zum einen sollen die internen Betriebsabläufe optimiert werden. Dadurch werden sich auch die Wege für das Personal innerhalb des Gebäudes deutlich verkürzen. Da das aktuelle Klinikhochhaus aus den sechziger Jahren deutlich in die Jahre gekommen ist, sollen mit dem äußerst energieeffizienten Neubau andererseits die Betriebskosten drastisch gesenkt werden.

Durch den intensiven 24-Stunden-Betrieb in Krankenhäusern gehören diese zu den Spitzenverbrauchern an Energie: Von der Notaufnahme über die Operationssäle samt Intensivstation bis zu den Patientenzimmern sind zahlreiche technische Geräte im Einsatz. Und auch die Beleuchtung ist praktisch durchgängig angeschaltet. "Der Passivhaus-Standard ist neben verbessertem Komfort auch darauf ausgelegt, den Bedarf an Energie deutlich zu reduzieren. Daher ist das energieeffiziente Konzept für Krankenhäuser mit ihrem hohen Energiebedarf besonders lohnenswert", erklärt Oliver Kah vom Passivhaus Institut.

Der Wissenschaftler begleitet den Klinikneubau für die Zentrale Errichtungsgesellschaft ZEG unter dem Aspekt der Energieeffizienz. So prüft er unter anderem, ob der geforderte Wärmeschutz mit den geplanten Bauteilen eingehalten wird.

In einer Grundlagenstudie im Vorfeld des Pionierprojektes in Frankfurt-Höchst untersuchte Oliver Kah mit Kollegen, wie das Passivhaus-Konzept in Krankenhäusern umgesetzt werden kann. Viele der rund 2100 Krankenhäuser in Deutschland sind sanierungsbedürftig und können von dieser Studie profitieren. In der Studie wird deutlich, dass die Ausstattung eines Krankenhauses wesentlichen Einfluss auf den Energiebedarf hat und daher in komplettem Umfang betrachtet werden muss. Ganz allgemein liegt der Stromverbrauch in einem Krankenhaus drei bis vier Mal über dem Verbrauch in einem Wohngebäude.

Gleichzeitig muss die Umsetzung des Passivhaus-Standards in Krankenhäusern besonderen Anforderungen genügen, beispielsweise in den sensiblen Operationssälen. "Dazu gehören auch hohe hygienische Anforderungen, wenn zum Beispiel die Abwärme aus der Abluft des Operationsbereichs genutzt werden soll", erläutert Kah.

Die in jedem Passivhaus vorgesehene Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung wird aber auch in diesem Neubau dafür sorgen, dass stets frische und vorgewärmte Luft in die Räume strömt. Außerdem beseitigt sie unangenehme Gerüche. Aber natürlich können auch in der Passivhaus-Klinik die Fenster geöffnet werden. Die Grundlagenstudie zeigt, dass der Heizwärmebedarf trotz der vorgesehenen höheren Raumtemperatur sowie dem höheren Luftwechsel der kontrollierten Lüftung auf 15 Kilowattstunden pro Quadratmeter Energiebezugsfläche und Jahr begrenzt werden kann. Quelle: Passivhaus Institut / sue

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