Passivhaus Institut überwacht hessisches Pilotprojekt

Polizeigebäude schützt das Klima

Das Polizeigebäude wird mit zwei Wärmepumpen geheizt und gekühlt. © Passivhaus Institut

Als Beitrag zum Klimaschutz soll die hessische Landesverwaltung bis zum Jahr 2030 CO2-neutral arbeiten. Um dieses Ziel zu erreichen, hat Hessen neue energetische Standards für Landesbauten festgeschrieben. Das neue Verwaltungsgebäude für die Polizei im nordhessischen Baunatal war ein Pilotprojekt dafür.

Im Auftrag des Landes Hessen begleitete das Passivhaus Institut das Bauprojekt beratend und nach Fertigstellung mit einem Monitoring. Die Mitarbeiter des Darmstädter Instituts montierten im Rohbau Kabel und Sensoren für die Messungen und kalibrierten sie. Nach Bezug des Gebäudes durch die Polizei analysierten die Wissenschaftler die Daten zwei Jahre lang.

"Für ein wissenschaftliches Monitoring wird bereits in der Planungsphase festgelegt, was später während der Nutzung gemessen werden soll und mit welcher Technik. Dementsprechend werden schon in der Bauzeit die Vorbereitungen dafür getroffen", erläutert Søren Peper vom Passivhaus Institut.

Eines der zahlreichen Ergebnisse des Monitorings: Der gemessene Heizwärmeverbrauch liegt mit 19,2 Kilowatt pro Quadratmeter im Jahr (kWh/m²a) sehr nah an den Berechnungen von 18,3 kWh/m²a, den die Planer des Passivhauses mit dem Passivhaus-Projektierungspaket PHPP ermittelt hatten.

Das Monitoring zeigte aber auch, dass zur Kühlung der fünf Serverräume entgegen dem Planungsansatz das ganze Jahr über Energie eingesetzt wurde. Das Passivhaus Institut identifizierte eine Erhöhung der Temperatur in den Serverräumen sowie eine bessere Einstellung der Gebäudeleittechnik als wesentliche Potentiale für die Reduktion des Kühlbedarfs.

In den Büros wurde an warmen Tagen die Möglichkeit der passiven Kühlung durch Sonnenschutz nicht vollständig genutzt, dann jedoch durch aktive Kühlung ersetzt. Dennoch hat das Passivhaus Institut mit 10,9 kWh/m²a einen sehr niedrigen Stromverbrauch der Wärmepumpen gemessen. Hier steht das Gebäude offensichtlich besser da, als andere Gebäude im Passivstandard.

Insgesamt zwei Wärmepumpen mit angeschlossenem Erdsondenfeld und Kühlturm versorgen das Passivhaus. Sie bedienen vier Kälte- beziehungsweise Wärmespeicher mit unterschiedlichen Temperaturniveaus von 12 Grad für Umluftkühler und Kühlung der Raumluft, 18 Grad für die Raumkühlung, 28 Grad für die Raumheizung sowie 50 Grad für die Warmwasserversorgung. Die Verteilung von Wärme und Kälte erfolgt über Betonkerntemperierung, also über Leitungen in der Gebäudedecke mit einer Wärmeträgerflüssigkeit.

Søren Peper: "Die ausschließlich elektrische Versorgung des Gebäudes passt sehr gut in das nachhaltige Versorgungssystem der Zukunft, das auf vollständig regenerativ erzeugtem Strom basiert." Auch mit der Leistung des Lüftungsgerätes mit Wärmerückgewinnung waren die Wissenschaftler des Passivhaus Instituts zufrieden.

Rund 20 Millionen Euro hat das Land Hessen in den der Bau des Verwaltungsgebäudes investiert. Mit dem Neubau erfüllt Hessen schon heute die Vorgaben der Europäischen Gebäuderichtlinie für 2019. Auch der im Mai 2016 eröffnete Erweiterungsbau des Finanzministeriums in Wiesbaden wurde im Passivhaus-Standard errichtet. Quelle: Passivhaus / sue

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