Mess-Systeme sollen Energiefresser lokalisieren

Kommunen testen Klimaschutz durch Gebäudeautomation

Birkenwerder, Böblingen, Borkum, Steyerberg und Wörth am Rhein wollen den Energiebedarf ihrer Liegenschaften durch Digitalisierung und Automatisierung senken. Die Deutsche Umwelthilfe hat dazu ein  Modellprojekt aufgelegt.

Durch intelligente Regelung von Heizung, Beleuchtung, Lüftung oder Kühlung - zum Beispiel von Serverräumen - lässt sich der Energiebedarf von Gebäuden deutlich senken. Darüber hinaus kann ein systematisches Zählerkonzept mit einer darauf aufbauenden Analyse dazu beitragen, "Energiefresser" zu lokalisieren und zu beseitigen. Dies will die Deutsche Umwelthilfe (DUH) mit ihrem Projekt SmartRathaus in den kommenden drei Jahren zeigen.

In den fünf ausgewählten Städten und Gemeinden entstehen zusammen mit den Kommunalverwaltungen Modellprojekte, die aufzeigen, welche Einsparungen sich mit der automatisierten Steuerung und Regelung, inklusive des darauf aufbauenden Energiemanagements, von kommunalen Liegenschaften realisieren lassen - sowohl beim Energieverbrauch als auch beim Arbeitsaufwand im Gebäudemanagement. In der Gebäudeautomation sind oft insbesondere die Bestandsliegenschaften von kleineren und mittleren Kommunen nicht auf dem neusten Stand der Technik.

"Ein besonderes Augenmerk bei der Auswahl haben wir auf das Engagement in der Gemeindeverwaltung für Klimaschutz und neue Technologien und die große Bandbreite von Themen und Problemstellungen in den Modellprojekten gelegt", erläutert Steffen Holzmann, Projektleiter Digitalisierung bei der DUH. "Mit den ausgewählten Modellprojekten decken wir ein breites Spektrum von häufigen Aufgabenstellungen in der kommunalen Liegenschaftsverwaltung ab." Dadurch sollen die Erfahrungen und Ergebnisse auf möglichst viele Kommunen in Deutschland übertragbar sein - die engagierten Modellkommunen haben damit Leuchtturmfunktion für mehr als 10.000 kleine und mittlere Kommunen deutschlandweit.

Um den unterschiedlichen Stand der Kommunen in diesem Bereich abzubilden, bringen die Modellkommunen ganz unterschiedliche Voraussetzungen in das Projekt ein. In Böblingen, der größten Modellkommune, ist das Thema Gebäudeautomation beispielsweise kein neues. Die Liegenschaften dort sind jedoch auf sehr unterschiedlichem technischem Stand. Verschiedene Lösungen wurden schon umgesetzt, in anderen Liegenschaften muss man von Grund auf neu anfangen.

Ganz anders die Modellkommune Flecken Steyerberg, die zwar in den letzten Jahren ihre eigene IT energetisch optimiert hat, doch im Gebäudebereich noch kaum Erfahrung mitbringt. Dafür bringen die Niedersachsen ein spannendes Projekt in die Modellprojekte-Landschaft mit ein. Im Flecken Steyerberg sollen künftig mit einem neuen Fernwärmenetz bis zu 400 Gebäude, darunter 24 kommunale Liegenschaften, miteinander verbunden werden. "Dies bietet die Möglichkeit, neue Konzepte für alte Bestandsgebäude zu entwickeln. In Verbindung mit dem geplanten Fernwärmenetz erwarten wir hier ein großes Klimaschutzpotenzial", so Bürgermeister Heinz-Jürgen Weber. Der Flecken Steyerberg verfolgt engagierte Klimaschutzziele und kann mit SmartRathaus ein gutes Vorbild für kleine Kommunen deutschlandweit werden.

Auch auf Borkum, ganz im Norden der Republik, beginnt SmartRathaus sprichwörtlich auf der grünen Wiese" - Gebäudeautomation ist bei den Liegenschaften der Stadtverwaltung auf der Insel bislang noch kein Thema gewesen. Mit der stark touristischen Ausrichtung gibt es auf Borkum viele Gebäude, die nur saisonal genutzt werden. Auch in Birkenwerder bei Berlin ist die Gebäudeautomation noch am Anfang. Wie in vielen Kommunen stehen hier jedoch Sanierungen an verschiedenen Gebäuden an, die großes Potenzial für die Automatisierung bieten.

Wörth am Rhein dagegen ist bereits recht weit auf dem Weg der Gebäudeautomatisierung. "Die moderne Architektur in Wörth bietet Potenzial, intelligente Steuerungs- und Regelungsalgorithmen direkt auszuprobieren und im Bereich der Analyse von Energiemessdaten Erkenntnisse zu gewinnen", freut sich Martin Becker, Professor am Institut für Gebäude- und Energiesysteme (IGE) der Hochschule Biberach, die das Projekt wissenschaftlich begleitet. "Wörth rundet die breite Auswahl an Modellprojekten ab. Die Vielfalt wird auch uns neue Erkenntnisse aus der Praxis bringen."

Für jede der Modellkommunen entwickelt die DUH zusammen mit dem Fachbereich Gebäudeautomation der Hochschule Biberach im Laufe des Projekts maßgeschneiderte Ansätze zur Energieeinsparung in bis zu drei kommunalen Liegenschaften. Die Vielfalt der Teilprojekte garantiert dabei eine großflächige Übertragbarkeit der entwickelten Lösungen. Quelle: DUH / pgl

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