"CO2-Zertifikate machen Ordnungsrecht obsolet"

Haus und Grund für Abschaffung des Energiebedarfsausweises

Haus und Grund spricht sich gegen Bedarfsausweise aus. © EnBauSa.de

Anlässlich der ersten Lesung des Gebäudeenergiegesetzes im Bundestag forderte der Eigentümerverband Haus & Grund Nachbesserungen. „Die energetischen Anforderungen an Wohngebäude müssen spürbar vereinfacht werden. Die Zusammenführung der unterschiedlichen Gesetze und Verordnungen in das Gebäudeenergiegesetz ist ein erster wichtiger Schritt“, sagte Verbandspräsident Kai Warnecke.

Aus Gründen des Verbraucherschutzes müssen aber die Energiebedarfsausweise aus Sicht von Haus & Grund mit dem neuen Gesetz abgeschafft werden. Wie eine aktuelle Studie zeigt, liegen die theoretischen Bedarfswerte um bis zu 173 Prozent höher als die tatsächlich gemessenen Energieverbrauchswerte. „Durch die falschen Bedarfsberechnungen wird das Einsparpotenzial von Klimaschutzmaßnahmen im Gebäudebestand überschätzt. Eigentümer investieren dadurch viel Geld in Modernisierungen, die am Ende den Klimaschutz nicht voranbringen und das Wohnen teurer machen. Das sorgt für viel Unmut bei Eigentümern und Mietern“, fasst Warnecke die Studienergebnisse zusammen.

Mit Blick auf den ebenfalls geplanten Emissionshandel für den Verkehrs- und Gebäudesektor forderte Warnecke, die im Gebäudeenergiegesetz enthaltenen ordnungsrechtlichen Vorgaben schrittweise zu reduzieren. „Mit der zunehmenden Wirkung des CO2-Zertifikatepreises muss das Ordnungsrecht in spätestens zehn Jahren gänzlich wegfallen“, forderte Warnecke. Das Nebeneinander von CO2-Preis und Ordnungsrecht ergebe ökologisch und ökonomisch keinen Sinn. Quelle: Haus und Grund / pgl

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Kommentare (4)

  1. Dennis K.
    2 weeks ago
    Die Abschaffung des Bedarfsausweises, der nach der Bauphysik und nicht nach Energieverbräuchen ausgestellt wird, ist kontraproduktiv und in Zeiten des Klimawandels äußerst kurzsichtig. Stattdessen sollte wohl eher der Verbrauchsausweis abgeschafft werden, um mehr Transparenz und Vergleichbarkeit auf dem Immobilienmarkt herzustellen. Der Verbandspräsident Kai Warnecke sollte sich da mal etwas genauer mit Bauphysik und der dringend notwendigen Energiewende beschäftigen. Wer im Sinne des "Verbraucherschutzes" argumentiert, sollte mit Sicherheit nicht den Bedarfsausweis abschaffen, sondern ganz im Gegenteil den Verbrauchsausweis - zumindest wenn es um eine realistische Information des Verbrauchers gehen soll. Ganz einfaches Beispiel: Es macht einen großen Unterschied, ob ein Rentner-Ehepaar ein Haus bewohnt oder ob das gleiche Haus in einem anderen Fall von einem berufstätigen Single bewohnt wird. Im Verbrauchsausweis wird ganz vereinfacht nur der Verbrauch angesetzt ohne die Bauphysik zu beurteilen. Im Bedarfsausweis spielen die Verbräuche gar keine Rolle und es geht allein um die Bausubstanz. Soll jetzt das Verhalten der Bewohner oder die energetische Qualität des Gebäudes beurteilt werden, Herr Warnecke?
  2. Schrödingers Katze
    2 weeks ago
    Kann Dennis K. nur beipflichten. Der Bedarfsausweis war nie zum Abschätzen tatsächlicher Energieverbräuche gedacht, er dient nur der Vergleichbarkeit. Daher ist der Begriff "Primärenergiebedarf" auch etwas unglücklich gewählt, er stellt ja eher ein Maß für den zu erwartenden Umweltschaden dar, als einen Energiebedarf. Warum dann nicht gleich die CO2-Emission im Ausweis darstellen?
    Andererseits wäre eine größere Nähe vom rechnerischen zum tatsächlichen Endenergiebedarf durchaus wünschenswert, da hat Haus und Grund nicht ganz unrecht. Das ist aber mit der DIN 18599 gegenüber der DIN 4108 / 4701 schon besser geworden. Mit der Verbreitung geeigneter Simulationssoftware, wie z.B. WUFI Plus werden voraussichtlich auch realistische Werte erreicht.
  3. Filstäler
    2 weeks ago
    Haus und Grund kann man nur zustimmen ! Wollen Sie mit dem Bedarfsausweis Mietern/Käufern eine sachliche Information bieten oder nur Baumaßnahmen vorantreiben oder Gutachter in Lohn und Brot bringen ? Bei einem Mieterwechsel ändern sich die Heizkosten z.T. wesenlich. Logisch, ein Rentnerpaar mit 23 Grad Wohnungs-temperatur hat höhere Heizkosten als jemand dem18 Grad ausreichen. Ist ein Interessent in der Lage, anhand des Bedarfsausweises seine künftige Heizkosten einzuschätzen, ich glaube nicht. Hier ist der Verbrauchsausweis wesentlich aussagekräftiger und um das geht es !
    Die energetische Qualität interessiert in der jährlichen Abrechnung keinen Mieter nur die Euros die er ausgibt.
  4. Haus & Grund Deutschland
    2 weeks ago
    Es ist nicht das erste Mal, dass eine eklatante Lücke zwischen dem errechneten Energiebedarf und dem gemessenen Energieverbrauch von Wohngebäuden festgestellt wird. Doch erstmals geht eine aktuelle Untersuchung der Sache auf den Grund. Die Studie „Energiebedarf versus Energieverbrauch oder Theorie versus Realität“ von Prof. Dr.-Ing. Thomas Ackermann von der FH Bielefeld, Institut für Bauphysik und Baukonstruktion, deckt auf, dass die theoretischen Annahmen in den Energiebedarfsberechnungen nicht der Realität entsprechen.

    Die Studie kann hier eingesehen werden: https://www.hausundgrund.de/sites/default/files/downloads/fh-bielefelduntersuchungenergiebedarfversusenergieverbrauch12112019.pdf

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