Projekte in Grenoble, Malmö, Oslo und im Baskenland

EU erforscht Sanierung auf Quartiersebene

Projektmanager John Hallbeck im Heizungskeller des Gebäudes, in dem der Verbrauch nach der Sanierung überwacht wurde. © Ehlerding

In Malmö steht eines von vier Projekten vor dem Abschluss, die im EU-Programm "Nearly Zero Energy Neighbourhood" – Nachbarschaften mit nahezu Null Energieverbrauch (ZenN) gefördert wurden. Die EU will damit die technischen, finanziellen und gesellschaftlichen Hemmnisse für eine energetische Sanierung auf Quartiersebene ermitteln. Nach einem Jahr Monitoring steht fest, dass in den 250 sanierten Wohnungen 40 Prozent Energie eingespart wurde.

"Wenn man bedenkt, dass 80 Prozent aller Gebäude, die es 2050 geben wird, bereits heute stehen, sind erfolgreiche Sanierungsstrategien wichtig, um die Klimaziele der EU zu erreichen", heißt es auf der Website von ZenN. Deshalb hat die EU über fünf Jahre die Sanierung von Quartieren in Malmö, Grenoble, Oslo und in der baskischen Stadt Eibor gefördert.

Im Wohngebiet Lindängen südlich von Malmö wurden drei Achtgeschosser und ein Dreigeschosser saniert. Einer der Achtgeschosser bekam ein umfassendes Monitoringsystem für alle erneuerten Komponenten der Haustechnik. Wieviel Energie dort gespart wurde, kann man einer Tabelle entnehmen, die das Schwedische Umweltforschungsinstitut IVL erstellt hat.

Die teuerste Maßnahme war der Austausch der Fenster. Außerdem wurde die Lüftungsanlage erneuert und mit einer Wärmepumpe zur Rückgewinnung der Energie versehen. Auf den Dächern der Gebäude stehen jetzt Phovoltaikanlagen, die zum Eigenverbrauch im Gebäude dienen. Nicht genutzter Strom wird ins Netz eingespeist, was aber in Schweden nicht vergütet wird.

Fernwärme kommt aus dem Abfallheizkraftwerk

Interessant ist, dass die Fassaden nicht gedämmt wurden. Die Wärmerückgewinnung funktioniert trotzdem so gut, dass in den sanierten Gebäuden erst ab einer Außentemperatur von fünf Grad zugeheizt werden muss. Ist es kälter, kommt die Heizwärme über eine Fernwärmeleitung aus einem Müllheizkraftwerk.

Eine kleinere Maßnahme im Projekt war, die Aufzüge mit einer Anlage zur Rückgewinnung der Energie beim Abwärtsfahren zu versehen. Die Umwälzpumpen der Heizungsanlage wurden durch effizientere ersetzt und die Garagen bekamen eine LED-Beleuchtung.

Eine Überraschung brachte das Monitoring der gemeinsamen Waschmaschinen für alle Mieter im Keller. In Schweden gehören sie zur Wohnungsausstattung und sind in der Miete inklusive. Eine Waschmaschine und ein Trockner wurden nach der Sanierung über eine Wärmepumpe beheizt, zwei weitere Waschmaschinen wie vorher mit warmem Wasser aus dem Fernwärmenetz versorgt. "Mit der Wärmepumpe haben wir mehr Energie gespart als wir mit der Wärmerückgewinnung aus der Lüftungsanlage bekommen haben", berichtet Projektmanager John Hallerbeck vom Malmöer Umweltamt.

"Man spart Energie, wenn man selbst dafür zahlen muss"

Die Mieter müssen also recht häufig gewaschen haben, sonst wäre die Rechnung anders ausgefallen. Deshalb macht der Eigentümer der Immobilien, die Wohnungsgesellschaft Trianon, den Mietern ein neues Angebot: Sie können jetzt wählen, ob sie kostenlos waschen wollen oder ob sie weniger Miete bezahlen und das Waschen künftig im neuen Waschsalon der kleinen Siedlung selbst bezahlen wollen. "Dann werden die Waschmaschinen vielleicht nicht so leer sein wie diese", sagt die Marketingmanagerin von Trianon, Birgitta Bengtson, und zeigt auf eine gerade mal viertel volle Waschmaschine. "Man spart Energie, wenn man selbst dafür zahlen muss", meint sie.

Für Trianon hat sich das Projekt insofern ausgezahlt, als die Mieter zufriedener sind und weniger oft umziehen. "Ein Mieterwechsel kostet uns etwa 30.000 Kronen", sagt der Verwalter der Anlage. Das sind immerhin 4300 Euro. Doch seit der Sanierung ist die jährliche Umzugsrate von 20 auf sechs bis sieben Prozent gesunken. Die Mieter zahlen jetzt im Schnitt 150 Euro Miete mehr. "Wir sind uns bewusst, dass Sanierungen Mieter vertreiben können und das wollen wir vermeiden", sagt Birgitta Bengtson. Die Kosten der Sanierung in Höhe von umgerechnet 18,6 Millionen Euro haben sich Trianon und die EU geteilt.

Gerade arbeitet das Schwedische Umweltinstitut am Abschlussbericht für die Maßnahmen in Malmö. Im Bericht über die identifizierten Hindernisse aller vier Sanierungsgebiete nennen die Projektpartner drei Gründe, warum die Sanierung von Bestandsgebäuden so schwierig ist: Die Amortisierung der Maßnahmen ist mit 15 bis 30 Jahren sehr lang. Es gibt Gründe, warum der Vermieter die Miete nicht erhöhen kann. Und es gibt sehr wenige finanzielle Instrumente, mit denen die EU die energetische Sanierung von Bestandsgebäuden direkt fördert.

Neben diesen allgemeinen Hindernissen beschreiben die Projektpartner folgende Probleme beim Entscheidungsprozess für eine Sanierung: Auf technischer Ebene gibt es durch die Struktur der Gebäude nur eine begrenzte Anzahl von Lösungen. Die Investitionskosten sind zu hoch. Auf sozialer Ebene gibt es zu wenig Kenntnisse oder zu wenig Interesse an Energieeffizienzmaßnahmen.

Am 19. Oktober findet in Bilbao die Abschlusskonferenz von ZenN statt. Das Projekt lief über fünf Jahre und wurde aus dem siebten Rahmenprogramm zur Forschungsförderung in der EU finanziert. Von Susanne Ehlerding

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