Deneff veranstaltet Jahresauftaktkonferenz

Energieeffizienz kommt immer besser an

Die Superheldin Effizienzia stand für ein Fotoshooting bereit. © Ehlerding

Die Deutsche Unternehmensinitiative Energieeffizienz (Deneff) hat es geschafft: Energieeffizienz wird mehr und mehr als wichtige Säule der Energiewende wahrgenommen. Das lobten mehrere Redner bei der Jahresauftaktkonferenz der Deneff in Berlin. Symbolisch stand dafür der Auftritt der Superheldin Effizienzia, die mit der Kraft der eingesparten Kilowattstunde die Welt vor der CO2-Verschmutzung rettet.

So wichtig der Ausbau der erneuerbaren Energien für den Klimaschutz auch ist – ohne eine Senkung des Verbrauchs wird es nicht gehen. Diese Botschaft zog sich durch alle Vorträge. Wobei Energieeffizienz nicht nur Sparen ist, sondern viele angenehme Nebeneffekte hat, wie Martin Bornholt von der Deneff ausführte. Im Baubereich bringe Energieeffizienz beispielsweise mehr Behaglichkeit. "Weniger + mehr" lautete deshalb das Motto der Konferenz.

Die geschäftsführende Wirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) lobte das Erreichte: Energieverbrauch und Wirtschaftswachstum hätten sich seit 2008 entkoppelt. Zuletzt sei der Energieverbrauch allerdings wieder gestiegen, räumte Zypries ein. Fördergelder für Energieeffizienz fließen reichlich: Vom Pilotprogramm "Einsparzähler" für neuartige Contracting-Plattformen bis zur Initiative EnEFF.Gebäude.2050. Das Programm ist mit 54 Millionen Euro dotiert und soll den Transfer von der Forschung in die Praxis fördern. Fehlt noch, dass die Energieberatung ausgebaut und auf neue Zielgruppen ausgerichtet wird, sagte Zypries.

DGB-Chef Reiner Hoffmann lobte die Vereinbarungen zur Energieeffizienz im Koalitionsvertrag – eins gefällt ihm daran aber nicht: Die Mittel für Steuererleichterungen zur energetischen Gebäudesanierung seien nicht ausreichend. Zwei Milliarden Euro sieht die Koalition für die Gebäudesanierung und zur Wohneigentumsförderung von Familien vor. Hoffmann fordert allein für die Gebäudesanierung fünf Milliarden Euro.

Lobbydruck beim Niedrigstenergiestandard

Noch deutlicher wurde Sascha Müller-Kraenner, Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe: "Deutschland verfehlt seine Ziele bei der CO2-Reduktion, der Energieeffizienz und beim Ausbau der erneuerbaren Energien", kritisierte er. Auf keinen Fall dürfe man jetzt dem "Lobbydruck" beim Niedrigstenergiestandard für Neubauten nachgeben. Diesen muss Deutschland demnächst laut EU-Recht festlegen. Die Entscheidung könnte auf den KfW-40- oder den KfW-55-Standard hinauslaufen. Ambitionierter wäre der KfW-40, also Neubauten, die nur 40 Prozent des Verbrauchs eines nach aktueller Energieeinsparverordnung errichteten Gebäudes haben.

Wie man energetisch gut bauen kann, berichtete Olaf Höhn von der Berliner Florida-Eis Manufaktur. Das Vorzeigeobjekt in Sachen energetischer Effizienz nahm er 2013 in Spandau in Betrieb. Höhns Ziel war eine CO2-neutrale Speiseeisproduktion. Gar nicht so einfach, wenn man bedenkt, dass für die Herstellung von Eis viel Hitze fürs Pasteurisieren der Grundmasse und viel Kälte zum Kühlen gebraucht werden.

Dem Eishersteller kam zugute, dass er Idealnutzer von Solarthermie ist. Denn im Sommer, wenn die Sonne brennt, läuft die Produktion auf Hochtouren. Heißes Wasser gewinnt Florida-Eis dann zu großen Teilen aus einer solarthermischen Anlage auf dem Dach – und macht daraus Kälte mit einer Adsorptionskälteanlage. Die Anlage der Haller Firma Fahrenheit kommt gut mit den relativ geringen Wassertemperaturen aus der Solarthermie zurecht. "Leider hat bisher niemand unsere einmalige Tiefkühlzelle nachgebaut", bedauerte Höhn.

"Unsägliche Diskussion über Kosten"

"Warum tun wir uns so schwer?", fragte der Architekt Burkhard Schulze Darup, ein Vorreiter des energiesparenden Bauens in Deutschland. Das energetisch gute Bauen ist offenbar auch eine "kulturelle Leistung", die erst einmal verstanden werden muss. Schulze Darup ärgerte sich über die "unsägliche Diskussion über Kosten" des energieeffizienten Bauens, die gerade wieder aufgeflammt ist.

Die großen Leitlinien zeichnete Umweltstaatssekretär Jochen Flasbarth (SPD): "40 bis 42 Prozent Emissionsminderung im Verkehr bis 2030 wird alles andere als trivial", kommentierte er Abmachungen im Klimaschutzplan 2050. Und: "Wer unbedingt glauben will, dass er mit 80 Prozent Emissionsminderung bis 2050 davonkommen wird, mag es tun." Zuletzt hatte eine Studie des Industrieverbandes BDI ergeben, dass eine CO2-Reduktion von 80 Prozent gegenüber 1990 volkswirtschaftlich mit einem Plus möglich wäre. Flasbarths Vision ist eine andere, nämlich die "vollständige Dekarbonisierung von Energieerzeugung und Industrieprozessen". Die Restemissionen, die Deutschland dann noch erzeugen würde, kämen allein aus der Landwirtschaft.

Aus Gesprächen mit Freunden aus der Branche der erneuerbaren Energien weiß Flasbarth, dass das Konzept "Energieeffizienz zuerst" oft als Kampfbegriff gegen die Erneuerbaren verstanden wird. Man brauche aber beides. "Sonst würde die Klimapolitik krachend scheitern." Flasbarth forderte, die Steuerförderung für die energetische Gebäudesanierung müsse nun wirklich schnell kommen, um Attentismus zu verhindern. Zuletzt kritisierte er indirekt eine Abmachungen im Koalitionsvertrag, die eine weitere Verschärfung der Energieeinsparverordnung ausschließt. "Mit dem Stand von 2016 wird man nicht zurechtkommen, wenn man das langfristige Klimaschutzziel erreichen will", sagt Flasbarth.

Julia Verlinden, energiepolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag, kritisierte am Rande der Konferenz dass der jährliche Monitoring-Bericht zum Fortschritt der Energiewende und die Stellungnahme der Expertenkommission dazu noch immer nicht veröffentlicht sind. Der Bericht enthält auch Angaben zur Energieeffizienz. Normalerweise wird er im Dezember im Kabinett verabschiedet. Vom Ziel bis 2050 sei man jedenfalls noch weit entfernt und auch der Nationale Aktionsplan Energieeffizienz habe bisher nicht gebracht, was vorgesehen war, sagte Verlinden.

Klimaleuchten gewinnen Perpetuum-Preis

Optimistisch stimmen dagegen die guten Lösungen, die mit dem Perpetuum-Energieffizienzpreis der Deneff ausgezeichnet wurden. Zum Sieger kürte die Jury das Unternehmen Interpanel für seine akustisch wirksamen Klimaleuchten, die gleichzeitig für ein gutes Raumklima sorgen. Den Publikumspreis erhielt Fresh Energy für transparente Stromrechnungen ohne Abschlagszahlungen. Eine App visualisiert den Stromverbrauch live und motiviert so zum Stromsparen. Einen Sonderpreis für Nachwuchsprojekte bekam ein Azubiteam des IT-Anbieters Diebold Nixdorf.

Bereits am Montag standen die Sieger eines Energy Efficiency Hacks fest, den die Deneff vor der Konferenz veranstaltet hatte. Thema war, wie Energiesparen in Gebäuden und Unternehmen noch besser gelingt. Die Jury ehrte als Gesamtsieger die deutsch-britisch-schwedisch-spanische Gruppe SchüCozy. Sie programmierte ein Tool, das in bestehende Onlinebuchungsplattformen integrierbar ist. "Mit unserem System kann der Hotelgast schon bei der Buchung seine individuellen Temperaturwünsche festlegen", erklärte Christian Ribback, Student an der Königlich Technischen Hochschule Stockholm, für die Gewinnergruppe. von Susanne Ehlerding

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