Dena: Emissionen bepreisen und Ausbaukorridore erweitern

Energie- und Klimaplan muss in die Revision

Die Umwandlung von PV-Strom in Brennstoff soll die Energiewende voranbringen. © BSW

Der Energie- und Klimaplan ist in der derzeitigen Fassung laut Deutsche Energie Agentur (Dena) nicht mehr zielführend. Es brauche weitere Säulen für die Umsetzung der Energiewende. Zudem müssten neue Instrumente eingesetzt und der Energieverbrauch gesenkt werden.

Die Zielarchitektur des integrierten nationalen Energie- und Klimaplans (NECP) aus dem Jahr 2015 ist überholt, weshalb die Dena in ihrer Stellungnahme eine grundlegende Überarbeitung empfiehlt. Seither sind internationale Verpflichtungen eingegangen worden, wie die Ratifizierung des Pariser Klimaabkommens. Die Bundesregierung hat sich auf EU-Ebene für Klimaneutralität bis 2050 eingesetzt. Auch spielt das Thema Sozialverträglichkeit im gesellschaftlichen Diskurs eine zunehmend wichtigere Rolle. Aus diesem Grund sollte laut Dena das bisherige energiewirtschaftliche Zieldreieck weiterentwickelt werden und gleichermaßen Klimaneutralität, Wirtschaftlichkeit, Versorgungssicherheit, Umwelt- und Sozialverträglichkeit addressieren.

Anpassungsbedarf sieht die Agentur auch bei den strategischen Zielen der Energiewende. Erkenntnisse aus der hauseigenen Leitstudie zeigen, dass die bisherige Zwei-Säulen-Strategie mit dem Ausbau der erneuerbaren Energien und Energieeffizienz nicht hinreichend effizient ist. Die Agentur plädiert deshalb für den Einsatz von synthetischen Kraft- oder Brennstoffen auf Basis erneuerbarer Energien als weitere Säule sowie für konkrete Klimaziele, die mit Maßnahmen und einem definierten Zeithorizont hinterlegt sind. Die Zielerreichung muss innerhalb eines transparenten Prozesses kontinuierlich überprüft werden.

Emissionen bepreisen

„Die Bundesregierung ist in Sachen Energiewende und Klimaschutz erheblich gefordert“, sagt Dena-Chef Andreas Kuhlmann. „Denn ob wir die Klimaschutzziele überhaupt noch erreichen können, entscheidet sich jetzt. Gleichzeitig eröffnet der Klimaschutz enorme industriepolitische Chancen, mit denen Deutschland wieder eine Vorreiterrolle übernehmen kann. Ein wichtiger Hebel dafür ist die Förderung innovativer Geschäftsmodelle von Start-ups, die einen großen Beitrag zu einer nachhaltigen Energiezukunft leisten können.“ 

Die Wirtschaftskraft Deutschlands hängt laut Dena neben Förderinitiativen des Bundes von unternehmerischer Eigeninitiative und Technologieentwicklung ab. Gerade die digitalen Wertschöpfungsbereiche werden von jungen Unternehmen mitbestimmt. Entsprechend sollte die Bundesregierung darauf achten, jungen Unternehmen den Zugang zu finanziellen Mitteln und die Einbringung in die politische Prozessgestaltung zu erleichtern. Nur dann können Start-ups ihre Innovationen für eine integrierte Energiewende einbringen. 

Die bislang ergriffenen Maßnahmen zur Dekarbonisierung des Energiesektors sind nach Einschätzung der Dena ungenügend, um die Treibhausgasminderungsziele für 2030 zu erreichen. Es müssen sektorübergreifende und integrierte Lösungsansätze implementiert und die Emissionen in den Sektoren Wärme und Verkehr bepreist werden. Das könne über eine nationale CO2-Steuer, ein nationales Emissionshandelssystem für Wärme und Verkehr oder eine Ausweitung des Europäischen Emissionshandels erfolgen.

Ausbaukorridore erweitern

Die Dena bewertet die im Nationalen Energie- und Klimaplan beschriebene kontinuierliche Steigerung des Anteils erneuerbarer Energien am Bruttoendenergieverbrauch positiv. Um jedoch die Klimaziele bis 2050 zu erreichen, ist ein Nettozubau von durchschnittlich bis zu 8,5 Gigawatt jährlich erforderlich. Dafür sollten die bestehenden Ausbaukorridore für erneuerbare Energien im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) erweitert werden. Neue Marktinstrumente wie Green Power Purchase Agreements (PPA) können den kosteneffizienten Ausbau erneuerbarer Energien weiter voranbringen.

Neben dem Ausbau der erneuerbaren Energien ist die Senkung des Energieverbrauchs eine tragende Säule der Energiewende. Die dena ist für das Prinzip „Efficiency First“ und damit für die Priorisierung der Energieeffizienz bei der Ausgestaltung der Energiewende. Weniger Energieverbrauch bedeutet weniger Nutzung fossiler Energien, heißt Substitution durch neue technische Lösungen und Dienstleistungen, heißt Wertschöpfung, Arbeitsplätze, Umwelt- und Klimaschutz. Nur mit einer deutlichen Senkung des Energieverbrauchs in allen Energieverbrauchssektoren wird es realistisch, die energie- und klimapolitischen Ziele der Energiewende bis 2050 zu erreichen, wobei sich große Potenziale im Gebäudebereich befinden. Quelle: dena/al

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