Schwieriges Umfeld dämpft Branchenentwicklung

Effizienz-Branche verzeichnet 2016 nur kleines Plus

Nicolas Deutsch (PwC, rechts im Bild): Energiepreise verlieren als Effizienzanreiz an Relevanz. © A. Morhart

Der mit Energieeffizienz-Angeboten auf dem deutschen Markt erreichte Umsatz lag 2016 um etwa 6 Prozent höher als im Vorjahr, ebenso die Zahl der Erwerbstätigen. Diese auf einer groben Hochrechnung fußenden Marktkennzahlen gab Martin Bornholdt von der Deutschen Unternehmensinitiative Energieeffizienz (Deneff) bei der Vorstellung des Branchenmonitors Energieeffizienz 2017 in Berlin bekannt.

Die Steigerungsraten zwischen 2011 und 2012, als der Anstieg bei den Erwerbstätigen rund 10 Prozent, beim Umsatz sogar 16 Prozent betragen hatte, wurden 2016 bei weitem nicht mehr erreicht. Gegenüber 2014 und 2015, als die Energieeffizienzbranche sowohl bei den Erwerbstätigen als auch beim Umsatz noch um fast 10 Prozent zugelegt hatte, hat sich die Steigerungsrate nahezu halbiert.

Andererseits liegen die 6 Prozent von 2016 immer noch um das Vierfache höher als die sonstige Umsatzentwicklung derselben Firmen auf anderen Geschäftsfeldern, so Nicolas Deutsch von Pricewaterhouse Coopers. Das Beratungshaus ist für die Auswertung der Zahlen verantwortlich.

Energiepreise verlieren Relevanz

Während die Energiepreisentwicklung bei der Unternehmensbefragung vor drei Jahren noch von über 90 Prozent der Firmen als "wichtiger Faktor" für den Absatzmarkt benannt worden war, sind es bei der aktuellen Umfrage nicht einmal mehr 60 Prozent. PwC-Berater Deutsch führte das auf die Energiepreissenkungen zurück: "Je höher die Preise sind, desto eher entscheiden sich Kunden, ein Effizienzprojekt durchzuführen."

Auch Nachhaltigkeit ist Kunden lange nicht mehr so wichtig. Die beiden am häufigsten genannten Faktoren mit jeweils über 80 Prozent sind jetzt "politische Rahmenbedingungen" - unter anderem die EU-Energieeffizienzrichtlinie - und "technologische Innovationen".

Steueranreiz könnte Effizienz voranbringen

Bei den politischen Rahmenbedingungen für den Gebäudesektor kritisierte Martin Bornholdt das Scheitern des Versuchs, einen Steueranreiz für Energieeffizienz einzuführen: "Alle Verbände vom BDI bis zum BUND und alle Parteien sagen, das ist ein Spitzen-Instrument - und dann kommt das nicht wegen irgendwelcher Bund-Länder-Befindlichkeiten."

Christian Noll, ebenfalls für die Deneff tätig, beklagte: "Bei der Kraft-Wärme-Kopplung wurden im Zwei-Monats-Rhythmus neue Gesetzesvorschläge und Verordnungserlasse auf den Markt gebracht, die eigentlich immer weiter eine Verschlechterung gebracht haben - und das auch im Widerspruch zur EU-Energieeffizienzrichtlinie, die schon 2012 ganz klar gesagt hat: regulatorische Barrieren müssen beseitigt werden." Konkret bedeute das, "nicht einseitig auf die Erzeugungsseite abzustellen", wie das jüngst beim Mieterstromgesetz passiert sei.

Bornholdt sieht hier ein grundsätzliches Problem der getrennten Betrachtung im Bundeswirtschaftsministerium: "Da sind das zwei verschiedene Abteilungen. Da wird eben wenig miteinander geredet, und dann wird hier ein Gesetz für die Erzeugungsseite gemacht, hier wird ein Programm für die Verbrauchsseite gemacht - aber wie das ganze interagiert, wird wenig berücksichtigt." Es gehe aber nicht um ein Ausspielen von erneuerbarer Erzeugung und Verbrauchssenkung gegeneinander.

Orientierung an geringsten Kosten wäre sinnvoll

Als gutes Vorbild verwies Bornholdt auf einen Ansatz in einzelnen Bundesstaaten der USA, wo das Ziel mit den jeweils geringsten Kosten erreicht werden soll ("Least-cost-planning"). Dort werde die eingesparte Kilowattstunde gegen neue gerechnet: "Bevor ich ein neues Kraftwerk bauen darf, muss ich erst mal nachweisen, dass ich es nicht günstiger einsparen kann." Als weitere wichtige Punkte im Bereich der Gebäude nannte Martin Bornholdt das Zusammenspiel der Gewerke auf der Baustelle und die Qualitätssicherung. Zum Beispiel müsse die Wärmedämmung dem Heizungs- und Lüftungssystem angepasst werden, um die gewünschte Wirkung zu erzielen. Das könne der Eigenheimbesitzer oder "Häuslebauer" im Zweifelsfall direkt bei der Bauabnahme gar nicht nachvollziehen. "Das einzige halbwegs qualitätssichernde Moment" sei da bislang die verpflichtende Baubegleitung beim KfW-55-Haus. Von Alexander Morhart

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