Nach fünf Jahren sind 13.855 Berater gelistet

Die Dena-Expertenliste hat sich durchgesetzt

Dena-Bereichsleiter Christian Stolte: Standard ist über Expertenliste definiert. © Dena

In der Liste für Energie-Effizienzexperten sind mittlerweile knapp 14.000 Fachleute eingetragen, davon zirka 9000 Architekten und Ingenieure und 5000 Handwerker.

"Energieberater" kann sich jeder nennen, und in manche Internet-"Experten"-Listen kann man sich einfach selbst eintragen. In die Energieeffizienz-Expertenliste der Deutschen Energie-Agentur (dena) schafft es dagegen nur, wer Weiterbildungen oder Referenzprojekte nachweist. Faktisch stellt die dena-Liste so etwas wie einen Standard im Beratungsmarkt dar, denn seit 2014 muss bei vielen KfW-Fördermaßnahmen im Gebäudebereich ein Berater aus der Expertenliste beteiligt werden.

Aber wäre es nicht besser, aus dem "Energieberater" gleich einen geschützten Beruf zu machen, wie es zum Beispiel die Deutsche Bundesstiftung Umwelt fordert. Nein, sagt Christian Stolte, der als Bereichsleiter Energieeffiziente Gebäude bei der Dena für die Liste verantwortlich ist: "Aus unserer Sicht ist es der einfachere, bessere und schnellere Pfad, dass man einen Standard am Markt etabliert über diese Expertenliste und darüber ein Qualitätsmerkmal definiert."

Der reguläre Weg, um sich eintragen zu lassen: Ein Berater hat bereits die Ausstellungsberechtigung für Energieausweise (§ 21 der EnEV) sowie eine BAFA-Antragsberechtigung und macht die geforderten Weiterbildungen samt Abschlussprüfung. Je nach Vorkenntnissen bedeutet das bis zu 280 Stunden bei einem Bildungsträger.

Die Weiterbildungsinstitute werden von der Dena nicht direkt kontrolliert, aber Christian Stolte verweist bei dieser Frage auf zwei Mechanismen: "Viele Weiterbildungsträger haben ein eigenes Qualitätssicherungssystem oder lassen sich zertifizieren. Und zusätzlich regelt sich das über Angebot und Nachfrage: Die Berater suchen sich qualitativ gute Institute aus, wenn sie schon Aufwand für eine Weiterbildung betreiben müssen, denn sie wollen dabei ja auch etwas lernen."

In der Branche geht das Gerücht um, es werde darüber nachgedacht, für Handwerker die Anforderungen bei Einzelmaßnahmen herunterzusetzen. Christian Stolte wollte das im Gespräch weder bestätigen noch dementieren und sagte nur: "Letzten Endes ist das eine Entscheidung des BMWi."

Die grundsätzliche Kritik, die zu Beginn vor allem von der Bundesarchitektenkammer und Ingenieurverbänden kam, ist verstummt. Martin Sambale, Geschäftsführer des Energie- und Umweltzentrums Allgäu (eza), steht der Liste ohnehin positiv gegenüber: "Die Dena-Liste ist insgesamt sinnvoll, weil sie für die Fachleute den Druck erhöht, sich weiterzubilden. Für Verbraucher ist sie wichtig, weil sie damit Fachleute mit einer Mindestqualität erkennen können." Zwar sei die Aussagekraft begrenzt, doch das sei bei jeder Liste so: "Alle Referenzprojekte kann man nur mit großem Aufwand prüfen. Ein Prüfer müsste zumindest eine Plausibilitätskontrolle durchführen oder besser nochmal alles nachrechnen (EnEV-Nachweis, Wärmebrücken...).

Die Dena kontrolliert die eingereichten Nachweise stichprobenhaft. Allerdings betont Stolte, der Standard gehe über die Weiterbildung. "Referenzen sind eher als Praxisnachweise für die Weiterführung der Listung nach drei Jahren gedacht, um tatsächlich aktive Leute drin zu haben und nicht 'Karteileichen'."

Die Dena hat 23 Institutionen als "Netzwerkpartner" anerkannt, die zum Teil eigene Listen betreiben, aber, so Stolte, "alle auf dem gleichen Qualifikationslevel wie wir". Dazu zählen unter anderem die Energieberaterverbände GIH und DEN und das eza.

Die Berater sieht Stolte als Verbündete: "Von vielen wird die Expertenliste inzwischen als Marketing-Instrument wahrgenommen." Ein Drittel der Aufträge bekämen einer Umfrage zufolge gelistete Berater über die Expertenliste. Dabei ist die KfW nicht kleinlich, wenn ein Energieberater - aus welchen Gründen auch immer - irgendwann auf seinen Eintrag verzichtet. Stolte: "Wenn der Berater beim Beantragen einer Fördermaßnahme auf der Liste steht, kann der Bauherr das Vorhaben auf jeden Fall zu Ende führen - auch wenn der Berater dann nicht mehr auf der Liste ist."

Während manch anderer Anbieter von Übersichtslisten weniger als 2.000 Eintragungen vorweisen kann, ist auf der Dena-Suchseite die Zahl der Experten mit aktuell 13.855 angegeben, davon über 9.000 Architekten und Ingenieure. Eine Stichprobe zeigt, dass man durch diese hohe Marktdurchdringung selbst im ländlichen Raum zumindest einen KfW-antragsfähigen Handwerker finden kann.

Viel erfährt man über den einzelnen Experten allerdings nicht. Angegeben sind gerade einmal die Ausbildung, die Zulassung zu den BAFA- und KfW-Förderprogrammen sowie die Mitgliedschaft bei einem der Netzwerkpartner. Viele Berater haben immerhin einen Link auf ihre Internetseite eingetragen. Als Bauherr würde man sich allerdings eine Bewertungsfunktion wünschen, wie sie zum Beispiel bei großen Internethändlern und Ärzteportalen zu finden ist. Christian Stolte dazu: "Wir haben lange diskutiert, ob wir eine Bauherren-Einschätzung hereinnehmen. Aber wir müssten jede dieser individuellen Äußerungen nachprüfen, und es lässt sich schwer nachweisen, inwiefern etwa eine kritische Bewertung gerechtfertigt ist. Das wäre ein Riesenaufwand, deshalb sind wir da zurückhaltend."

Der Aufwand ist bei 52.000 Suchanfragen pro Monat auch so schon immens. Eine Angabe macht die dena nicht, aber die Einnahmen durch Gebühren für die Berater - die vollständig für die Liste verwendet werden - dürften sich auf jährlich rund 1,3 Millionen Euro summieren. von Alexander Morhart

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