Energiewende würde mit synthetischen Brennstoffen billiger

Dena empfiehlt Technologieoffenheit

Dena-Chef Andreas Kuhlmann (beleuchtet) und die beteiligten Wissenschaftler bei der Vorstellung der Studie. © Ehlerding

Die Energiewende im Gebäudesektor lässt sich bis 2050 am besten realisieren, wenn Effizienztechnologien zusammen mit erneuerbaren Energien eingesetzt werden und die Hälfte des Heizbedarfs mit Gas und Öl gedeckt wird. Allerdings sollen die Brennstoffe im Ausland mit erneuerbarem Strom synthetisch hergestellt werden. Das ist das Ergebnis einer neuen Studie der Allianz für Gebäude-Energie-Effizienz (Geaa), der Deutschen Energie-Agentur (Dena) und weiterer Branchenverbände. Eine vollständige Elektrifizierung der Wärmeversorgung würde dagegen zu höheren Kosten führen und höhere Sanierungsraten erfordern.

In der Studie werden unterschiedliche Pfade für einen nahezu klimaneutralen Gebäudebestand im Jahr 2050 miteinander verglichen und unter Aspekten wie Kosten, Energieimporte und Infrastrukturbedarf untersucht. "Die Klimaschutzziele im Gebäudesektor lassen sich erreichen, aber dafür müssen wir uns erheblich mehr anstrengen und mehr einfallen lassen als bisher. Das technologische Potenzial dafür steht aber zur Verfügung", sagte Andreas Kuhlmann, Geaa-Sprecher und Vorsitzender der Dena-Geschäftsführung, bei der Vorstellung der Studie in Berlin.

"Wir brauchen für den sehr heterogenen und kleinteiligen Gebäudesektor offene Technologiepfade, die Faktoren wie Bezahlbarkeit, Versorgungssicherheit und Akzeptanz seitens der Bevölkerung berücksichtigen", sagte Kuhlmann. "Dafür müssen die bestehenden Politikinstrumente verbessert und neue entwickelt werden. Dies betrifft beispielsweise die Ausweitung der Förderung oder die Intensivierung der Beratung." Wichtig sei: "Um einen effizienten Transformationspfad zu erreichen, werden erste entscheidende Maßnahmen sehr schnell anzugehen sein."

Referenzszenario erreicht nur 67 Prozent bis 2050

In der Gebäudestudie wurde auf den gleichen Szenarien aufgebaut wie bei der kürzlich mit einem Zwischenfazit vorgestellten Dena-Leitstudie Integrierte Energiewende, die Transformationspfade für alle Sektoren erarbeitet: Energieerzeugung und -verteilung, Gebäude, Industrie, Mobilität. Das Referenzszenario schreibt die heutigen Tendenzen fort. Es diente als Vergleichsgröße für zwei Alternativen: das Technologiemixszenario, das auf ein breites Spektrum an Technologien setzt, und das Elektrifizierungsszenario, das auf einen sehr starken Einsatz von erneuerbarem Strom im Wärmebereich abzielt.

Die Gebäudestudie zeigt, dass Deutschland bei einer Fortschreibung der heutigen Entwicklung seine Klimaschutzziele klar verfehlen würde. Der Gebäudesektor käme bis 2050 nur auf eine Reduktion der Treibhausgasemissionen um 67 Prozent im Vergleich zu 1990. Beide Alternativszenarien erreichen dagegen die klimaschutzpolitischen Ziele der Bundesregierung und mindern die Emissionen um 80 bis 95 Prozent. Tragende Elemente der zukünftigen Wärmeversorgung sind in beiden Szenarien die erneuerbaren Energien und die deutliche energetische Verbesserung der Gebäudehülle und der Anlagentechnik.

Steigerung der Sanierungsrate eine große Herausforderung

Nach dem Elektrifizierungsszenario müssten bis 2050 jedes Jahr rund zwei Prozent des gesamten Gebäudebestands in Deutschland saniert werden, um einen sehr breiten Einsatz von elektrischen Wärmepumpen zu ermöglichen. Im technologieoffenen Szenario würden dagegen 1,4 Prozent reichen. Hier würden neben Strom für Wärmepumpen auch zunehmend gasförmige und flüssige Brennstoffe zum Einsatz kommen, die mit Hilfe von erneuerbaren Energien synthetisch erzeugt und hauptsächlich aus Ländern mit starker Sonneneinstrahlung und vielen freien Flächen importiert werden. Dafür müssten rechtzeitig die entsprechenden nationalen und internationalen Märkte entwickelt werden. Wie genau dies erreicht werden könnte, dazu blieb Kuhlmann allerdings vage.

Scharfe Kritik an der Studie kam von der Deutschen Umwelthilfe (DUH). Unter dem Deckmäntelchen der Technologieneutralität sollten bestehende Strukturen zementiert und fossile Technologien möglichst lange im Markt gehalten werden. "Die Dena scheint nicht zu verstehen, dass in einem klimaneutralen Gebäudebereich kein Platz mehr für fossile Heizungen ist. Ab 2030 dürfen keine Öl- und Gaskessel mehr verbaut werden. Meinen wir es ernst mit den Klimazielen, muss unsere Versorgung bis 2050 fast vollständig auf der Basis von Wärmepumpen und dekarbonisierten Wärmenetzen umgestellt werden. Die Anteile von synthetischem Gas in privaten oder öffentlichen Gebäuden werden dann minimal sein", sagte der Bundesgeschäftsführer der DUH, Sascha Müller-Krenner.

Unterschiede bei Kostenbilanz und Energieverbrauch

Der technologieoffene Pfad ist laut Dena jedenfalls um sieben bis acht Prozentpunkte günstiger als das Elektrifizierungsszenario - je nachdem, ob man 80 oder 95 Prozent Emissionsminderung erreichen möchte. Denn dieser Pfad erfordere weniger Investitionen in Gebäudehülle und Anlagentechnik, etwa weil elektrisch betriebene Wärmepumpen eine besser gedämmte Gebäudehülle brauchen. Im Vergleich zum Referenzszenario erreicht der technologieoffene Pfad die Klimaschutzziele für Mehrkosten von insgesamt 12 bis 14 Prozent. Das Elektrifizierungsszenario kommt auf Mehrkosten von 20 oder 21 Prozent.

Dagegen fallen die höheren Kosten für die Beschaffung der erforderlichen Brennstoffe laut Berechnungen der beteiligten Institute weniger ins Gewicht. Und das obwohl sie auch in Zukunft etwa fünfmal teurer sein werden als fossile Brennstoffe.

Deutliche Unterschiede weisen die beiden Szenarien auch bei der Entwicklung des Energieverbrauchs im Gebäudesektor. Die höhere Sanierungsrate, die die Elektrifizierung mit sich bringt, führt zu einer Senkung des Energieverbrauchs um gut 60 Prozent bis 2050 im Vergleich zu 2015. Im Technologiemixszenario liegt der Wert bei circa 47 Prozent, weil weniger saniert wird.

Trotzdem lassen sich auch hier die Klimaschutzziele erreichen, weil der Strom sowie die gasförmigen und flüssigen Brennstoffe mit Hilfe von erneuerbaren Energien erzeugt werden. Sie wären also klimaneutral. Hinzu kommt, dass im technologieoffenen Pfad der Strombedarf nicht so stark ansteigt. Die Fluktuation im Stromnetz ist dadurch geringer und es muss weniger gesicherte Leistung vorgehalten werden. Quelle: Dena / sue

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