Verband für Wärmelieferung diskutiert Contracting im Quartier

Contracting wartet auf neue Geschäftsmodelle

Tobias Dworschak, Geschäftsführer des Verbandes für Wärmelieferung. © VfW

Zwei Kongresse drehten sich dieser Tage ums Contracting: Beim Jahreskongress des Verbandes für Wärmelieferung (VfW) ging es auf dem Euref-Campus in Berlin ums Contracting im Quartier. Das Kompetenzzentrum Contracting der Klimaschutz- und Energieagentur Baden-Württemberg (KEA) informierte in Stuttgart darüber, wie Unternehmen, Kommunen und öffentliche Einrichtungen das Instrument nutzen können.

Beim Energie-Contracting übernimmt ein Energiedienstleister sowohl Planung, Bau und Betrieb als auch das finanzielle Risiko einer Sanierung. Unterschieden wird zwischen Energieliefer-Contracting und Energiespar-Contracting. Seine Vergütung erhält der Contractor beim Energieliefer-Contracting über einen Grund- und Arbeitspreis, beim Energiespar-Contracting über die Energieeinsparung des Gebäudeeigentümers.

Quartierslösungen gelten als wesentlicher Baustein zum Gelingen der Energiewende und waren deshalb Thema des VfW-Jahreskongresses. Der Verband bündelt die Interessen von mehr als 250 Mitgliedsunternehmen. Im Energiecontracting arbeiten in Deutschland rund 10.000 Menschen. Es erzielt laut VfW CO2-Einsparungen von 2,7 Millionen Tonnen pro Jahr.

Modelle für effiziente Quartiere

Carsten Müller, CDU-Bundestagsabgeordneter und Vorstandsvorsitzender der Deutschen Unternehmensinitiative Energieeffizienz, lobte das Contracting in seinem Grußwort als maßgeschneiderte Lösung für Energieversorgung und -einsparung. "Bei der Entwicklung von grünen Stadtquartieren schaffen innovative Contractingmodelle die Voraussetzungen für nachhaltige energetische Lösungen sowie für eine unabhängige, dezentrale Energieerzeugung", sagte Müller.

Ein Beispiel: Das zurzeit größte genossenschaftliche Bauprojekt Deutschlands, der "Möckernkiez" in Berlin-Kreuzberg, lagerte die Wärmelieferung als Contracting-Dienstleistung in seinem Quartier mit knapp 500 Wohnungen aus. Die Bewohner bekommen Trinkwarmwasser und Heizenergie nun aus einem Gas-Blockheizkraftwerk und zwei teillastfähigen Gas-Spitzenlastkesseln. Vier Wärmespeicher mit je 3000 Liter Wasser puffern die Erzeugung, verteilt wird das warme Wasser über ein Nahwärmenetz und Übergabestationen in den Kellern. Die Solarpaneele auf dem Dach liefern außerdem Mieterstrom.

Contractoren bewältigen Komplexität

Das Beispiel zeigt: "Ein Contractor kann ganz andere Konzepte entwickeln, als es bei Einzelheizungen in jedem Gebäude möglich wäre", sagt Christian Tögel, Contracting-Experte bei der Energieagentur NRW. "Die Versorgungskonzepte werden immer komplexer und da lohnt es sich, jemand ins Boot zu holen, der einem die Recherche und die Planungsarbeit abnimmt", sagt Tögel. Der energieeffiziente Betrieb über die Lebensdauer der Energieerzeugungsanlage mache dann den wirklichen Unterschied aus. "Hier wird durch den professionellen Betrieb durch den Contractor im Vergleich zum Eigenbetrieb ein dauerhaft höherer Wirkungsgrad bei der Energieumwandlung erzielt", weiß der Experte.

Contracting macht Sanierungen einfacher finanzierbar

Auch für den hohen Kapitalbedarf bei der Umsetzung von Energieeinspar-Maßnahmen kann Contracting eine Lösung sein, wurde beim Kongress der KEA in Stuttgart deutlich. In ihrem Contracting-Leitfaden weist die KEA darauf hin, dass das Einsparcontracting besonders für größere Liegenschaften mit Energiekosten von mehr als 30.000 Euro im Jahr geeignet ist. "Für das Energie-Einspar-Contracting sind kleinere Gebäude eher nicht geeignet", heißt es dort. Es gebe aber die Möglichkeit, kleinere mit größeren Liegenschaften zu einem Gebäudepool zusammen zu fassen. Beim Anlagen-Contracting gebe es aber keine Begrenzung der Energiekosten nach unten.

Auch einen Contracting-Preis vergibt die KEA zusammen mit der Wohnungswirtschaft in Baden-Württemberg. Beim 2017 gekürten Siegerprojekt traten die Stadtwerke Ulm als Contractor für eine kleine Neubausiedlung auf. Die KEA weist außerdem darauf hin, dass man sich die Planungs- und Projektierungskosten eines Contractings vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle fördern lassen kann.

Neue Geschäftsmodelle wären umfassender

"Das Contracting hat in den vergangenen 20 Jahren eine starke Entwicklung genommen", blickt Steffen Haller vom Arbeitskreis Einspar-Contracting auf seine lange Erfahrung in dem Bereich zurück. Der Niederlassungsleiter Energiemanagement bei Engie Deutschland arbeitet im Arbeitskreis Einspar-Contracting im VfW daran, mehr Wissen über Contracting zu verbreiten und die regulatorische Hemmnisse abzubauen.

Eines davon ist, dass sich Contracting in der Denke von üblichen Vergabeformen bei öffentlichen Aufträgen unterscheidet. "Bei Ausschreibungen werden diese oder jene Eigenschaften eines Baustoffs oder einer Anlage gefordert. Beim Contracting dagegen gibt es ein übergeordnetes Ziel, etwa das Raumklima zu verbessern oder Energie einzusparen", sagt Haller.

In der Gebäudestruktur und den unterschiedlichen Gewerken am Bau liegt ein anderes Problem beim Contracting: Wenn ein Gebäude umfassend über Contracting saniert werden soll, hängt beispielsweise der Verbrauch der Heizungsanlage auch von der Güte der Fassade ab. Das heißt: "Die Fassade wird darüber bezahlt, was später im Keller weniger läuft", sagt Haller. Ob die Fassade dann aber hält, was im Konzept der Energieeinsparung berechnet wurde, hat nicht der Contractor im Griff, sondern derjenige, der die Fassade baut.

Im Sinne der Energiewende sei es aber wünschenswert, wenn sich das Geschäftsmodell des Contractings weiterentwickeln könnte, meint Haller. Es sollte dabei nicht nur wie heute oft üblich, um die Heizung gehen, sondern um das ganze Gebäude. von Susanne Ehlerding

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