Kongress stellt Beispiele vor

Contracting bringt Schub für Energieeffizienz

Für das Projekt „Wohnen im Winzergarten“ holte sich Koch Wohnbau den Contracting-Partner Energiedienst mit ins Boot. © Koch Wohnbau

Contracting ist ein wirksames Instrument, um energieeffizientes Bauen und Sanieren voranzubringen, so der Tenor auf einem Kongress der Energieagentur Baden-Württemberg zu dem Thema. Beispielprojekte zeigen, wie sich entsprechende Konzepte dank des Fachwissens der Dienstleister umsetzen lassen. Knackpunkt ist aber der Wärmepreis.

Die Corona-Krise wird vielleicht nicht nur die Digitalisierung hierzulande vorantreiben. Auch das Contracting-Modell im Energiesektor könnte einen Schub erleben. Das glaubt jedenfalls Volker Kienzlen, Geschäftsführer der Klimaschutz- und Energieagentur Baden-Württemberg (KEA-BW). Das Auslagern der Energieversorgung an einen Dienstleister könne besonders Kommunen, das Gewerbe sowie Sozial- und Pflegeeinrichtungen dabei unterstützen, Energieeffizienz in ihren Liegenschaften zu steigern und dadurch viel Geld zu sparen, sagte Kienzlen auf dem Contracting-Kongress der KEA-BW, der am 28. Mai rein virtuell stattfand.

Ähnlich sieht es Helmfried Meinel, Ministerialdirektor im Ministerium für Umwelt, Energie und Klima Baden-Württemberg. Er hob den finanziellen Nutzen des Contracting-Modells hervor. „Contracting ermöglicht Investitionen im Bereich der Erneuerbaren oder der Energieeffizienz auch in Zeiten knapper Kassen – denn über die Laufzeit der Verträge hinweg wird ein energieeffizienter Betrieb der fachlich hochwertig geplanten und ausgeführten Anlage garantiert“, so Meinel in seinem Grußwort zur Eröffnung des Kongresses.

Contracting sorgt für Knowhow-Transfer

Contracting ergibt aber nicht nur aus finanziellen Gründen Sinn, lautet eine der Botschaften der Veranstaltung. Nicht immer ist bei Neubau oder Sanierung das nötige Knowhow vorhanden, um etwa ökologische Maßnahmen umzusetzen. Ein Dienstleister kann diese Lücke schließen.

Das Contracting stelle den Immobilieneigentümern quasi „einen Kümmerer zur Seite, der Fachwissen sowie Erfahrung besitzt und der auch eine Effizienzgarantie übernimmt“, sagt Konstanze Stein vom Kompetenzzentrum Contracting der KEA-BW. Auf dem Weg zur Energiewende gebe es häufig Unsicherheit. „Dann tauchen viele Fragen auf“, so Stein. „Was sind zukunftsorientierte Lösungen? Investiere ich in eine PV-Anlage? Oder dämme ich lieber?“

Expertise in komplexen Konzepten

Auch das Unternehmen Koch Wohnbau setzt auf das Knowhow eines Dienstleisters. Für sein Projekt „Wohnen im Winzergarten“ holte es den Contracting-Partner Energiedienst AG mit ins Boot. In dem Projekt ging es um den Bau von mehreren Mehrfamilienhäuser auf einem Hanggründstück im Markgräflerland. Ursprünglich sei dabei die Nutzung einer klassischen Heizanlage geplant gewesen, berichtet Philipp Grützner, einer der Geschäftsführer von Koch Wohnbau. In jedem Haus sollte standardmäßig eine Pelletheizung installiert werden. Doch Energiedienst habe ein Konzept vorgestellt, um „etwas Nachhaltigeres umsetzen zu können“, so Grützner.

Das Ergebnis: Im größten Haus ist nun ein Blockheizkraftwerk (BHKW) installiert, das über ein Nahwärmenetz alle übrigen Gebäude versorgt. Ein Gasbrennwertkessel unterstützt bei Spitzenlast oder wenn das BHKW ausfallen sollte. In jedem Gebäude gibt es eine Übergabestation mit Frischwasserladestation, um die Rundlauftemperaturen niedrig zu halten. „So lassen sich BHKW sowie Spitzenlastkessel optimal nutzen“, erklärt Klaus Nerz, Leiter Wärme- und Energielösungen bei Energiedienst.

Der Primärenergiefaktor liegt zwischen 0,3 und 0,4. Zusätzlichen Strom liefert eine Photovoltaikanlage auf dem Dach eines der Häuser. Sie ist gemeinsam mit dem BHKW auch die Basis für ein Mieterstrommodell. Insgesamt werden auf diese Weise jährlich 235.000 Kilowattstunden Strom produziert. Der Bedarf liegt aber nur bei etwa 140.000 Kilowattstunden.

Das BHKW wird klassisch mit Erdgas betrieben. Energiedienst habe sich aber entschieden, dieses Jahr komplett klimaneutral zu werden, berichtet Nerz. „Da wir noch Erdgas nutzen, kompensieren wir das anfallende CO2 mit anderen Projekten.“ So sei die gesamte Wohnanlage klimaneutral, erklärt Nerz.

Grützner betont, dass das Konzept ohne einen Contracting-Partner nicht umsetzbar gewesen sei. „Das Knowhow und die Erfahrung von Energiedienst war entscheidend. Die machen solche Projekte schließlich tagtäglich“, so der Geschäftsführer. „Wir wären sicher viel vorsichtiger an das Projekt herangegangen.“

Wärmepreis ist entscheidende Kenngröße

Er sieht Contracting ebenfalls als gutes Instrument, um energieeffizientes Bauen erfolgreich umsetzen zu können. Sein Unternehmen hat daher schon neue Projekte im Visier, die es gemeinsam mit Energiedienst angehen möchte.

Er mahnt jedoch, bei einem Contracting-Projekt besonders auf den Wärmepreis zu achten. Denn der könne beim Contracting „leicht aus dem Ruder laufen“. Für die Endabnehmer im Winzergarten liegt der Netto-Wärmepreis bei 9,8 Cent pro Kilowattstunde. Dieser wurde vorab vertraglich an den Erdgaspreis gekoppelt.

Wie energieeffizientes Bauen durch Contracting unterstützt werden kann, zeigte auf dem Kongress auch das Beispiel der integrierten Quartierentwicklung am Südbahnhof Heilbronn. Auf dem Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs wurden und werden Gewerbe- sowie Wohngebäude errichtet. Insgesamt umfasst das Areal eine Fläche von 70.000 Quadratmetern mit 47.000 Wohnfläche.

Contracting-Dienstleister ist ZEAG Energie, das auch der Bauherr für zwei Baufelder ist. Das Unternehmen liefert aber nicht nur Wärme und Strom, sondern ist auch für die Beleuchtung im Außenbereich sowie die Glasfaserleitungen und somit die Kommunikationstechnik verantwortlich. Integriert sind außerdem – wie auch beim Projekt Winzergarten – Ladesäulen für E-Fahrzeuge.

Bauen im KfW-55-Standard

„Auf dem Gelände sind flächendeckend KfW-55-Standards zum Einsatz gekommen“, berichtet Stefan Bärwald, Leiter Quartiere bei ZEAG. Zwei BHKW und ein Spitzenlastkessel mit einer thermischen Gesamtleistung von 2500 kW stellen die Wärmeversorgung sicher. Der Primärenergiefaktor für das gesamte Wärmenetz beträgt 0,52.

Beim Wärmepreis sieht Bärwald das Projekt marktfähig, nachdem zu Beginn ein Vergleich mit anderen Versorgungstechnologien durchgeführt worden sei. Dieser liegt laut Bärwald in einer Größenordnung von 12 Cent pro Kilowattstunde.

Doch trotz der positiven Beispiele für den Nutzen ist Contracting noch nicht so verbreitet, wie sich das viele Experten des Kongresses wünschten. „Contracting ist wie ein Marathonlauf und braucht Zeit“, sagte zum Beispiel Paul Nemeth, Sprecher für Energie und Klimaschutz der CDU-Fraktion im Landtag Baden-Württemberg. Er nahm mit Kollegen von SPD, FDP und den Grünen an einer politischen Diskussionsrunde im Rahmen der Veranstaltung teil. In dieser herrschte Einigkeit darüber, dass das Land noch weitere Anreize schaffen müsse, damit das Dienstleistungskonzept stärker genutzt wird. Unter anderem sollten vorhandene Förderprogramme für das Contracting geöffnet werden.

Häufig stellt aber auch einfach das mangelnde Wissen eine Hürde dar. Die KEA will das ändern - unter anderem mithilfe von Beratungen zu den Möglichkeiten durch Contracting sowie mit Schulungen für Energieberater. So könnte Contracting auch unabhängig von Corona den notwendigen Schub erhalten. von Markus Strehlitz

 

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