Ministerium will Richtlinien ändern

Energieberater sehen Unabhängigkeit in Gefahr

Vertrauen ist die Grundlage eines Beratungsgesprächs. © Interhyp

Ärger beim Deutschen Energieberater-Netzwerk lösen Pläne des Wirtschaftsministeriums aus, den Beraterkreis zu erweitern. Noch in diesem Jahr sollen die Richtlinien für die geförderte Energieberatung geändert werden, hat das Netzwerk erfahren. Berater müssten dann künftig nur erklären, dass sie unabhängig beraten.

Mit diesen Plänen stehen der Branche große Veränderungen ins Haus. Bisher werden Energieberatungen nämlich nur dann gefördert, wenn die Berater keinerlei wirtschaftliches Interesse an Investitionsentscheidungen des Beratungsempfängers haben und wenn sie nicht bei einem Hersteller, ausführenden Unternehmen oder Energieversorger beschäftigt sind.

Was nach der Neuregelung passieren könnte, malt der Vorsitzende des Deutschen Energieberater-Netzwerks, Hinderk Hillebrands aus: "Denkbar wäre etwa, dass künftig als Energieberater zugelassene Mitarbeiter von Energieversorgungsunternehmen eine Immobilie untersuchen, dann aber nicht zum nötigen Wechsel der Heizungsanlage raten, sondern dem Kunden einen Versorgungsvertrag ihrer Firma nahelegen. Oder dass Handwerker, die sich gleichzeitig Energieberater nennen dürfen, mit Kollegen zusammenarbeiten und sich gegenseitig empfehlen", warnt Hillebrands. Er glaubt: "Die geplante Erweiterung des Energieberaterkreises gefährdet Qualität und Verbraucherschutz."

Beratungszahlen stagnieren seit Jahren

Dazu entgegnet eine Sprecherin des Wirtschaftsministeriums: "Die Zulassungsvoraussetzungen sollen so geändert werden, dass künftig alle im Beratungsbereich besonders qualifizierten Fachleute in der geförderten Energieberatung tätig sein können." Denn die Beratungszahlen stagnierten seit Jahren auf niedrigem Niveau . "Ein Grund hierfür könnte sein, dass das Potenzial an qualifizierten Beratern nicht ausgeschöpft wird", sagt die Sprecherin. Auf jeden Fall sehe das Ministerium Handlungsbedarf.

Die Konsequenz der Erweiterung sei, dass qualifizierte Fachleute aus allen Branchen beraten können, wenn sie die hohen Anforderungen an die Qualifikation erfüllen. "Der Verbraucher hat künftig eine größere Wahlmöglichkeit und kann auch auf Berater seines Vertrauens zurückgreifen", sieht das Ministerium die positive Seite. "Die Energieberatung soll dadurch breiter in den Markt getragen werden. Durch mehr qualifizierte Beratungen sollen im Anschluss auch mehr Effizienzmaßnahmen umgesetzt werden", sagt die Sprecherin.

Die Grundlagen der Qualitätssicherung in den Beratungsprogrammen sollen weiterhin erhalten bleiben, versichert sie. Das sind die fachliche Qualifikation (Grundqualifikation und Weiterbildung) des Energieberaters, die Qualitätssicherung der Beratungsberichte sowie das Verbot der Annahme von Provisionen und anderen geldwerten Vorteilen.

Nur alle 400 Jahre an der gleichen Haustür geklingelt

"Das wichtigste Betriebskapital der Energieberater ist ihre Unabhängigkeit", gibt Peter Kafke zu Bedenken. Er ist zuständig für die Energieberatung der Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV). Selbst wäre der VZBV von der Neuregelung nicht betroffen: "Wir machen unser eigenes Qualitätsmanagement, indem wir die Berater in einem eigenen Qualitätsverfahren aussuchen und weiterbilden und schließlich die Kunden befragen. Das können und werden wir weiterhin tun", berichtet Kafke. "Die Frage ist aber, ob der Verbraucher die verschiedenen Arten von Unabhängigkeit auseinanderhalten kann. Also ob der Berater nur fallweise vorhabensunabhängig berät oder ob es in seiner sämtlichen Beratungstätigkeit nur um die Interessen der Kunden geht."

Insgesamt sei der Markt für Beratungen wegen der niedrigen Energiepreise eher rückläufig, bestätigt Kafke. Auch wenn die 550 Berater des VZBV in den vergangenen Jahren jährlich 100.000 Beratungen gemacht haben, klingeln sie statistisch gesehen nur alle 400 Jahre an der gleichen Haustür, sagt er.

Mit Digitalisierung die Plausibilität checken

"In jedem Falle brauchen wir mehr Energieberater und Beratungen", sagt Christian Noll von der Deutschen Unternehmensinitiative Energieeffizienz (Deneff). "Wenn man die Idee eines individuellen Sanierungsfahrplans bestmöglich umsetzen will, brauchen wir bis 2050 mehr als 300.000 Energieberatungen pro Jahr. Die zugelassenen 14.000 Energieberater wären dafür zu wenig."

Doch Noll bringt noch einen ganz anderen Aspekt ins Spiel: Eine Untersuchung der Deneff habe ergeben, dass die Hausbesitzer gegenüber Beratungen grundsätzlich skeptisch sind und kaum professionelle Angebote kennen. "Ein gutes Standing haben öffentliche Absender oder Initiativen wie Pro Klima in Hannover. Auch Netzwerke wir die EZA im Allgäu können helfen Vertrauen zu schaffen", sagt er. Das Problem ließe sich mit der Digitalisierung lösen: "Damit könnte man alle Energieberatungen einem Plausibilitätscheck unterziehen", schlägt Noll vor. Von Susanne Ehlerding

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