Berliner Fachmesse 2018 mit Lüftungssteuerung zum Wischen

Bautec zeigt Wärmepumpen-Erlkönig

Andreas Prüfer von Foamglas mit einem Materialmuster des langlebigen Wärmedämmstoffs Schaumglas. © Alexander Morhart

"Internationale Fachmesse für Bauen und Gebäudetechnik" lautet der vollständige Name, "Bautec" der kurze. Aussteller und Besucher nehmen die Berliner Produktschau eher als Regionalmesse wahr. Doch die Bautec 2018 hatte mehr als 50 Neuheiten zu bieten.

Unter den Neuheiten waren auch solche fürs energetische Bauen. Zum Beispiel zeigte Lunos Lüftungstechnik, die von Berlin-Spandau aus den Weltmarkt mit dezentralen Wohnraumlüftungsgeräten beliefert, erstmals öffentlich ihre Gestensteuerung. Statt mit Tasten können künftig alle Geräte von Lunos berührungslos mit Wischbewegungen gesteuert werden.

Ein unscheinbarer, flacher Sensor an der Wand reagiert auf einen erfolgreichen Befehl jeweils mit einem bestimmten Farbsignal. Schick also zum Vorführen, wenn die Nachbarn zu Besuch kommen – aber "man hat auch wesentlich mehr Steuerungsmöglichkeiten als vorher", versicherte am Stand Stephan Haubold,  Vertriebsingenieur für Berlin und Brandenburg.

Wischen statt drücken, dafür muss der Verbraucher etwa 200 Euro mehr bezahlen – verglichen mit insgesamt etwa 3000 und 5000 Euro für eine dezentrale Anlage mit regenerativer Wärmerückgewinnung ("Push-and-pull") in einer Standardwohnung. "Regenerativ" bedeutet in diesem Zusammenhang, dass das Lüftungsgerät Abluft aus dem Raum herauszieht und deren Wärme in einem Keramikstein speichert. Nach einiger Zeit läuft der Lüfter andersherum; die Keramik gibt die Wärme an die kalte Zuluft von draußen ab, und es kommt somit vorgewärmte Luft in den Raum.

Haubold verwies darauf, dass die dezentrale Technik von vornherein preislich attraktiver sei als eine zentrale kontrollierte Wohnraumlüftung: "Ich habe keine abgehängten Decken und keine Rohrleitungen durch die ganze Wohnung, sondern ich habe dezentral in jedem Raum eine Bohrung nach draußen."

Milde Zuluft bei minus zwölf Grad Außentemperatur

Trotzdem schaffe die dezentrale Variante einen mittleren Wärmerückgewinnungsgrad von 91 Prozent. Das hat das Deutschen Institut für Bautechnik (DIBt) bescheinigt. Was das praktisch bedeutet, beschrieb der Vertriebsingenieur anschaulich anhand von Messergebnissen: "Bei zwölf Grad minus Außentemperatur und 22 Grad Raumtemperatur kommt ungefähr 18 Grad warme Luft in die Wohnung rein." Wer statt der Gesten lieber mit seinem Lüftungsgerät spricht, kann das übrigens bei einer Lunos-Anlage über eine neue Smartphone-Anbindung und eine Spracherkennung wie zum Beispiel Siri machen.

Für die beiden kommenden Jahre erwartet Haubold eine weitere Verringerung der Durchlässigkeit für Außenlärm. "Es geht ganz klar bei uns in Richtung Schallschutz", sagte der Lunos-Mann. Und damit meinte er nicht, das Lüftergeräusch noch mehr zu verringern: "Die Geräte sind schon extrem leise." Sondern den Schutz gegen Lärm aus der Umgebung. "Es ist heute einfach so: Die Baufelder, die vor zehn Jahren keiner haben wollte, müssen heute genommen werden. Und die sind nun mal an der Autobahn, an der Bahn, am Flughafen."

Flachdachfenster mit effektivem Hitzeschutz

Wärmerückgewinnung beim Lüften funktioniert auch andersherum, nämlich um die Sommerhitze draußen zu halten. Das würde allerdings dann wenig nützen, wenn die Sonne beispielsweise ungehindert durchs Flachdachfenster hereinstrahlt. Ein Mittel dagegen zeigte Velux für sein neues Flachdachfenster: Im Zwischenraum zwischen dem Dachfenster und einer Haube darüber kann motorisch eine Hitzeschutzmarkise eingefahren werden. Durch die Position oberhalb der Fensterscheibe bleibt einerseits die Hitze außerhalb des Raumes – im Gegensatz zu Verschattungen unterhalb der Scheibe, bei denen am Ende rund drei Viertel der Wärme doch ins Zimmer gelangen würden. Andererseits ist die Markise durch die schützende Haube darüber nicht der Witterung ausgesetzt.

Die Innovation besteht bei diesem Flachdachfenster freilich nicht in der bauphysikalisch sinnvollen Position der Markise, sondern in der konvexen, also nach außen gewölbten Verglasung der Haube. Sie erlaubt es, das Fenster in ein völlig ebenes Dach einzubauen, ohne dass bei Niederschlag Wasser zurückbleibt: Es läuft nach links und rechts weg und schließlich über eine randlose Kante ab. Am Messestand zierte man sich zunächst, konkrete Preise zu nennen, aber für eine 60 mal 60 Zentimeter große Festverglasung dieser Konstruktion mit Sonnenschutzmarkise müssen Endverbraucher laut Firmenunterlagen mit rund 1100 Euro plus Einbaukosten rechnen.

Neue Flüster-Wärmepumpe nur inoffiziell gezeigt

Noch stärker bedeckt mussten sich die Betreuer am Stand von Vaillant Deutschland halten. Dort war der Prototyp eines neuen Drei-Kilowatt-Modells der Luftwärmepumpe Arotherm Split aufgebaut. Offiziell soll das Gerät erst bei der Fachmesse für Sanitär, Heizung, Klima und erneuerbare Energien (SHK) in Essen präsentiert werden, so dass am Stand Fotografieren nicht erlaubt und nähere Informationen nicht zu haben waren – eine Taktik, die ein bisschen an die "Erlkönige" in der Autobranche erinnert und die bei Ausstellern gängige Vorgehensweise zeitlich herumdreht: Neuheiten erst bei den großen Messen vorzustellen und später bei kleineren Regionalmessen in die Fläche zu tragen.

Eine förmliche Anfrage bei der Vaillant-Zentrale in Remscheid erbrachte dann immerhin den Hinweis von Oliver Gremm, Leiter Produktvermarktung, das neue Modell sei "das leiseste Gerät seiner Klasse auf dem Markt". Die Entwickler haben damit offenbar darauf reagiert, dass in einigen Fällen Baubehörden das Aufstellen von Split-Luftwärmepumpen wegen möglicher Lärmbelastung generell untersagt hatten.

Nicht brennbarer Wärmedämmstoff aus Glas

Nicht zum ersten Mal, weil schon auf der Bau München 2017 vorgestellt, dafür aber mit komplettem Datenblatt und Materialmuster zum Anfassen zeigte die Deutsche Foamglas das Produkt "T3+". Laut Anbieter ist es das erste Schaumglas weltweit mit einer Wärmeleitfähigkeit von nur 0,037 Watt pro Meter und Kelvin. Das hört sich nicht mehr ganz so beeindruckend an, wenn man weiß, dass das Forschungsinstitut für Wärmeschutz (FIW) München schon 2013 als marktgängigen Wert für Schaumglas 0,040 Watt pro Meter und Kelvin angegeben hatte, und dass manche Polystyrolsorten weniger als 0,033 schaffen.

Standbetreuer Andreas Prüfer, Verkaufsgebietsleiter für Sachsen und Sachsen-Anhalt, nannte als wesentlichen Vorteil von Schaumglas jedoch die Langlebigkeit und lange Nutzbarkeit des Produktes: "Es gibt für Flachdächer mit einer definierten Auflast als bekiestes Dach, als begrüntes Dach, aber auch als Terrasse eine verlängerte Bauherrengarantie bis zu 25 Jahren."

Schaumglas habe darüber hinaus als geschlossenzelliger Wärmedämmstoff bautechnische Eigenschaften, die einzigartig seien. Unter anderem sei es beständig gegen kapillares Wasser, hoch druckfest und nicht brennbar. Als Kubikmeterpreis müsse man etwa mit 420 Euro kalkulieren – also doppelt so viel wie bei Mineralfaserdämmstoffen und viermal so viel wie bei extrudierten Polystyrolen.

Foamglas war – wie unter anderem auch Lunos und Velux – eine Station der von einem externen Dienstleister gut organisierten Rundgänge, welche die Bautec-Messeleitung in diesem Jahr zum ersten Mal anbot. von Alexander Morhart

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