Bauzinsen liegen auf dem Niveau des Allzeittiefs

Baugeld bleibt vorerst günstig

Wer bauen will kann auf günstige Kredite setzen. © Clipdealer

Die Nachfrage nach sicheren Anlagen und die damit verbundenen rückläufigen Renditen bei zehnjährigen Bundesanleihen haben niedrige Bauzinsen zur Folge. Ein Preisschub beim Baugeld wird in diesem Jahr nicht erwartet.

Wer in der Frühlingszeit eine Immobilie bauen oder kaufen will, profitiert von sehr günstigen Finanzierungsbedingungen. Die Bauzinsen liegen wieder auf dem Niveau des Allzeittiefs, berichtet Interhyp,  Vermittler für private Baufinanzierung. "Für zehnjährige Darlehen sind Bestkonditionen von unter einem Prozent aktuell möglich", sagt Mirjam Mohr, Vorstandsmitglied der Interhyp. Zudem wird Baugeld vorerst günstig bleiben, wie die aktuelle Umfrage von Interhyp unter den Zinsexperten von zehn deutschen Kreditinstituten zeigt. "Der verhaltene Konjunkturausblick, das nicht gelöste Brexit-Thema und der Handelsstreit zwischen den USA und China haben nicht nur die Märkte verunsichert, sondern eine Straffung der Geldpolitik durch die Notenbanken unwahrscheinlicher gemacht. Davon profitieren Immobilienkäufer mit Finanzierungsbedarf", so Mohr.

Politische und wirtschaftliche Unwägbarkeiten führen zu einer starken Nachfrage nach sicheren Anlagen, etwa den zehnjährigen Bundesanleihen, und daher sinkenden Renditen. Weil sich die Bauzinsen an den Renditen der langfristigen Anleihen orientieren, liegen sie auf sehr niedrigem Niveau. Die Ankündigung der amerikanischen Notenbank Fed, in 2019 auf weitere Zinserhöhungen zu verzichten, die aktuellen Diskussionen über Zinssenkungen in den USA und die Verschiebung der ersten Zinsanhebung durch die Europäische Zentralbank (EZB) stützen das Niedrigzinsumfeld insgesamt.

Den Hauptgrund für die niedrigen Zinsen sieht auch das Verbraucherportal Biallo bei den deutlich rückläufigen Renditen bei zehnjährigen Bundesanleihen, die bereits Ende März zum ersten Mal seit zweieinhalb Jahren wieder in den negativen Bereich fielen und seither um die Nulllinie pendeln. "Die Bauzinsen haben bei fünf- und 20-jähriger Zinsbindung bereits die Allzeittiefs vom Oktober 2016 egalisiert. Bei zehn- und 15-jähriger Laufzeit liegen die Zinsen im Schnitt nur noch wenige Basispunkte über ihren historischen Tiefständen", sagt Kevin Schwarzinger von Biallo. 

Beim Zinsausblick prognostizieren die für den monatlichen Interhyp-Zinsbericht befragten Experten in den nächsten Wochen überwiegend gleichbleibend günstige Konditionen. Auf Halbjahres- und Jahressicht sind laut dem Zinsbericht gleichbleibende bis allenfalls leicht steigende Zinsen zu erwarten. Immobilienkäufer müssen demnach in 2019 keinen Preisschub beim Baugeld befürchten.

Wer jetzt einen Kredit über 300.000 Euro mit zehnjähriger Laufzeit, 60 Prozent Beleihungsauslauf und 2,5 Prozent Anfangstilgung abschließt, zahlt im günstigsten Fall weniger als ein Prozent Effektivzinsen pro Jahr. Die monatliche Rate beträgt knapp 850 Euro. Mindestens den gleichen Betrag müssen Mieter für eine 2,5-Zimmer-Wohnung in Ballungsräumen wie München, Berlin, Hamburg oder Frankfurt aufwenden. Zum Vergleich: Vor acht Jahren hätten Verbraucher für die gleiche Kreditsumme noch durchschnittlich 4,3 Prozent Zinsen zahlen müssen. Die monatliche Belastung wäre mit 1.700 Euro doppelt so hoch gewesen. 

Laut Biallo-Baugeld-Index wird für einen zehnjährigen Baukredit derzeit im Schnitt ein effektiver Jahreszins von 1,14 Prozent verlangt (Allzeittief: 1,06 Prozent). Bei 15-jähriger Laufzeit beträgt der Durchschnittszins 1,53 Prozent pro Jahr (Allzeittief: 1,50 Prozent). Bei 20-jähriger Zinsbindung notiert der Index bei 1,75 Prozent - exakt auf dem Allzeittief vom Oktober 2016. Wie sollten Immobilien-Interessenten jetzt agieren? "Wer sein Lieblings-Objekt in entsprechender Lage gefunden hat, sollte angesichts der extrem niedrigen Zinsen nicht mehr warten", sagt Bianca de Bruijn, Leiterin Baufinanzierung bei der ING. Ratsam ist es auch, sich den extrem niedrigen Zins für eine möglichst lange Zeit zu sichern. Wer die gleiche Summe zum Beispiel für 15 oder 20 Jahre statt für zehn Jahre leiht, zahlt bei günstigen Anbietern nur 100 bis 200 Euro mehr im Monat. 

Wer die günstigen Zinsen nutzen und im Frühling sein Bau- oder Kaufprojekt starten will, sollte sorgfältig planen. "Wir raten dazu, sich das Zinsniveau möglichst langfristig zu sichern und sich bei der Auswahl des Kredits gut beraten zu lassen", erklärt Mohr. Wichtig sei eine hohe Tilgungsrate, um die Weichen für die Schuldenfreiheit zu stellen. Anschlussfinanzierer sollten ebenfalls in eine hohe Tilgung investieren. Eine Überlegung wert seien zudem Volltilger-Darlehen. Diese sind oft besonders zinsgünstig und am Ende der Zinsbindung vollständig abbezahlt. Quelle: ots / interhyp /al

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