Plattform "EE BW" veröffentlicht Ausbauplan für erneuerbare Energien

Baden-Württemberg muss beim Klimaschutz nachlegen

Baden-Württemberg muss seine Treibhausgasemissionen deutlich stärker reduzieren als vorgesehen. Nur so kann das Land seinen Beitrag zu den Pariser Klimaschutzbeschlüssen leisten. Das zeigt eine Studie im Auftrag der Plattform Erneuerbare Energien Baden-Württemberg (EE BW).

Um die Ziele zu erreichen, ist vor allem ein beschleunigter Ausbau von Wind- und Solarenergie sowie anderen erneuerbaren Energien erforderlich. Die Untersuchung "Ausbau der erneuerbaren Energien für eine wirksame Klimapolitik in Baden-Württemberg" von Joachim Nitsch empfiehlt im Ausbauszenario "BW PLUS" einen Zubau von 13 Gigawatt installierter Ökostromleistung auf insgesamt 22 Gigawatt bis 2030. Damit könnte der Anteil erneuerbaren Stroms auf 70 Prozent steigen. Im Wärmesektor soll der Anteil Erneuerbarer von 17 auf 27 Prozent zulegen.

Möglich ist ein solcher Umbau der Energieversorgung für Privathaushalte, Unternehmen und Kommunen durchaus, heißt es von Seiten der Plattform EE BW. Sie erwartet dadurch auch positive Konjunktureffekte in der Corona-Krise. Erforderlich dafür seien jedoch angepasste Rahmenbedingungen auf allen politischen Ebenen. So brauche es etwa eine Photovoltaikpflicht zumindest im Neubau sowie beschleunigte Genehmigungsverfahren.

Vier Szenarien werden aufgezeigt

Auf vier Szenarien, die aufeinander aufbauen geht Nitsch in der Studie ein. Der Fokus liegt dabei auf der Strom- und Wärmeerzeugung, mit einem kurzen Exkurs zum Mobilitätsbereich. Das erste Szenario entspricht dem Ziel der Landesregierung, die Treibhausgasemissionen bis 2030 um 42 Prozent zu senken. Das zweite ergänzt es um den auf Bundesebene beschlossenen Kohleausstieg. Das dritte setzt auf verstärkten EE-Ausbau und geht von einem auf 2030 vorgezogenen Kohleausstieg aus. Das letzte baut erhöhte Effizienzmaßnahmen und Verbrauchssenkungen in allen Sektoren ein.

"Das in der Studie beschriebene Ausbauszenario BW PLUS zeigt den notwendigen Handlungsbedarf für den Ausbau der Erneuerbaren Energien in den nächsten Jahren als Mindestmaß für echten Klimaschutz", sagt Jörg Dürr-Pucher, Vorsitzender der Plattform EE BW. Es entspreche einer Halbierung der Treibhausgasemissionen Baden-Württembergs von 1990 bis 2030. In Baden-Württemberg sind bislang nur 42 Prozent Reduktion vorgesehen. Das Ziel des Landes ist laut der Plattform kein ausreichender Beitrag zum Pariser Klimaschutzabkommen. "Baden-Württemberg muss den Ausstoß von Treibhausgasen schneller reduzieren als bislang, eine Versechsfachung der jährlichen Reduktionsrate ist das Mindestmaß für wirksamen Klimaschutz. Ein ambitionierter Ausbau erneuerbarer Energien ist dafür unabdingbar", fordert Dürr-Pucher.

Das Szenario BW PLUS zeigt für Plattform-EE-Geschäftsführer Franz Pöter, dass durchschnittliche Zubauraten für Photovoltaik von 870 Megawatt installierte Leistung pro Jahr beziehungsweise für Windenergie von 325 Megawatt pro Jahr bis 2030 notwendig seien, um beim Klimaschutz voranzukommen. Auch bei den anteilig kleineren Erneuerbaren gelte es noch Potenziale zu heben, zum Beispiel bei der Wasserkraft.

Wärmesektor umgestalten

Auch die Umgestaltung des Wärmesektors sei für einen erfolgreichen Klimaschutz essenziell. Als Grundlage sieht die Studie den Ausbau von Wärmenetzen, deren Anteil an der Wärmebereitstellung sich im Ausbauszenario BW PLUS von jetzt 15 auf 30 Prozent im Jahr 2030 verdoppelt. Der Neubau von bis zu zehn neuen Geothermieanlagen ist darin ebenso vorgesehen wie eine leichte Steigerung der Wärmeerzeugung durch Biomasse. Zusammen mit einer sinkenden Gesamtnachfrage nach Wärme (minus 20 Prozent bis 2030) durch Effizienzmaßnahmen könnte der Südwesten den Anteil erneuerbarer Energien auf 27 Prozent des Wärmeverbrauchs steigern.

Um die Ausbaupfade zu erreichen, fordert die Plattform EE BW auf landes- wie bundespolitischer Ebene eine Reihe von Änderungen. "Wir müssen Genehmigungsverfahren beschleunigen und vereinheitlichen, um Realisierungszeiträume für EE-Projekte wieder zu verkürzen. Außerdem müssen bestehende Ausbaugrenzen und Degressionsmechanismen im Rahmen der anstehenden EEG-Novelle beseitigt werden", fordert Pöter. Auch eine Solardachpflicht lohne sich für das Klima und die Hauseigentümer. Darüber hinaus müssten vorhandene Potenziale insbesondere in der Biomasse und Wasserkraft ausgeschöpft und durch die Politik unterstützt werden.

Das bereits angekündigte Instrument der Wärmeleitplanung sollte für die EE BW für alle Kommunen verpflichtend sein. Eine echte Sektorkopplung zwischen Strom, Wärme und Mobilität und ein angemessener CO2-Preis zu bilden, gehört für die Plattform ebenso zum ambitionierten Ausbau erneuerbarer Energien in Baden-Württemberg. Quelle: EE BW / al

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