Oft als Stützstoffe und für den Brandschutz nötig

Zuschläge in Naturdämmstoffen sind unbedenklich

Mechanik und Brennbarkeit machen bei Holz Zuschlagstoffe notwendig. © Steico

In ökologischen Dämmstoffen kommen nicht nur natürliche Rohstoffe vor. Es werden für die Gebrauchstauglichkeit auch Zuschlagstoffe benötigt, unter anderem aus der Erdölchemie. Experten sehen darin kein Problem, wenn Hersteller auf sie zurückgreifen.

Naturdämmstoffe wie Holzfaser, Hanf und Stroh haben ökologische Vorteile. Damit sie gebrauchstauglich sind, braucht es allerdings meist Zuschlagstoffe – bis zu 25 Prozent, darunter auch solche aus der Erdölchemie. Ein Problem? Experten sagen Nein. Zwei Eigenschaften sind es im Wesentlichen, derentwegen Hersteller für ihre ökologischen Dämmstoffe nicht ausschließlich auf „natürliche“ Rohstoffe zurückgreifen: Mechanik und Brennbarkeit.

Mechanisch sind fast alle Öko-Dämm-Ausgangsstoffe lockeres Material: Holz als Fasern, Späne oder Holzwolle; Stroh, Flachs, Hanf ebenso wie Schafwolle, Schilf und Gras. Wenn die Dämmung nicht in Hohlräume eingeblasen wird, sind auf der Baustelle aber oft flexible, klemmbare Matten oder gar druckfeste Platten gefragt. Dennoch soll der Stoff fluffig sein, beruht doch die Dämmwirkung auf der eingeschlossenen Luft.

Der klassische Einsatz für Matten ist die Zwischensparrendämmung. Geeignet sind dafür Dämm-Matten, die sich zusammendrücken und zwischen den Sparren einklemmen lassen; hier sollen sie dann fest sitzen. Nicht der Fall ist das bei reinen Hanf- und Jutedämmstoffen, die „vernadelt“, also gewissermaßen zusammengenäht, erhältlich sind. Die erwünschte zusätzliche Elastizität lässt sich erst dadurch erreichen, dass man bei der Herstellung Stützfasern aus Kunststoff einbringt. Gängig ist dafür eine Faser aus zwei Komponenten (Bikomponentenfaser, Bikofaser), nämlich aus einem dauerelastischen Innenteil – zum Beispiel aus PET oder Polylaktose – und einem Schmelzklebstoff-Mantel.

Maisstärke zu teuer

Thomas Schmitz ist Geschäftsführer des "Internationalen Vereins für zukunftsfähiges Bauen und Wohnen" in Neckargemünd bei Heidelberg, kurz "Natureplus". Der sowohl von der Branche als auch von großen Umweltverbänden und von der Forschung anerkannte Verein zertifiziert unter anderem Naturdämmstoffe. Schmitz: "Anstelle der Kunststoff-Bikofaser kann man auch Fasern aus Maisstärke nehmen; das hat sich aber nicht durchgesetzt, weil die viel teurer sind." Daneben gibt es mindestens einen Anbieter von Jute- und Hanfdämmstoff, bei dem der Stoff für die Bikofaser nicht petrolchemisch, sondern pflanzlich (PLA) gewonnen ist.

Druckfeste Platten aus Holzfasern – beispielsweise für die Aufsparrendämmung – lassen sich im "Trockenverfahren" herstellen, bei dem die Fasern mit Polyurethankleber zusammengeklebt werden. Solche Platten hätten, sagt Schmitz, viele technische Vorteile; vor allem könne man auf diese Weise eine sehr gute Dämmwirkung erzielen. "Ein weiterer Vorteil dabei ist, dass man die Platten dann kaum noch mit einem Latexauftrag hydrophobieren muss, wenn sie als Unterdachplatten bei einer Aufsparrendämmung eine wasserführende Ebene bilden sollen, die die Konstruktion beim Fehlen eines Ziegels schützt."

Für die Fertigung von Platten gibt es ein "naturnäheres" Verfahren – das früher sogar das gängige war, aber drei "Haken" hat. Das Prinzip ist, dass mit hohen Temperaturen das holzeigene Lignin freigesetzt und die Holzfasern zusammengeklebt werden, beschreibt es der Natureplus-Geschäftsführer. "Das funktioniert aber nur bis zu einer Stärke der Platte von ein paar Zentimetern, so dass man bei dickeren Platten dann doch einen hinzugefügten Klebstoff braucht, um mehrere Platten zusammenzuleimen." Außerdem sei die Dämmwirkung nicht so gut, weil das Material weniger fluffig sei. Und: "Man braucht viel Energie, damit das Lignin freigesetzt wird."

Zuschlagstoffe für den Brandschutz

Das zweite wichtige Motiv, "künstliche" Zuschlagstoffe in einen Naturdämmstoff einzubringen, kann der Brandschutz sein – je nachdem, welche Brandschutzklasse gefordert wird. Norbert Rüther vom Fraunhofer-Institut für Holzforschung in Braunschweig: "Es gibt diverse Dämmstoffe, in denen kein Flammschutzmittel drin ist." Aber wenn, sei es üblicherweise gerade so viel wie erforderlich, "denn solche Mittel sind teuer." Als Flammschutzmittel kommen laut Rüther zum Beispiel anorganische Salze wie Borsalze infrage, außerdem Aluminiumhydroxid, Magnesiumsulfat, Ammoniumpolyphosphat, Molke oder stärkebasierte Produkte.

Und in welchen Grenzen bewegt sich der "erforderliche" Masseanteil solcher Mittel? Der Holzforscher nennt als üblichen Anteil "um die zwei bis acht Masseprozent". Nach den Vergaberichtlinien des Natureplus-Vereins wiederum sind mineralische Flammschutzmittel "in der Regel auf fünf Prozent begrenzt".

Für druckfeste Platten aus Holzfaser-Dämmstoff mit Polyurethan als Klebstoff nennt Fraunhofer-Forscher Norbert Rüther als typischen Masseanteil des Klebers "etwa vier Prozent". Die Biko-Stützfasern in Matten können einen höheren Anteil am Öko-Dämmstoff ausmachen. Rüther spricht von "etwa fünf bis 15 Prozent der Masse"; üblich sind laut Schmitz "acht bis zehn Prozent".

Auch im Brandfall keine schädlichen Emissionen

Thomas Schmitz fügt an, dass solche Stützfasern die thermische Verwertbarkeit von Öko-Dämmstoffen am Ende ihres Lebenslaufs überhaupt nicht störten. "Die sind nicht giftig und entwickeln auch keine schädlichen Emissionen zum Beispiel von Weichmachern – auch im Brandfall gibt es keine zusätzliche toxische Belastung." Nach den Vergaberichtlinien des Vereins sei die Grenze für eine Zertifizierung, dass allgemein maximal 15 Prozent Erdölchemie in einem Produkt enthalten sein dürfe. "Bei den meisten Produkten sind es viel weniger, in der Regel nur bis 5 Prozent."

Zählt man die jeweils höchsten Angaben für Stützfasern und Flammschutzzuschläge zusammen, kommt man auf einen Anteil von knapp 25 Prozent. Das ist auch die Obergrenze, die das Münchner Forschungsinstitut für Wärmeschutz 2013 in seiner "Metastudie Wärmedämmstoffe" für die Definition als "natürlicher Dämmstoff" empfohlen hatte; ebenso im Jahr 2016 die Deutsche Umwelthilfe (DUH).

Und wie steht es mit flüchtigen organischen Verbindungen (VOC) aus den Zuschlagstoffen? Der Grenzwert des Ausschusses zur gesundheitlichen Bewertung von Bauprodukten (AgBB) liege bei 1000 Mikrogramm pro Kubikmeter, sagt Thomas Schmitz. "Wir haben einen Grenzwert von 300 Mikrogramm pro Kubikmeter, und wir schauen uns auch noch diverse Stoffgruppen und Einzelstoffe an, die bei uns noch deutlich strengere Grenzwerte haben."

Norbert Rüther: Eine Formaldehyd-Problematik – wie sie von Spanplatten her bekannt ist – gebe es bei Naturdämmstoff-Zuschlägen nicht, "weil über die eingesetzten Flammschutz-, Stütz- und Klebstoffe kein Formaldehyd zugeführt wird." Bei konventionellen Dämmstoffen dagegen schon, sagt Thomas Schmitz: Da "werden Bindemittel eingesetzt, die Formaldehyd emittieren".

Von Alexander Morhart

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