Lüftungskonzept ist Aufgabe des Planers

Verband diskutiert Schnittpunkte von Fenster und Fassade

Fensterlüfter können Luftwechsel sicherstellen. © VFF

Die Aufgaben in der Werkplanung und Dokumentation wachsen im Fenster- und Fassadenbau mit der zunehmenden Komplexität der Bauteile und ihrer Montage. Wie diese Aufgaben im Detail aussehen und in der Praxis umgesetzt werden, bildete den thematischen Schwerpunkt der Fachtagung Normung und Technik des Verbandes Fenster und Fassade (VFF).

Planungsfragen standen auch im Fokus der weiteren Vorträge. Sie galten den Fragen der Umsetzung der Barrierefreiheit im Wohnungsbau, der freien Lüftung nach der künftigen Norm DIN 1946-6 und dem neuen Beiblatt 2 zur DIN 4108 zum Gleichwertigkeitsnachweis bei Wärmebrücken.

Markus Christoffel, Experte für Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen (VOB) im VFF, gab einen Überblick über die neu aufgelegten Merkblätter zu den Themen Schnittstellen-Definition (VOB.01) und Werkplanung/Dokumentation (VOB.02).

Anschließend wurden vier unterschiedliche Sichtweisen zum Themenkomplex Ausführungsplanung, Werkplanung und Dokumentation vorgetragen: die des Metallfenster- und Fassadenherstellers (Christian Anders von Anders Metallbau), die des Holzfensterherstellers (Gerhard Lehner von Schindler Fenster + Fassaden), die des Kunststofffensterherstellers (Jörg Wellendorf von TMP Fenster + Türen) und schließlich die baurechtliche Einschätzung, die Rechtsanwalt Professor Christian Niemöller von SMNG vortrug.

In den einzelnen Beiträgen und dann auch in der gemeinsamen Podiumsdiskussion der fünf Referenten wurde auf die Notwendigkeit der Ausführungsplanung hingewiesen, die von Seiten des Auftraggebers zu leisten ist. Wie Planungsaufgaben hin- und hergeschoben werden und wie man das vermeiden oder nutzen kann, bestimmte die Diskussion. Alle Diskutanten waren sich darüber einig, wie wichtig es ist, dass sich der Auftragnehmer (am besten schon bei Vertragsabschluss) über seine Planungsaufgaben („Werkplanung“) in vollem Umfang bewusst ist.

Planung war auch das Stichwort, das die weiteren Referate der Fachtagung bestimmte. Knut Junge vom Sachverständigenzentrum des ift-Rosenheim stellte die ift-Fachinformation BA-02/1 zum Thema "Empfehlungen zur Umsetzung der Barrierefreiheit im Wohnungsbau mit Fenstern und Türen" vor. Junge erläuterte, dass etwas barrierefrei ist, wenn man es erkennen, verstehen, erreichen und nutzen kann. Das bedeutet beispielhaft: Tür und Türgriff müssen auch für Farbenblinde und Sehbehinderte gut erkennbar sein, man muss ihren Gebrauch verstehen und die Türen leicht öffnen oder schließen können und schließlich auch sicher durch die Tür hindurchkommen. Junge erläuterte das gesamte Problemfeld, das sich mit der Barrierefreiheit und den teilweise widersprüchlichen Anforderungen wachsender Nutzerzahlen stellt, und betonte, dass bei den Lösungen deshalb immer auch auf die spezifischen Nutzeranforderungen geachtet werden muss.

Frank Koos, Geschäftsführer des VFF für Normung, Technik und internationale Aktivitäten, erläuterte die freie Lüftung nach der demnächst erscheinenden Norm DIN 1946-6. Er zeigte die deutlichen Vereinfachungen zur Erstellung eines Lüftungskonzeptes auf, betonte, dass die DIN 1946-6 die Planung und Dokumentation einer lüftungstechnischen Maßnahme unter bestimmten Bedingungen fordert, aber auch, dass es keine Verpflichtung zur ventilatorgestützten Lüftung gibt und Systeme der freien/natürlichen Lüftung weiterhin zulässig sind. Und schließlich gab er noch den Hinweis: „Lüftungsplanung ist Aufgabe des Planers und in der Regel keine Aufgabe für den Fensterhersteller, es sei er übernimmt die Planungsleistung.“ Professor Martin Spitzner von der Hochschule Biberach sprach schließlich über die Planungsaufgabe „Gleichwertigkeitsnachweis bei Wärmebrücken“. Hilfe dazu bietet mit unter anderem 340 konkreten Beispielen das neue Beiblatt 2 zur DIN 4108. Quelle: VFF / pgl

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