Auch mit Sicherheitsglas können Scheiben leichter werden

Vakuumglas hält Wärme mit Nichts

Deutlich sichtbar ist der Verschlusspunkt der Vakuumglasscheibe. © Pilkington

Gut dämmende Fenster werden wegen der Mehrfachverglasung immer schwerer. Vakuumscheiben sind viel leichter und erreichen geringe Wärmedurchlasswerte. Doch bisher halten sich die verkauften Stückzahlen in Grenzen. Eine Alternative ist gehärtetes Glas.

Beim Vakuumglas befindet sich anstatt der heute üblichen Edelgase einfach gar nichts im Zwischenraum der Scheiben. Damit kann eine gute Dämmwirkung erzielt werden. So liefert der Hersteller Pilkington Gläser, bei denen sich zwischen zwei Scheiben von drei Millimeter Dicke ein Vakuum von nur 0,2 Millimetern Durchmesser befindet. Damit sind die Scheiben also nur gut sechs Millimeter dick.

Zum Vergleich: Herkömmliche Zweifachisoliergläser haben in der Regel eine Gesamtdicke von rund 24 Millimetern. Dreifachisolierscheiben sind insgesamt rund 36 Millimeter dick. Gegenüber einer Dreifachverglasung bringt Isolierglas außerdem nur etwa halb so viel Gewicht auf die Waage.

Trotz seines schlanken Aufbaus dämmt ein Vakuumfenster aber so effizient, dass sich damit ein U-Wert von 1,1 Watt pro Quadratmeter und Kelvin Temperaturunterschied (W/m²K) erzielen lässt, berichtet Pilkington. Das ist etwas weniger als die Mindestanforderung von 1,3 W/m²K, die laut Energieeinsparverordnung mindestens erreicht werden muss.

Wärmeverluste durch Abstrahlung können zusätzlich verhindert werden, indem eine der Glasscheiben mit einer sogenannten Low-E-Beschichtung (die Abkürzung steht für „niedrige Emissivität“) versehen wird. So kann ein Vakuumglas auf einen U-Wert von 0,9 W/m²K kommen und damit auf eine Dämmwirkung, die an die Leistung von Dreifachisolierverglasungen heranreicht. Sie werden heute mit U-Werten von 0,6 bis 0,7 W/m²K ausgeliefert.

Auffälliger Verschlusspunkt

Verbaut wird Vakuumglas in Deutschland bisher aber nur in sehr geringen Mengen und vor allem in denkmalgeschützten Gebäuden. Denn die schlanken Profile machen es möglich, alte Fensterrahmen weiter zu nutzen. Vakuumglas muss allerdings aus Asien bestellt werden, weil es in Europa wegen der geringen verwendeten Mengen keine Produktion gibt.

Als ästhetisches Problem werden an Vakuumglas die Abstandhalter diskutiert. Sie verhindern, dass die Glasscheiben durch das Vakuum aneinandergezogen werden. Die Stützen sind meist aus Metall und werden rasterförmig auf den Scheiben verteilt. Sie sind so dünn, dass sie nur aus der Nähe erkennbar sind.

Auffälliger ist der Verschlusspunkt: Um die Luft zwischen den beiden Scheiben zu evakuieren, ist produktionsbedingt ein Loch in der inneren Scheibe nötig, das nach der Herstellung des Vakuums mit einem Ventil verschlossen wird. Der Randverbund der Vakuumverglasung wird gelötet. Nachteil von Vakuumglas ist, dass die Scheiben wegen des atmosphärischen Drucks, der auf ihnen lastet, nicht unbegrenzt groß werden können.

Außerdem sind Vakuumgläser in Deutschland auch noch keine geregelten Bauprodukte. Deshalb muss für den Einbau in denkmalgeschützten Gebäuden eine Zustimmung im Einzelfall eingeholt werden. An einer ISO-Norm, die dann weltweit gilt, wird aber gearbeitet.

Leichter und sicherer

Leichtere und schlankere Isolierfenster kann man auch aus Sicherheitsglas herstellen. Die Firma Energy Glas aus Wolfhagen bei Kassel, die kürzlich mit Schollglas fusionierte, hat so ein dreifachverglastes Fenster entwickelt. Außen- und Innenscheibe sind nicht, wie üblich, vier Millimeter dick, sondern nur drei Millimeter. Möglich ist das durch den Einsatz von Einscheibensicherheitsglas (ESG). Es erhält durch eine nachträgliche Erhitzung und Abkühlung der fertig zugeschnittenen Scheibe eine besondere Festigkeit. Die mittleren Scheibe des Fensters ist sogar nur zwei Millimeter dick und besteht aus Teilvorgespanntem Glas (TSG). Es wird ähnlich bearbeitet wie ESG, aber langsamer abgekühlt.

Das Gewicht eines dreifach verglasten Fensters sinkt durch den besonderen Aufbau von 30 auf 20 Kilogramm pro Quadratmeter. Durch die Verwendung des Sicherheitsglases hat das Fenster einen etwas besseren Gesamtenergiedurchlassgrad (G-Wert), es dringt etwa ein Prozent mehr Wärmestrahlung durch. Gleichzeitig lässt das Fenster in gleichem Maße mehr Licht durch.

"Außerdem spart man Wartungsaufwand dadurch, dass die Scharniere wegen des geringeren Gewichts nicht so häufig nachgestellt werden müssen", berichtet Hans Franke, der das Produkt entwickelt hat. Glasbruch ist wegen des Sicherheitsglases weniger gefährlich. Es zerkrümelt statt zu zerspringen. Diese Vorteile haben aber auch ihren Preis: Eine Scheibe kostet etwa sieben bis acht Prozent mehr als eine normale dreifachverglaste.

Eine Rückkehr zur Zweifachverglasung ist trotz der schwerer werdenden Fenster nicht zu erwarten, schätzen Experten. Im Gegenteil: Schon jetzt sind die ersten vierfach verglasten Fenster erhältlich. von Susanne Ehlerding

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