Biozide in Putzen sind gesundheitsschädlich

Umweltanwaltschaft fordert Bauten ohne Biozide

Nicht bei allen Fassadenlösungen sind Biozide ein Thema. © Berres

Die Wiener Umweltanwaltschaft (WUA) hat beim Technischen Büro Klade eine Literaturstudie in Auftrag gegeben, um die potentiellen Auswirkungen von Bioziden in Fassadenputzen auf Umwelt und Gesundheit einschätzen zu können. 

Um Schimmel zu vermeiden, wird Dünnputz mit sogenannten Bioziden ausgestattet. Das sind Wirkstoffe, die lebende Zellen abtöten und die Bildung von Pilzen und Algen für einige Jahre verhindern. Bei Starkregen werden die Wirkstoffe jedoch ausgewaschen und gelangen in Boden und Gewässer. Seit längerem gibt es jedoch auch biozidfreie Putze oder solche, in denen Biozide verkapselt sind.

Die WUA ist eine weisungsfreie und unabhängige Einrichtung des Landes Wien, die für den Umweltschutz zuständig ist. Die Ergebnisse über die aktuelle Praxis seien Besorgnis erregend, so die Behörde. Insgesamt wurden drei Algizide und fünf Fungizide erfasst, die den mitteleuropäischen Markt für Fassadenschutzmittel dominieren. Dabei zeigte sich folgendes Bild: Das Biozid Carbendazim ist nachgewiesenermaßen mutagen und gefährdet die Fortpflanzung, bei zwei weiteren Bioziden (Isoproturon, Diuron) wird eine krebserregende Wirkung vermutet. Vier Biozide mit den Kurznamen OIT, IPBC, DCOIT und Terbutryn sind hautsensibilisierend, können also auch Allergien auslösen. Alle acht Biozide sind als langfristig gewässergefährdend eingestuft, wobei die Wirkstoffe mit den Kurznamen OIT und DCOIT eine extrem hohe Giftigkeit gegenüber Wasserlebewesen zeigen. Keines der acht Biozide ist als leicht biologisch abbaubar ausgewiesen.

Keines der den Markt dominierenden Biozide könne empfohlen werden, so die Studie. Auf jeden Fall sollte der Einsatz von Diuron, Isoproturon, Terbutryn und Carbendazim auf Grund ihrer erbgutverändernden und fortpflanzungsgefährdenden Eigenschaften vermieden oder zumindest verringert werden. Auch OIT und DCOIT sind aufgrund ihrer hohen Umweltgiftigkeit problematisch.

Maßnahmen bauseitig, konstruktiv oder Biozide verkapseln

Die WUA empfiehlt aufgrund der vorliegenden Studienergebnisse die ausschließliche Verwendung verkapselter Biozide. Bei der Verwendung verkapselter Biozide ist der Austrag in die Umwelt vermindert. Bauherren sollten von den jeweiligen Herstellern eine entsprechende Produktspezifikation verlangen. Im Rahmen der geplanten EU-Neuzulassung von marktgängigen Biozid-Produkten sollte der Einsatz von nicht verkapselten Bioziden gänzlich verboten werden, fordert die WUA.

Sie schlägt außerdem konstruktive Maßnahmen in der Planungsphase vor. Bei der Verwendung eines mineralischen Dämmsystems statt Styropor sei ein biozider Fassadenschutz in der Regel nicht erforderlich. Außerdem könne durch entsprechende bauliche Maßnahmen (Gebäudestruktur bzw. -ausrichtung) ein Befall vorbeugend vermieden werden. Wärmedämmverbundsysteme ohne biozide Ausrüstung für den Fassadenschutz werden im Rahmen des Umweltzeichens Blauer Engel (RAL-UZ 140) von Herstellern als Gesamtpakete angeboten. Die Dämmstoffe sind dabei mineralisch-pflanzlicher Herkunft (Mineralwolle, -schaum, Holzweichfaser, Hanf). Dazu angebotene Putze und Farben kämen ohne biozide Ausrüstung aus. Quelle: WUA / pgl

Eine Verwendung dieses Textes ist kostenpflichtig. Eine Lizenzierung ist möglich.
Bitte nehmen Sie bei Fragen Kontakt auf.

Kommentare (0)

Keine Kommentare gefunden!

Neuen Kommentar schreiben

(wird nicht veröffentlicht)

Bitte tragen Sie hier die im Bild dargestellte Zeichenfolge ("Captcha") ein.
Dies dient der Vermeidung von Spam.

CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz Wenn Sie das Wort nicht lesen können, bitte hier klicken.