Interview mit Frank Lange, neuer Geschäftsführer des VFF

Smarte Fenster sind wichtiger als U-Wert-Rallye

Ist seit 1. Mai Geschäftsführer des VFF: Frank Lange. © VFF

Am 1. März 2019 hat Frank Lange die Nachfolge von Ulrich Tschorn als Geschäftsführer des Verbandes Fenster + Fassade (VFF) angetreten. Seit langem in der Fensterbranche tätig gilt er als Brancheninsider. Chancen für weitere Energieeinsparungen sieht er in der Vernetzung von Fenstern und Haustüren, die eine intelligente Steuerung möglich macht. Eine weitere Verschärfung der U-Werte für Fenster könne dagegen nur noch einen sehr eingeschränkten Beitrag zum Klimaschutz leisten, der in keinem Verhältnis zum Ertrag stehe, so Lange im EnBauSa-Interview.

Wo sehen Sie derzeit die Schwerpunkte Ihrer Arbeit?

Neben dem klassischen Tagesgeschäft sind das drei Kernbereiche. Als Dienstleister für unsere Mitglieder geben wir Merkblätter und Richtlinien zu technischen und weiteren Themen, beispielsweise zur Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen (VOB) heraus, außerdem Marketingmaterial und Marktinformationen. Diese aktuell zu halten und die Kommunikation mit den Mitgliedern zu verbessern ist einer dieser Kernbereiche. Ein weiterer ist das Thema digitale Kommunikation. Wir denken darüber nach, welche modernen Kommunikationsformen für unsere Mitglieder und für die Endkundenkommunikation in Frage kommen. Klar ist bereits, dass wir die Seiten für Endkunden auf unserer Webpräsenz  modernisieren und interessanter gestalten werden. Letzter Schwerpunkt ist die politische Kommunikation nach und in Berlin rund um das Thema transparente Gebäudehülle. Dazu zählen Fenster, Glas und Sonnenschutz.

Einer aktuellen Studie von Branchenradar zufolge sind die mit Fenstern erzielten Erlöse im Sanierungsmarkt zurückgegangen. Können Sie das bestätigen?

Unsere eigenen Marktzahlen sind im Wesentlichen mengenbasiert, wir schauen auf die produktübergreifende Gesamtentwicklung. Anhand dieser Zahlen können wir bestätigen, dass es im Sanierungsmarkt keine große Bewegung gibt. Dass die Preise oder die Summe der Investitionen im Sanierungsmarkt rückläufig sind, kann ich jedoch so nicht bestätigen. Klar ist, dass wir kein Wachstum in der Sanierung haben, obwohl wie das dringend bräuchten, sollen die Klimaziele der Bundesregierung noch erreicht werden. Deshalb sehen wir es als unsere Aufgabe, hier immer wieder Impulse einzufordern.

Welche Impulse sollten das sein?

Ich sehe das als Dreiklang aus Beratung, Förderung und Ordnungsrecht. Es gibt nicht das eine Allheilmittel. Zum einen müssen wir alle Beteiligten immer wieder darüber informieren, welche innovativen Produkte und finzanziellen Fördermöglichkeiten es gibt und welche Verbesserungen damit erreicht werden können. Da geht es darum, die Endkunden zu überzeugen, Geld in die Hand zu nehmen. Förderung ist der zweite Baustein. Hier ist die steuerliche Förderung der energetischen Sanierung ein wichtiges Instrumentarium, denn ohne Anreize wird es nicht funktionieren. Bleibt noch die Frage nach dem Ordnungsrecht. Wir diskutieren momentan über eine  CO2-Bepreisung, oder über verpflichtende Positionen bei den energetischen Standards, etwa in Form von U-Werten. Das Thema steuerliche Abschreibung hat der Verband schon sehr, sehr früh auf die Agenda gebracht. Wir gehen davon aus, dass das jetzt auch kommt, zumal es von Minister Horst Seehofer konkret ins Klimakabinett eingebracht worden ist.

Haben Sie einen Tipp, wann es so weit sein wird?

Wissen Sie, ich kann Ihnen noch nicht einmal sagen, ob die Regierung noch bis Ende des Jahres bestehen wird. Ich gehe davon aus, dass wenn das Klimakabinett das nächste Mal tagt, es hier konkrete Vorschläge geben wird, und dass die steuerliche Förderung von Sanierungsmaßnahmen am Ende des Jahres auf der Liste der klimapolitischen Maßnahmen der Bundesregierung stehen wird. Ein bisschen enttäuscht bin ich, dass sie in den Haushaltsentwurf für das nächste Jahr noch nicht aufgenommen wurde. Das ist natürlich ein schlechtes Zeichen. Aber ich glaube, dass das Klimakabinett sich damit auseinandersetzen wird und bin zuversichtlich, dass die steuerliche Förderung bald kommt.

Der Branchenradar-Studie zufolge sind die Preise im Neubaubereich gestiegen. Worauf sind die steigenden Preise zurückzuführen?

Wir haben im Bereich des Neubaus und im gesamten Baubereich eine gute Konjunktur. Eine Preissteigerung von 2,1 Prozent, wie sie in der Studie genannt wird, ist inflationsbereinigt im grünen Bereich und nicht ungewöhnlich. Eine Überhitzung des Marktes stellen wir nicht fest.

Im Januar hat der VFF vor Billigfenstern aus dem Internet gewarnt. Ist das ein Thema, dass Sie zunehmend beschäftigt?

Ja, das ist ein großes Thema. Aktuell kommen 25 bis 30 Prozent der Fenster auf dem deutschen Markt  aus dem europäischen Ausland, insbesondere aus Polen und darüber hinaus. Wir wollen die Endnutzer dafür sensibilisieren, dass eine reine Entscheidung über den Preis, also die Wahl des günstigsten Produktes, in der Langfristbetrachtung über den Lebenszyklus eines Produktes nicht immer die richtige und wirtschaftlich günstige sein muss. Es gibt Beispiele dafür, dass Produkte schon nach wenigen Jahren derartige Schäden aufweisen, dass sie im Extremfall auszutauschen sind. Und dann ist das vermeintlich günstig eingebaute Fenster doch teurer, als wenn ich gleich ein Qualitätsprodukt nehme.

Aber es werden ja nicht alle Fenster aus dem Ausland Billigfenster mit einer geringen Qualität sein.

Das wollte ich auch nicht sagen. Aber wir merken natürlich, dass Kaufentscheidungen, die hauptsächlich preisgetrieben sind, nicht immer die richtigen sind. Außerdem gehört zum Fenster ja auch die Montage. Nur wenn ich ein Produkt kaufe, das gewisse Qualitätsstandards erfüllt, was zum Beispiel die RAL Gütesicherung sicherstellt, und das dann auch noch fachgerecht montiert wird, kann ich mir sicher sein, dass es auch funktioniert. Diese Kette funktioniert leider nicht immer. Daher weisen wir in unseren Informationen für Endkunden darauf hin, dass der Einklang aus Qualitätsprodukt und fachgerechter Montage für eine dauerhafte Funktion wichtig ist. Das Fenster ist dann vielleicht etwas teurer, aber man kann sicher sein, dass es über den langen Lebenszyklus von 25 Jahren auch funktioniert.

Wie lässt sich denn die Qualität der Produkte aus dem Ausland sicherstellen. Wäre eine Mitgliedschaft in der RAL-Gütegemeinschaft denkbar?

Dafür müssten die Anbieter zunächst einmal bestimmte Qualitätsanforderungen des ift Rosenheim erfüllen. Aktuell sehe ich das nicht.

Lange Zeit haben sich die verschiedenen Fensterhersteller gegenseitig mit immer besseren U-Werten ihrer Produkte überboten. Ist die U-Wert-Rallye inzwischen zum Stillstand gekommen?

Es gibt nach wie vor Verbesserungen in diesem Bereich. Die Frage ist, ob der Aufwand, den man da reinsteckt, bei dem was es bringt am Ende wirtschaftlich sinnvoll ist. Aktuell  haben wir im Fensterbereich mit der Dreifachverglasung und den hochisolierten Rahmen eine sehr hohe Wärmedämmung erreicht. Daher glaube ich, dass eine weitere Verschärfung von U-Werten nur einen sehr eingeschränkten Beitrag zum Klimaschutz leisten wird. Außerdem würde das zu einer weiteren Verteuerung der Bauprodukte führen, was ja auch nicht gewollt ist. Daher glaube ich, dass die reine U-Wert-Rallye ein Stück weit zum Ende gekommen ist. Vielmehr geht es darum, flankierende Faktoren wie solare Gewinne von Isolierverglasung im Winter und moderne Verschattungssysteme für den sommerlichen Wärmeschutz zu nutzen. Da ist es ganz wichtig, dass die Konstruktionen ein Stück weit intelligenter werden, vernetzt und smart, so dass man zu einer optimalen Nutzung der Konstruktionen kommt, die am Ende auch zu einer deutlichen Absenkung des Energieverbrauchs im Gebäude führt.

Werden die smarten Komponenten am Markt bereits nachgefragt?

Es gibt eine Reihe von Komponentenherstellern, die entsprechende Produkte anbieten. Momentan ist das aber eher ein Thema im Objektgeschäft, also in großen Gebäuden mit Steuerungssystemen, und im hochwertigen Privatsegment. In der breiten Masse ist es noch nicht festzustellen, aber es wird kommen. Denn es ist eine Chance für unsere Branche, Mehrwerte in Form von Steuerungselementen einzubringen und über moderne, vernetzte Elemente einen weiteren Beitrag zum Klimaschutz zu erbringen. von Silke Thole

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