Sanierung

Umgestaltung eines Kirchturms

Foto: Oliver Kern

Mit dem hölzernen Turm für die Dorfkirche St. Georg schufen Architektur3 ein neues Wahrzeichen für den Schwarzwälder Ort Bleibach. Bereits von Weitem ist die helle Holzkonstruktion mit dem spitz zulaufenden Dach sichtbar. Aus der Nähe erschließt sich die statisch anspruchsvolle Konstruktion des dreieckigen Glocken- und Aussichtsturmes, bei dem regionales Baumaterial mit einer innovativen Behandlungsmethode zum Einsatz kam. Ein Gewinn für den Ort.

Bleibach besitzt bereits eine bemerkenswerte Dorfkirche aus mehreren Epochen, jedoch ohne Turm. Die vier Glocken hingen im Dach des gotischen Chors, was beim Läuten zu Rissen im Kreuzgewölbe führte. Aus diesem Grund entwarfen Architektur³ einen freistehenden 33 Meter hohen Turm gleich einem Campanile, dessen Konstruktion aus Holz die dynamischen Lasten der schwingenden Glocken aufnehmen kann. Dabei wurden für die konstruktiven Teile wie Wände, Decken und Treppen vorgefertigte Brettsperrholzwände aus Weißtanne verwendet. Dieses Material zeichnet sich durch eine hohe Steifigkeit aus und kann damit die dynamischen Lasten über das Fundament abtragen. Dadurch, dass die Längs- und Querlagen aus Massivholz miteinander verklebt sind, reduziert sich das Quellen und Schwinden des Holzes. Zudem ist die Materialwahl eine nachhaltige Lösung, da das Weißtannenholz aus der Umgebung im Schwarzwald stammt. Innovativ ist, dass für die Fassade und Dacheindeckung Accoya verwendet wurde. Durch die chemische Modifikation mit Essigsäureanhydrid gewinnt das acetylierte Holz in hohem Maß an Dauerhaftigkeit und Resistenz gegen Schädlinge und Pilze und eignet sich deshalb besonders für den Außenbereich.

Bezug zum Bestand und zur Umgebung

Der neue Turm bildet den Abschluss von über 500 Jahren Baugeschichte, vom gotischen Chor aus dem Jahr 1514 über das Beinhaus aus dem Jahr 1720 bis zum modernen Kirchenschiff von 1978. Dessen Grundriss spielen mit der geometrischen Form des gleichseitigen Dreiecks, das im christlichen Glauben für die Dreifaltigkeit steht. Dies inspirierte die Architekten zur dreieckigen Grundrissform des Turms. Zugleich leiteten sie die Materialwahl des Turms aus dem Holztragwerk des modernen Kirchenzeltes her. Auch die äußere Erscheinung des Kirchenschiffs, die fallenden Linien des Dachs, finden sich in der Ausformung des Turmkopfes wieder und machen deren Verwandtschaft deutlich. Damit rundeten die Architekten das Kirchenensemble behutsam ab.

Des Weiteren spielte bei der Gestaltung des Gebäudes das natürliche Licht eine wesentliche Rolle. Durch die dreieckige Grundrissform steht meist eine Fassade in der Sonne und die beiden anderen im Schatten. Damit ist die Tageszeit an der Hülle ablesbar. Zudem ermöglichen die vertikalen Sicht- und Luftschlitze das gleichmäßige Eindringen des Sonnenlichts in das Gebäude und verleihen dem Turm damit ein lebendiges Äußeres. Auf der Höhe der Aussichtsplattform lassen sich die Wände an allen Seiten über Holzschiebeläden öffnen. Im Bereich der Kirchenglocken darüber sorgen vertikal angeordnete Lamellen in der Fassade für eine gelenkte Ausrichtung des Schalls.

Das Gebäude wurde gleich zweimal mit dem Iconic Award 2020 ausgezeichnet. Der Preis honoriert das architektonische Konzept und die innovative Materialwahl des Kirchturms.

In diesem Zusammenhang sind zwei weitere Gebäude von Architektur3 zu nennen, die regionales Holz als Fassaden- und Konstruktionsmaterial verwenden und den Bezug zur Umgebung und zum Bestand suchen. Die Elztalbrennerei Weis in Gutach, die 2019 ebenfalls mit dem Iconic Award ausgezeichnet wurde und der Industriebau für die Firma Gutex in Eschbach, der bis 2023 fertig gestellt wird. Damit gewinnt die lokale Wirtschaft.

Quelle: Architektur3 / wh

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