Siedlung in Hügelshart soll Vorbild für Bauen in der Region sein

Plusenergiesiedlung betont Effizienz und Ökonomie

Die ersten Häuser der Plusenergie-Siedlung Hügelshart sind schon bewohnt. © P. Grund-Ludwig

Eine Plusenergiesiedlung aus einem Guß ist in Hügelshart bei Augsburg entstanden. Das Bauprojekt, dessen erste Häuser jetzt bezugsfertig sind, wurde von der Asset Bauen Wohnen GmbH in Kooperation mit der BayWa AG realisiert.

„Uns war es wichtig, Wirtschaftlichkeit und Energiebilanz ins Gleichgewicht zu bringen“, betonte Berhard Jakob, Geschäftsführer des Bauträgers Asset Bauen Wohnen GmbH bei der Einweihung. Das energetische Konzept basiert auf einem KfW-Effizienzhaus 55.

Den Mehrpreis für das Plus an Energie gibt der Bauträger mit zwischen 25.000 und 30.000 Euro pro Haus an, bei einer Nutzfläche von bis zu 148 Quadratmetern. Diese Mehrkosten amortisieren sich bei den Einfamilienhäusern nach zirka 15 Jahren durch eingesparte Energiekosten, bei den Doppelhaushälften dauert es etwas länger, da die Dachflächen kleiner sind. Die Baukosten lagen inklusive Haustechnik und ohne Grundstückskosten bei zirka 3000 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche.

Das Plus an Energie entsteht nicht nur eine möglichst große Reduktion des Verbrauchs, sondern durch Energieerzeugung vor Ort durch große Solaranlagen auf den Dächern. „Wir wollten nicht maximal dämmen und auch nicht zu viel Elektronik, sondern relativ enttechnisierte Häuser mit einfacher Bedienung“ erklärt Jakob das Konzept.

Gebaut wurde in Massivhausbauweise mit perlit-gefüllten Ziegeln. Die Dachkonstruktion kombiniert mineralische Zwischensparrendämmung und Aufdachdämmung. Die opaken Bauteile haben einen Wärmedurchlass von 0,12 bis 0,15 W/m2K, die Fenster bringen es auf 0,8 W/m2K.

Wohngesundheit wird zertifiziert

Wichtig war dem Bauträger auch das Thema Wohngesundheit, es durften nur emissionsarme Baustoffe eingesetzt werden. Nach Abschluss der Bauarbeiten werden die Häuser in Kooperation mit dem Sentinel Haus Institut und den TÜV Rheinland im Hinblick auf die Wohngesundheit zertifiziert. Die Handwerker wurden in Einbau und Anwendung der emissionsarmen Baustoffe geschult. Außerdem legten die Bauträger Wert darauf, mit lokalen Handwerkern zusammenzuarbeiten, um einen Vorbildcharakter der Siedlung zu erreichen. Gebaut wurde ein weiß verputzter Baukörper mit einem dunkelgrau gedeckten Satteldach mit einer Neigung von 45 Grad mit Aufdach-Solaranlagen aus Glasfolienmodulen, die fast die komplette Dachfläche bedecken. Das Gewicht der PV-Module ist mit 18 Kilo pro 1,7 Quadratmetern relativ gering. Indach-PV wäre deutlich teurer gewesen.

Geheizt wird mit Flächenheizungen in den Decken. Die Heizungsrohre liegen dabei direkt unter der Verkleidung, das mache die Systeme weniger träge als Fußbodenheizungen, erklärte Georg Polz, der das Projekt von Seiten der BayWa betreut hat. Die Vorlauftemperaturen können um 3 Grad niedriger ausfallen, der Hersteller spricht gegenüber einer Fußbodenheizung von 18 Prozent geringeren Heizkosten bei gleichen Temperaturen. Nur im Bad gibt es aus Komfortgründen eine zusätzliche Fußbodenheizung.

Die Wärmeerzeugung erfolgt zum großen Teil durch Luft-Wärmepumpen, teilweise ergänzt durch einen Biomassekessel als Backup. Die thermischen Wasserspeicher haben eine Größe von 1500 Litern in den Einfamilienhäusern und 1000 Litern in den Doppelhäusern.

Keep it simple bei der Technik

„Neu im Vergleich zu anderen Effizienzhaus-Projekten ist die Zusammenstellung der Produkte“, erläuterte Elke Dehlinger von der BayWa r.e, die für die Anlagenkonzeption verantwortlich war. In ersten Projekten der Baywa r.e zum Thema Plusenergie kam noch aufwändigere Technologie wie eine Kombination aus Solarthermie und Photovoltaik und ein großer thermischer Speicher zum Einsatz. Die Steuerung erfolgte über eine Eigenprogrammierung. In einem zweiten Objekt in Tübingen wurde dann Standardtechnologie eingesetzt. Im Ergebnis lassen sich eine Eigenversorgung von 75 Prozent und Wärmekosten von 87 Euro pro Monat für das 240 Quadratmeter große Haus erzielen.

Die Siedlung in Hügelshart ist technisch noch einmal vereinfacht, so Dehlinger: „Unsere Anlagenkonzeption setzt ganz bewusst auf die Verwendung von vielfach am Markt erprobten Standardkomponenten und deren optimal aufeinander abgestimmte Kombination. Das bringt den Vorteil der Zuverlässigkeit, aber auch eine gute wirtschaftliche Komponente, und zwar ohne Abstriche bei der angestrebten hohen Energieautarkie.“ Das führt zu einem Autarkiegrad von 73 Prozent und zu Energiekosten von 12,53 Euro pro Monat für die Familien bei einem Netzbezug von 1800 Kilowattstunden in den 160 Quadratmeter großen Gebäuden.

Das hauseigene Monitoring steuert das Zusammenspiel von Verbrauch und Einspeisung optimal. Optional haben die Bewohner die Möglichkeit, in den ersten Jahren nach der Erstellung die Häuser zu vermessen und im Betrieb weiter zu optimieren. von Pia Grund-Ludwig

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